Düsseldorfs sechste "Nacht der Museen": 25.000 auf kunstvoller Nachtwanderung
VON TIM BAUSZUS - zuletzt aktualisiert: 07.05.2006 - 12:04Düsseldorf (dto). Neben über 40 teilnehmenden Museen, Kulturinstituten und Galerien lockte am Samstagabend vor allem das sommerliche Klima Besucher jeden Alters zur sechsten „Nacht der Museen“. Über 25.000 Kunstliebhaber flanierten bei angenehmen Temperaturen bis spät in die Nacht durch Düsseldorfs Straßen, Altstadtgassen und Plätze. Rappelvolle Shuttlebusse brachten die verschwitzten Besucher zu den einzelnen Veranstaltungsorten.
„Man kann tiefe Farbtöne auch klatschen“ oder „Kunst hat eine ganz eigene Realität“ waren hörbare Satzfetzen, die einem beim abendlichen Schleichen durch eine der Galerien zu Ohren kommen konnten. Wer es etwas praktischer mochte, war direkt auf dem Grabbeplatz, dem Zentrum des Geschehens, besser aufgehoben. Hier hielt das Performance-Duo BrindlArt vorbeieilende Menschen kurzerhand zum Stillstehen an um sie mit dicken schwarzen Pinselstrichen zu porträtieren. Nachbearbeitet wurden die lebensgroßen Skizzen dann mit Händen, Füßen und sonstigen Körperteilen – wenn die Farbe nicht gerade eimerweise auf das entstandene Gemälde oder die Künstler selbst geklatscht wurde.
Das restliche Spektrum der Museumsnacht reichte von Schloss Benrath im Süden über das Tanzhaus NRW in der Nähe des Hauptbahnhofs und die Innenstadt bis weit in den Norden zum Aquazoo. Hier zeigten die Aussteller was die Natur künstlerisches zu bieten hat und luden zu Schabenrennen und Spinnenstreicheleinheiten ein. Vor dem Medienzentrum im Hafen auf dem Ueckerplatz versammelten sich viele Cineasten, um Open-Air-Kino mit progressiven Kurzfilmen aus der Filmwerkstadt zu verfolgen.
Eine Live-Performance von Heinrich Lübner auf dem Dach des Kunstpalastes, Fußball-Lesungen mit Manni Breuckmann sowie Lichtinstallationen an den Wänden der Museen vervollständigten die Angebotspalette. Ungebrochen war die Neugier der Besucher auf die Austellung von Modedesignerin Vivienne Westwood, was bis tief in die Nacht für lange Schlangen am Ehrenhof sorgte. Drumherum luden zahlreiche Liegestühle zum Entspannen und Verweilen ein, auf großen Leinwänden flackerte die Video-Performance des Essener VJ-Kollektivs VLIGHT.TO. Eine weitere Bereicherung der Museumsnacht war die Gastregion Basel, die mit musikalischen und gastronomischen Beiträgen die Wartezeit rund um die Ausstellungsorte verkürzte.
Erfolgreichste kulturelle Veranstaltung
Düsseldorfs neuer Kulturdezernent Hans Georg Lohe freute sich über ein bunt gemischtes Publikum jeden Alters aus der Stadt, der Region und gar aus dem Nachbarland Holland: „Die Nacht ist inzwischen zu einer der erfolgreichsten kulturellen Veranstaltungen geworden.“
Im Heinrich Heine Jahr wandelten Literaturfans bei Altstadttouren auf den Spuren des Dichters durch seine Heimatstadt. Lesungen zu Heines Träumen im Heine-Institut kommentierten den 150. Geburtstag von Sigmund Freud auf witzige, ironische Weise, in der Kunsthalle wurde das Gedicht „Du bist wie eine Blume“ inszeniert.
Mit Begeisterung blickten die Veranstalter auf die Nacht, das Wetter und die vielen Besucher zurück. Letztere erlebten lediglich zu später Stunde qualvolle Minuten in den übervollen und deswegen aufgeheizten Bussen, die sich nur im Schneckentempo durch den zähen, Düsseldorfer Nachtverkehr schieben konnten. Wer durchhielt, wurde an den jeweiligen Zielen mit spannenden Führungen belohnt oder machte sich auf eigene Faust auf zur nächtlichen Erkundung.
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