Fotograf baut Waisenhäuser: 23-Jähriger hilft in Kambodscha
VON ANDREAS PANKRATZ - zuletzt aktualisiert: 14.02.2011 - 07:58Düsseldorf (RPO). Der Fotograf und Kameramann Josh Feitelson baut derzeit zwei Kinderdörfer für Waisenkinder in Südostasien. Sein Appell vor allem an alle jungen Menschen: Jeder kann etwas tun, um zu helfen.
Der schlaksige Rotschopf sieht müde aus, trotzdem steht er vor einigen Hundert seiner ehemaligen Mitschüler des Leibniz-Gymnasiums, um von seinen Erlebnissen zu berichten. Mit einer Fernbedienung für den Beamer schaltet der 23-Jährige durch die Bilder, die er in Südost-Asien geschossen hat und fesselt die jungen Menschen im Publikum mit Sätzen wie: "Hilfe beginnt da, wo man anfängt, von den Problemen anderer zu erzählen."
Mehr als nur Geld spenden
In seinem jungen Leben kommt Josh Feitelson kaum zur Ruhe. Armut, Tod und Krankheit hat Josh Feitelson bereits gesehen – auf seinen Reisen durch China, die Mongolei, Thailand und Kambodscha. Lange hat er sich selbst gefragt: "Was kann ich denn schon dagegen tun?" Und irgendwann beschlossen, einfach irgendwo anzufangen. Mit Freunden hat er den Verein BeeBob gegründet, mit dem er zwei Kinderdörfer in Kambodscha aufbauen wird. Eigentlich wollte er Arzt oder Biochemiker werden – dazu ist es aber nicht gekommen. Gleich nach seinem Zivildienst reiste er mit der Kamera durch die fernöstlichen Länder und fotografierte deren Landschaften und Menschen. Auf seine Arbeiten wurde die Firma Teekanne aufmerksam und schickte ihn daraufhin noch einmal nach Asien, mit dem Aufrag einen Imagefilm für das Düsseldorfer Unternehmen zu drehen.
Mit seinem Verein BeeBob sucht Josh Feitelson Freiwillige, die die Hilfsorganisation von Deutschland aus unterstützen. Beispielsweise bei der Öffentlichkeitsarbeit und beim Fundraising. Interessierte melden sich per Email unter Josh@beebob-hilfe.de
Zurück in Deutschland, packte ihn wieder das Fernweh. "Ich wollte schon immer sozial tätig sein", sagt Feitelson. Er wollte nicht einfach nur Geld spenden, sondern hat sich erst in Thailand und später auch in Kambodscha Hilfsorganisationen gesucht, wo nicht nur die Hilfe von Medizinern oder Architekten gefragt ist. Obwohl er in der Zwischenzeit eine Zusage der Hochschule in Hannover für Fotografie hatte, entschied er sich, in das junge, vom Buddhismus geprägte Land zurückzukehren.
Dort wohnt er immer noch. Jeden Morgen steht er um fünf Uhr auf, macht ein wenig Sport und besucht die Kinder im Waisenhaus. "Es war nicht leicht, mit den Kindern in Kontakt zu treten – auch wenn sie immer lächeln", erinnert er sich. Ihre Eltern sind an Aids gestorben oder haben sie einfach vor dem Waisenhaus ausgesetzt. An den Arbeitsrhythmus der Einheimischen musste er sich erst gewöhnen. "Hier geht nichts schnell", sagt Feitelson. Die Bürokratie ist sperrig, doch alles müssen er und seine Mithelfer mit den Behörden abstimmen.
Aber das seien alles nur Kleinigkeiten im Vergleich zu dem Glück, das er jeden Tag erleben dürfe. "Die Ruhe hier ist einfach göttlich." Erst wenn das Kinderdorf steht und sich selbst versorgen kann, könne er sich vorstellen, wieder nach Deutschland zu kommen. Bis dahin sind Besuche bei Familie und alten Freunden selten. Und wenn er mal da ist, ist er mit den Gedanken doch wieder in den kleinen Dörfern Stung Treng und Thalaborivat.
Bei seinen Vorträgen in Schulen will er nicht nur erzählen, sondern jeden Zuhörer ermuntern, selbst etwas gegen die Not der Menschen zu unternehmen. Im Leibniz-Gmynasium neulich gab es für Joshs Einsatz und seine Geschichten lauten Beifall. Dann kamen zwei Schülerinnen zu ihm und sagten verlegen: "Uns hat der Vortrag sehr motiviert." Josh lächelte ebenso schüchtern und strich sich mit der Hand durch die Haare.
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