Wenn die Gesellschaft altert: 15.000 Düsseldorfer sind dement
VON JENNIFER KOCH - zuletzt aktualisiert: 24.09.2008 - 11:11Düsseldorf (RPO). Wenn die Gesellschaft altert, werden auch typische Alterskrankheiten häufiger. Nicht anders in Düsseldorf: Die Risikogruppe für Demenz wächst ständig. Ein Netzwerk will Kranken und Pflegenden helfen.
Nicht wissen, wie alt man ist, sich im eigenen Haus nicht zurechtfinden, den Ehepartner nicht erkennen – dies sind die schwereren Auswirkungen von Demenz. Nicht immer ist die Krankheit allerdings so stark ausgeprägt: Auch leichte Formen belasten die Betroffenen und ihre Angehörigen im Alltag.
Rund 150.000 Menschen sind in Düsseldorf über 68 Jahre alt. „Wir rechnen damit, dass etwa 15.000 Personen an einer Form von Altersdemenz erkrankt sind“, erklärt Barbara Höft, Fachärztin der Institutsambulanz Gerontopsychiatrie. Die Ambulanz ist Teil des Demenznetzes Düsseldorf. Das Netzwerk wurde 2007 gegründet, um die Arbeit von Wohlfahrtsverbänden, der Stadt und wissenschaftlichen Instituten zu koordinieren. Mittlerweile werden an 19 Standorten demenzkranke Menschen gemeinsam mit ihren Angehörigen betreut.
Eines der Angebote des Netzwerkes ist „BEAtE“ – Betreuungsgruppen für Demenzkranke. In Kleingruppen werden dort Kranke einmal wöchentlich betreut, um ihre Angehörigen in diesen Stunden zu entlasten. Auch zu Hause unterstützen Mitarbeiter des trägerübergreifenden Netzwerkes die Kranken. Bei dem Projekt „Da für Dich“ betreuen Helfer die Kranken im eigenen Heim.
Die zugehende konsiliarische Begleitung ist ein weiterer Service des Netzwerkes. Dabei geht es um Menschen, die krank sind, aber ihre eigene Krankheit nicht wahrnehmen. „Es gehört zum Krankheitsbild, dass der Betroffene sich gesund fühlt“, erläutert Höft. Auf Anfrage von Freunden, Familie oder Nachbarn besucht ein Arzt oder eine Fachkraft den Betroffenen und sucht nach Möglichkeiten, ihm zu helfen. „Das soll eine Art Türöffner für das Hilfesystem sein“, so Höft.
Über 100 Betroffene kommen wöchentlich pro Standort zu den Angeboten: „Das sind 100 Familien, denen geholfen wird“, so die Fachärztin. Diese Hilfe benötigen die betroffenen Familien dringend, denn: „Ein großer Anteil der betreuenden Angehörigen wird durch die Belastung selbst krank, psychisch oder körperlich“, so Höft.
Am schwierigsten ist für Angehörige die Umkehrung der Rollen. Davon sind vor allem Kinder betroffen, die ihre Eltern pflegen müssen. Auch für den Ehepartner ist diese Situation schwer zu bewältigen. Über Jahrzehnte vertrauten sie ihrem Partner – plötzlich wird es notwendig, ihm einen Teil der Selbstständigkeit zu nehmen, um ihn zu schützen. Die Angebote des Netzwerkes sollen deshalb nicht nur die Kranken selbst unterstützen, sondern auch die pflegenden Angehörigen.
Informationstag des Demenz-Servicezentrums, Samstag, 27. September, 10 bis 17 Uhr, Heinrich-Heine-Platz.
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