Umzug der Düsseldorfer Justizvollzugsanstalt: 440 Gefangene verlassen Ulmer Höh'
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012 - 11:28In einem der größten Gefangenen-Transporte in der Geschichte Nordrhein-Westfalens ist am Freitag der Umzug der Düsseldorfer Justizvollzugsanstalt zu Ende gegangen. In besonders gesicherten Bussen wurden die Inhaftierten am Vormittag in den 190-Millionen-Euro-Neubau in Ratingen gebracht.
Hinter zwölf Strafgefangenen der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf liegt heute schon die zweite Nacht im neuen Gebäude. "Wir haben die paar, die als besonders gefährlich gelten, bereits am Abend vor dem eigentlichen Umzug nach Ratingen verlegt", sagte Anstaltsleiter Bernhard Lorenz gestern.
Auch diese Maßnahme war Teil eines Logistik-Konzepts, an dem Lorenz und sein Team seit Monaten getüftelt hatten und dass gestern in einer "Punktlandung" (Lorenz) auf dem neuen JVA-Gelände zu Ende ging. "Es hat perfekt funktioniert." Nicht zuletzt, weil auch die Mitarbeiter für einen reibungslosen Ablauf sorgten: 184 Vollzugsbeamte waren in der neuen und der alten Anstalt im Einsatz.
Laderaum voller Fernseher
Kurz nach halb sechs rollte der erste weiße Gefängnisbus durch das grüne Tor der Ulmer Höh' in Richtung Oberhausener Straße, wo kurz hinter der Stadtgrenze das neue Gefängnis steht. Im Laderaum hatten die Fahrer neben den Taschen, die jeder Gefangene für persönliche Dinge, Kaffee und Tabak, bekommen hatte, vor allem Fernseher verstaut. Die sind im oftmals langweiligen Knast-Alltag das Wichtigste für die Inhaftierte. Deshalb wurden die Geräte auch nicht schon vorher mit dem Umzugs-Lkw verschickt, sondern verließen mit ihren Besitzern zusammen die Zellen.
"So konnten die Geräte auch gleich in den neuen Hafträumen wieder angeschlossen werden", erklärt Lorenz. Gerade weil nicht auszuschließen ist, dass in den ersten Tagen nach dem Umzug noch nicht alles reibungslos läuft, soll das Fernsehen für ein bisschen Ablenkung sorgen.
Dabei war gestern vor allem der Umzug selbst die größte Abwechslung. Gegen Mittag waren alle 440 Gefangenen in ihren neuen Zellen angekommen und es herrschte "fast so etwas wie Euphorie", so Lorenz. Schließlich ist alles in der neuen Anstalt nagelneu und hochmodern, da gibt es eine Menge zu entdecken. Dass die neue Küche gestern bloß vorbereitete Frikadellen mit Kartoffelsalat zum Mittag ausgab, stieß am Umzugstag auch nicht auf Kritik. Ab heute werden die Gefangenen wieder normal verpflegt.
Einer von ihnen musste allerdings gestern ein Stück seiner persönlichen Vorräte abgeben: In dem ausgehöhlten Käse hatten die Vollzugsbeamten bei der Gepäckkontrolle ein Handy entdeckt und konfisziert. Im neuen Haus wäre es ohnehin gefunden worden: Zur 190-Millionen-Euro-Investition gehört auch ein Detektor für Mobilfunkgeräte.
Dass die Begeisterung für die neue Anstalt anhält, glaubt Lorenz nicht. Nach ein paar Tagen werde wohl jedem Insassen wieder bewusst sein, dass er hinter Gittern ist. Doch erst einmal sind alle im neuen Haus zufrieden – auch das Personal. Das aber wird in den nächsten Wochen sehr genau auf Lücken und Fallen in den Abläufen achten. In täglichen Besprechungen sollen sie so schnell wie möglich ausgemerzt werden. Denn schon in zwei Wochen kommen weitere Gefangene aus Duisburg und Oberhausen.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






