Schädlinge: 57 Betriebe geschlossen
VON SONJA SCHMITZ - zuletzt aktualisiert: 05.06.2009 - 07:14Düsseldorf (RPO). 8000 Proben von Lebensmitteln und anderen Produkten hat das Amt für Verbraucherschutz in seinem Labor im vorigen Jahr untersucht. 14 Prozent davon beanstandeten die Kontrolleure. Auch die Kreise Mettmann, Viersen und der Rhein-Kreis Neuss schicken ihre Proben ins Düsseldorfer Labor.
Wenn Kunden beim Lebensmitteleinkauf merken, dass im Geschäft Ungeziefer krabbelt oder das Fleisch schon verdorben ist, dann greifen viele schnell zum Hörer und melden dem Amt für Verbraucherschutz ihre Beobachtung. 546 Mal beschwerten sich im vergangenen Jahr Kunden bei den Verbraucherschützern über Lebensmittel. In der Regel zu Recht. Die Zahl der Beschwerden, die auch zu Beanstandungen führten, ist im vorigen Jahr auf 397 gestiegen, 2007 waren es noch 300.
Wie viele Betriebe wurden im vorigen Jahr kontrolliert und beanstandet?
In Düsseldorf sind allein 6200 Unternehmen registriert, die Lebensmittel verarbeiten oder verkaufen. 3302 Betriebskontrollen haben die Mitarbeiter im vorigen Jahr vorgenommen. 1680 Beanstandungen mit 146 Verwarnungen (und Zahlung von 35 Euro) waren die Folge. 57 Inhaber mussten ihre Betriebe schließen, bis dort schwere Hygienemängel oder auch der Schädlingsbefall beseitigt waren. 314 Mal mussten Inhaber Bußgelder (zwischen 150 und 4000 Euro) zahlen. Wegen Verdachts einer Straftat wurden 22 Verfahren an die Staaatsanwaltschaft übergeben.
Wann liegt der Verdacht einer Straftat vor?
Wenn Unternehmen Verbraucher täuschen, liegt eine Straftat vor, sagt Peter Steinbüchel, Leiter des Amts für Verbraucherschutz, und nennt Beispiele:
So bemängelte das Amt Chicken-Nuggets, die überwiegend aus fein zerkleinertem Fleisch bestanden. Bei der Produkt-Bezeichnung erwarten Verbraucher aber gewachsenes Geflügelfleisch.
In einem anderen Fall enthielt ein Hacksteak nicht Fleisch, das durch den Wolf gezogen wurde, sondern so genanntes Separatorenfleisch und einen zu hohen Anteil sehr fein zerkleinertes Fleisch. Beim Separatorenfleisch werden maschinell Fleischreste vom Knochen entfernt. Beim Verkauf muss dieses Produkt, das eine geringere Qualität hat, auch als solches gekennzeichnet werden.
In einem weiteren Fall war ein Bio-Distelöl als "kalt gepresst" deklariert worden – ein hochwertiges Produkt –, obwohl das Amt eine Wärmebehandlung nachweisen konnte, die zu einer qualitativen Verschlechterung führt. In allen drei Fällen wurde nach der Überprüfung sogar kurzfristig der weitere Verkauf von den deutschlandweit vertriebenen Produkten untersagt.
Was passiert mit Geschäften oder Betrieben, die wiederholt wegen schwerer Hygienemängel und Schädlingsbefall auffielen?
Auch gegen sie wird wegen einer Straftat ermittelt. "Bei Wiederholung ist ein Fehler im System", sagt Verbraucherschutzdezernentin Helga Stulgies. "Wir strafen nicht nur, sondern unterstützen auch die Firmen." Dazu führten die Verbraucherschützer 54 Beratungsgespräche mit Inhabern. Für einen Supermarkt, bei dem Kunden wiederholt Mäusekot beanstandet hatten, beauftragte das Amt einen Schädlingsbekämpfer. Dieser entwickelte für das Geschäft ein Konzept, um die Probleme dauerhaft zu beseitigen. In diesem Fall waren bauliche Mängel, wie Spalten im Mauerwerk und offene Türen sowie die Nähe zu einem Brachgebiet, entscheidend. Die Umsetzung des Konzepts sei ein voller Erfolg, berichtet Steinbüchel.
Worin sehen die Experten die Ursache für solche Mängel?
In einer Mischung aus mangelndem Wissen und Schlampigkeit. So gebe es zwar in der Gastronomie sehr gute und zuverlässige Betriebe. Aber wer ganz kurzfristig ein Lokal oder Imbiss eröffnet, der müsse dazu nur eine Schulung des Gesundheitsamts und der IHK besuchen. Dabei würde nicht genügend Sachkunde gefordert, kritisiert Stulgies. Wichtig seien vor allem risiko-orientierte Schulungen. Etwa 30 Prozent der Beanstandungen könnten so vermieden werden, schätzen die Experten.
Welchen Hinweisen zum Tierschutz gingen die Verbraucherschützer nach?
Die Tierärzte gingen 288 Hinweisen zu Verstößen gegen den Tierschutz nach, die aus der Bevölkerung gekommen waren. Trauriger Höhepunkt waren die Zustände eines Kleinzirkus', der in Eller unangemeldet sein Winterquartier aufgeschlagen hatte. Kamele, Pferde, Schafe und Ziegen waren auf zu kleinen Flächen untergebracht und wurden nicht ausreichend versorgt.
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