Düsseldorf: 444 Migranten arbeiten für die Stadt
VON JENNIFER KOCH - zuletzt aktualisiert: 25.01.2010 - 07:52Düsseldorf (RPO). Jeder fünfte Angestellte im öffentlichen Dienst sollte Einwanderungsgeschichte haben, so die Forderung der Integrationsbeauftragten Maria Böhmer. Düsseldorf ist mit 4,22 Prozent Migranten, die für die Stadt arbeiten, davon weit entfernt. Doch es gibt gute Beispiele der Integrationsarbeit.
Rund 100 000 Düsseldorfer besitzen einen ausländischen Pass, jeder Dritte hat einen Migrationshintergrund. Das ist mehr als der Landesdurchschnitt: In Deutschland entstammt nur jeder Fünfte einer eingewanderten Familie oder ist selbst immigriert.
Die Forderung der Integrationsbeauftragten des Bundes, Maria Böhmer, nach mehr Migranten im öffentlichen Dienst kann daher für Düsseldorf ganz besonders gelten. Böhmer fordert, dass die Zusammensetzung der Bevölkerung sich auch im Personal des öffentlichen Dienstes widerspiegelt. Mindestens jeder fünfte Beschäftigte solle aus einer Zuwanderungsfamilie kommen, sagte Böhmer exklusiv in unserer Zeitung. Das wird auch eine Zielsetzung für die Mitglieder des Integrationsausschusses sein, der am 7. Februar gewählt wird.
Zahlen seit Jahren konstant
Denn noch sehen die Zahlen in Düsseldorf anders aus. Rund vier Prozent der Beschäftigten der Stadt haben einen ausländischen Pass – aber beinahe 20 Prozent der Düsseldorfer haben nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Die Zahl ist seit Jahren fast konstant, ging zwischen 2003 und 2007 sogar leicht zurück: Von 4,68 auf 4,22 Prozent. Wie viele der deutschen Beschäftigten Migrationshintergrund haben, wird von der Stadt nicht ermittelt.
Eine der städtischen Angestellten mit Migrationshintergrund ist Nadia Atarzadeh. Ihr Vater ist Iraner, die Mutter Deutsche. Die 34-Jährige arbeitet im Büro des Dezernats Planen und Bauen. "Ich hatte bei der Bewerbung nicht das Gefühl, dass mein ausländischer Name eine Rolle gespielt hat", sagt sie. Für Personaldezernent Wilfried Kruse ist das selbstverständlich: "Für uns zählt die Leistung der Bewerber", sagt er. Eine Quote, um die Zahl der Migranten im öffentlichen Dienst zu erhöhen, findet er nicht sinnvoll. "Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen mit Migrationshintergrund die Arbeit bei der Stadt als interessante Aufgabe wahrnehmen."
Um unter jungen Ausländern und zugewanderten Deutschen für den öffentlichen Dienst zu werben, machte der mittlerweile aufgelöste Ausländerbeirat, der durch den Integrationsausschuss ersetzt wird, seit Jahren Werbung für die Ausbildung bei der Stadt. Die 19-jährige Irina Boeva ist eine, die davon angesprochen wurde. "Ich habe an einer Informationsveranstaltung teilgenommen, bei der die Ausbildung des Ordnungs- und Servicedienstes vorgestellt wurde", erzählt sie.
Der Beruf hat ihr so gut gefallen, das die junge Russin sich bewarb. Seit einem Jahr wird sie im OSD zur Verwaltungsfachangestellten für Öffentliche Ordnung ausgebildet. Und dabei kann sie den Kollegen durch ihren internationalen Hintergrund gut helfen. "Ich werde oft im Süden der Stadt eingesetzt, in Vierteln, in denen viele Russen leben", sagt sie. "Da helfen meine Sprachkenntnisse oft weiter."
Ähnliche Erfahrungen machte Celalettin Inci. Seine Eltern stammen aus der Türkei, er spricht deutsch und türkisch. Während seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt machte er auch eine Station bei der Arge. "Ich konnte dort denjenigen helfen, die kaum deutsch können", sagt er. "Auch wenn die Amtssprache deutsch ist, manchmal hilft es weiter, wenn man türkisch kann."
Das sieht auch Personaldezernent Kruse so. "Die Stadt profitiert von Menschen mit Migrationshintergrund, nicht nur wegen der Sprachkenntnisse", sagt er, "unser Land wird in den kommenden Jahren immer bunter werden. Das sollte sich auch in der Verwaltung widerspiegeln."
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