Oper am Rhein: 15 Scouts im Einsatz
VON ANANDA MILZ - zuletzt aktualisiert: 17.09.2009 - 08:26Düsseldorf (RPO). "Oper für alle" hieß es bei der Gala, die rund 10.000 Menschen an den Burgplatz zog. Auch während der Spielzeit will das Opernhaus nach außen strahlen. Rund 15 Scouts gehen dafür an den Start. Auftakt: morgen bei "Peter Grimes".
Für Sissy Sachtleben ist Oper längst Lebenselixier, eine Frischzellenkur für Auge, Ohr und Herz. "So oft es geht, bin ich in der Oper. Während der Saison oft zweimal pro Woche", sagt die 68-Jährige.
Für andere hat Musiktheater eher etwas von Lebertran und kostet sie Überwindung. "Oper? Gehört dazu, ist bestimmt gut, muss ich irgendwann mal hin", dachte Nicole Hinkel bislang. Sie gesteht, dass sie über viele Jahre nie in die Oper ging. Und ihr Mann, Bäcker und Ex-Prinz Josef Hinkel, sei nur mal während der jecken Jahreszeit dort gewesen – als Tollität auf der Bühne.
So unterschiedlich die beiden Damen auch sind – ab sofort haben sie eine gemeinsame Mission: Sie sind zwei von rund 15 neuen Scouts der Deutschen Oper am Rhein, die die erste Spielzeit unter Christoph Meyer begleiten. Sinn und Zweck ist es, Musiktheater und Tanz ins Gespräch zu bringen, Meinungen, Eindrücke, Erlebnisse nach außen zu tragen – und vielleicht auch potenzielles neues Publikum zu erreichen. "Wir wollen uns ins Gespräch bringen – wie ein Lauffeuer, das sich nach und nach in der ganzen Stadt verbreitet", bekundet Intendant Christoph Meyer.
Deshalb kommen jetzt die Opernscouts bei ausgewählten Premieren zum Einsatz. Es sind ältere und jüngere Menschen, Operngänger und -neulinge, zum Teil stadtbekannte Gesichter sowie Menschen aus unterschiedlichen Branchen wie Mode, Kunst, Werbung und Gastronomie. "Sie alle machen mit, weil sie neugierig auf die neue Spielzeit sind und sich auf Musiktheater und Tanz einlassen wollen", sagt Tanja Brill, die als Sprecherin der Rheinoper die Scouts betreut.
Zu den Jüngsten zählen die Studentinnen Jana Lang und Veronika Falk – beide 21 Jahre alt. Zu den prominenteren Gesichtern ist neben Ehepaar Hinkel Christiane Oxenfort zu zählen, die nicht nur als Geschäftsführerin des Altstadtherbstes ihre Affinität zur Musik beweist. Als Flötistin saß sie bei den Duisburger Symphonikern selbst für einige Zeit im Orchestergraben.
Groß ist die Freude auch bei Schauspielerin Jenny Jürgens, die als Tochter von Udo Jürgens aus einem musikalischen Haus kommt, aber gesteht, sie sei keine große Opernkennerin: "Ich liebe aber Theater und lasse mich von Gefühl, Pathos und schönen Bildern verführen."
Ebenfalls am Start: der Wirt von "Bender's Marie", Dirk Hoffmann. "Klassik höre ich ansonsten immer nur in den eigenen vier Wänden", sagt er. "Mal schauen, was passiert, wenn Bender's jetzt auf Kultur macht." Eine gewisse Pionierarbeit leisten die Scouts allemal. "Wir lassen uns überraschen, was während der Spielzeit entsteht", sagt Brill. Denn bisher sind nur die groben Abläufe klar.
Vor den Premieren – die erste ist morgen mit "Peter Grimes" – bekommen die Teilnehmer kleine Fragebögen ausgehändigt. Nach der Aufführung treffen sich die Scouts zum gemeinsamen Austausch. "Dabei steht das Erlebnis Oper im Vordergrund", erklärt Brill.
So sollen die Stücke nicht trocken auseinandergepflückt werden. "Auf der Bühne geht es ja um Themen, die uns alle betreffen. Darüber wollen wir reden und über das, was es mit uns macht, was wir dabei empfinden", so führt die Opernsprecherin weiter aus.
Diese Eindrücke werden die Scouts dann auf verschiedenen Wegen verbreiten. Etwa in Interviews mit der Rheinischen Post, auf der Homepage der Oper oder auch bei Gesprächen mit Funk und Fernsehen. Allen aber soll die Sache vor allem Spaß machen – oder wie es Jenny Jürgens so schön formuliert: "Das, was ich auf der Bühne erlebe, will ich mit meinem Herzen transportieren."
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