Kommissar ermittelt in der Stadt: Abgedreht in Düsseldorf
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 21.10.2006 - 10:19Als Drehort für Krimiserien und Action-Stunts ist die Landeshauptstadt beliebt. Als Teil der Handlung kommt sie dagegen selten vor. Bei der neuen ZDF-Serie „Stolberg“ ist das anders: Der Kommissar ermittelt erkennbar in der Stadt. Ob das gut ist, wird sich zeigen.
Verdammt lang her. Ausgerechnet der Liedtitel der Kölner Band BAP fällt dem ein, der an Fernseh-Krimis aus Düsseldorf denkt: Während die Kölner Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk nämlich einen „Tatort“ nach dem anderen aufsuchen, ist es mehr als neun Jahre her, dass ein Team in Düsseldorf nach Mördern fahndete.
Und ausgerechnet jener Max Ballauf alias Klaus J. Behrendt ist es, der damals zu den Düsseldorfer Beamten um Bernd Flemming zählte - bevor er aufstieg und eben jener Chef-Ermittler in Köln wurde.
Verräter!
Andererseits: War es wirklich schlecht, dass Düsseldorf nach fünf Jahren und 15 Folgen kein „Tatort“ mehr war? Dass keine Kripo oder Soko, noch nicht einmal ein Bulle rund um den Schlossturm Verbrecher jagte? Die Antwort: Bei diesen langweilig aufgebauten Geschichten und altbackenen Fällen, die wirklich kein Düsseldorf-Klischee ausließen, war es ein Segen, dass der WDR das Team mit Behrendt, Martin Lüttke und Roswitha Schreiner auseinander nahm.
Die Folge: erleichterte Tatort-Fans. Niemand hat den humor- und noch farbloseren TV-Kriminologen Flemming vermisst.
Zumindest kein Düsseldorfer.
Die haben sich längst daran gewöhnt, dass sie manche Strecken in ihrer Stadt meiden müssen. Auf der Danziger Straße wird regelmäßig der nächste „Alarm für Cobra 11“ gefilmt, die „Verbotene Liebe“ ist auch Dauergast, und Kaiserswerth ist für ARD-Mehrteiler ebenso beleibt wie als Kino-Kulisse. Kö, Altstadt, Medienhafen sind reihum für allerlei Aufnahmen abgeriegelt. Abgedreht wird in Düsseldorf - nur spielt die Stadt keine Rolle.
Das wird nun wieder anders. „Stolberg“ kommt. Freitag ist er im Fernsehen, nachdem er zuvor in Düsseldorf war - und in bekannter Weise Kö, Altstadt, Medienhafen mit Beschlag belegt hatte für die Dreharbeiten. Das Mainzer ZDF hat sich entschlossen, den kantigen Kommissar in der Landeshauptstadt ermitteln zu lassen, einen bekennenden Nicht-Düsseldorfer. „In meinem früheren Leben“, sagt Stolberg-Darsteller Rudolf Kowalski, „habe ich Düsseldorf ignoriert.“
Inzwischen, so wird erzählt, habe der Schauspieler seiner Familie empfohlen, mal in Düsseldorf shoppen zu gehen. Die Kowalskis leben „nahe Köln“, wie es heißt. Wie auch immer: Kowalski/Stolberg löst von nächster Woche an Fälle, und Florian Glade (Aurel Manthei) sowie Sofia Lechner (Victoria Mayer) helfen ihm dabei.
Jeden Freitag 60 Minuten Kriminelles aus der Landeshauptstadt: Orte, die Düsseldorf darstellen, hat die Reihe dabei durchaus. Eine angesagte Altstadtkneipe spielt mit, ein Mord dreht sich um eine gut gehende Galerie, ein anderer zieht den Fokus auf den Nordpark. Die Mainzer Macher meinen, das „Privatleben“ der Kommissare sei weniger wichtig. Entscheidend seien die Fälle und die Charaktere. In diesem Fall: ein spröder Stolberg. Ob er als Düsseldorfer durchgeht?
Spannend, allemal.
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