Branche in der Krise: 200.000 Taxifahrten weniger
VON CHRISTIAN HERRENDORF UND UWE REIMANN - zuletzt aktualisiert: 03.09.2010 - 07:26Düsseldorf (RPO). Mit mehr als sechs Prozent weniger Fahrten als 2008 sind die Unternehmen in die Krise gefahren. Die Stundenlöhne sollen deshalb inzwischen in der Regel unter 7,50 Euro liegen.
Die Zahl der funkvermittelten Taxifahrten ist in Düsseldorf erstmals seit drei Jahren wieder unter drei Millionen gefallen. Das geht aus einem Bericht der Kämmerei hervor. Im vergangenen Jahr zählten die Taxi-Düsseldorf EG und Rhein-Taxi gemeinsam 2,97 Millionen Einsätze. 2008 waren es noch 3,19 Millionen. Taxi-Düsseldorf erlitt dabei den deutlichen größeren Verlust im Vergleich zu Rhein-Taxi. "Es gibt zwei Gründe für die schwächeren Umsätze: die schlechte wirtschaftliche Lage und das ohnehin schwache Messejahr 2009", erklärt Dennis Klusmeier, Vorstand von Taxi-Düsseldorf.
Ein Jahr ohne große Messen und damit weniger Fahrten zu Messe, Flughafen und Hauptbahnhof hätten zu dem Ergebnis geführt. Hans Becker, Geschäftsführer von Rhein-Taxi, mag dem so nicht zustimmen: "Es gibt große Unterschiede bei den Umsatzzahlen zwischen uns und der Taxi-Genossenschaft." So sei das Minus bei der Konkurrenz bei satten zehn Prozent, während man bei Rhein-Taxi nur ein kleines Minus von rund einem Prozent zu verschmerzen habe. "Das spricht für die Qualität unserer Leistung und gegen die Genossenschaft", sagt Becker. Aber er hat bereits wieder Hoffnung. "Im ersten Halbjahr dieses Jahres haben wir bereits wieder ein Plus von 30 Prozent mehr Fahrten."
Weitere schlechte Nachrichten für die Taxi-Betriebe ergeben sich aus der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Die Benzinpreise sind zwar leicht gesunken, dafür stiegen aber die Kosten für Neufahrzeuge. Deshalb sanken die Erlöse nach Angaben von Taxi-Düsseldorf um 9,3 Prozent. Rhein-Taxi gab an, dass das Fahrpersonal aufgrund der rückläufigen Erträge inzwischen Stundenlöhne erhalte, die "in der Regel unter 7,50 Euro" lägen.
Hans Becker plädiert deshalb vehement dafür, "endlich für eine seriöse Taxitarif-Berechnung zu sorgen". Bisher verlange die Genossenschaft einfach irgendwann höhere Tarife. Eine Grundlage habe das nicht. So sollten seiner Meinung nach die wirklichen wirtschaftlichen Daten erst einmal ausgerechnet werden, um einen endgültigen Tarif festsetzen zu können.
Als weitere Ursache des Minus gilt die Menge der Taxikonzessionen (siehe Info). Ende 2009 gab es in der Landeshauptstadt 1324 Konzessionen, am 30. Juni sollen es noch 1313 tatsächlich betriebene Konzessionen gewesen sein. Ein Widerruf der Genehmigungen ist nicht möglich.
Ein wesentliches Problem für die Taxi-Betriebe bildet zudem die steigende Zahl der Mietwagen-Konzessionen. Zum Stichtag 30. Juni waren in Düsseldorf 256 dieser Konzessionen vergeben, Ende 2009 waren es noch 231. Mietwagen meint Autos für Shuttle-Transporte etwa zum Flughafen oder zu Hotels. "Da hat sich ein Paralleluniversum entwickelt, das kaum zu kontrollieren ist", sagt Klusmeier.
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