Feier im Stadtmuseum: 30 Jahre Grüne: Fortuna-Schal für Özdemir
zuletzt aktualisiert: 21.02.2010 - 13:22Düsseldorf (RPO). Der Chef der Grünen-Bundespartei begrüßte das 30-jährige Geburtstagskind mit augenzwinkerndem Respekt: "Die Düsseldorfer Grünen haben bekanntlich eine wilde Geschichte", sagte Cem Özdemir bei der Ü30-Party des hiesigen Kreisverbands im Ibach-Saal der Stadtmuseums.
Doppelspitze aus Frau und Mann, Rotationsprinzip, imperatives Mandat – all das hätten die Düsseldorfer mitgemacht und teils erdacht. Und: "Schily und Joseph Beuys waren Gründungsmitglieder." Geradezu historisch sei gewesen, dem Bundestagskandidaten Beuys 1983 den sicheren Listenplatz verwehrt zu haben. Er hoffe nur, so Özdemir, dass die Liaison mit dem neuen prominenten Zugpferd, dem Europaabgeordneten Sven Giegold, länger hält als die mit Promis aus den ersten Tagen. Da konnte sich Giegold, der ebenfalls zur Feier des Tages gekommen war, ein wissendes Lächeln nicht verkneifen.
Ein bisschen Bundespolitik durfte in Özdemirs Rede auch nicht fehlen. Vor allem für den FDP-Außenminister Guido Westerwelle fand er viele kritische Worte, betonte aber auch: "Für seine Geschlechtsorientierung verteidigen wir ihn, wenn er angegriffen wird, für seine Politik nicht."
Auch "der Norbert" Röttgen, Bundesumweltminister, erntete Kritik: Er sei zwar einst Teil der schwarz-grünen "Pizza Connection" gewesen, habe aber offenbar alles verlernt, "was wir ihm damals beigebracht haben". Damit Özdemir auch das echte Düsseldorf-Gefühl bekam, überreichten ihm seine ParteifreundInnen einen Fortuna-Schal sowie Karten für das Spiel gegen Rostock am Tag der Landtagswahl (9. Mai).
Angesichts der guten Umfragewerte der Grünen in NRW rechnet Özdemir mit einem Wechsel seiner Partei in die Landesregierung. Einen amüsanten Rückblick auf drei Jahrzehnte Grüne in Düsseldorf gab Mitgründerin Marit von Ahlefeld. Der Ende 1979 gegründete Kreisverband sei aus mehr als 100 Initiativen entstanden – von der "Aktion Wohnungsnot: Hausbesetzer" über die Friedensgruppen Mampf und Dampf bis hin zum Zakk. Da durften auch die Sponti-Sprüche nicht fehlen, zum Beispiel: "Lieber vom Schicksal gezeichnet, als von Immendorff gemalt" – wobei der inzwischen verstorbene Künstler ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern gehörte. Das Ziel war damals der "Marsch durch die Institutionen", der Vorstand wurde nur gewählt, weil das für die Parteigründung unumgänglich war; intern sei verabredet worden, so von Ahlefeld, "dass er nichts, aber auch gar nichts zu sagen hatte". Weil das Wort Vorsitzende verpönt gewesen sei, hieß es einfach nur Sprecher. So ist es bis heute "bei Grüns".
Und wie es sich für einen runden Geburtstag gehört, gab's im mehr als vollen Saal nicht nur Bier vom Uerige und Musik vom DJ, sondern auch kurzweilige Kultur in Form rhythmischer Reime der Poetry Slammer Nadja Schlüter und Jonas Jahn, thematisch passend zum Anlass.
Unter den Gästen: Grünen-Landtagsfraktionschefin Sylvia Löhrmann, Landesparteichef Arndt Klocke, Superintendent Ulrich Lilie, Umweltdezernentin Helga Stulgies, CDU-Partei-Vize Sabine Schmidt, die Düsseldorfer SPD-Chefin Karin Kortmann und ihr Vize Gerd Blatz, die Grünen-Kreisverbandssprecher Mona Neubaur und Holger-Michael Arndt, Beuys-Schüler Johannes Stüttgen, Peter-Josef Kleefisch (Werkstatt für angepasste Arbeit), Jochen Alxnat (Drogenhilfe Düsseldorf), CDU-Ratsherr Stefan Wiedon, die Landtagsabgeordnete Monika Düker, Barbara Gladysch (Friedensmütter), Dirk Jansen (BUND), die Grünen-Fraktionssprecher Iris Bellstedt und Günter Karen-Jungen.
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