Anwohner wütend: Ärger an der Umweltzonen-Grenze
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 01.12.2009 - 07:24Düsseldorf (RPO). Die Anwohner am Kennedydamm klagen über die Belastung durch Lkw, die nach wie vor an ihren Häusern vorbeirauschen, weil die Umweltzone wenige Meter zuvor endet. Die Kritiker erhalten dabei Unterstützung aus Politik und Wissenschaft.
In der Düsseldorfer Umweltzone herrscht schon Ärger, seit sie im Februar eröffnet wurde: wegen Knöllchen und weil sich die Luftqualität nicht spürbar verbessert. Nun kommt die Wut auch von außen. Die Anwohner am Rande der Zone klagen, dass viele Lastwagen nicht über die Autobahnen rund um die Stadt fahren, sondern über die Grenzstraßen mitten durch die Stadt.
"So ist die Umweltzone ein Witz. Sie läuft durch einen Teil des Zentrums, die Belastung betrifft aber das ganze Zentrum", sagt Wilhelm Schwarzien, der in der Nähe des Kennedydamms wohnt. "Hier fahren in 24 Stunden 600 bis 800 Lkw vorbei." Für einen wirkungsvollen Schutz müsse die Umweltzone ausgeweitet werden, sagt Schwarzien.
Die am 15. Februar in Kraft getretenen Regelungen sehen vor, dass durch die Umweltzone nur abgasarme Fahrzeuge rollen dürfen, die eine grüne, gelbe oder rote Schadstoffplakette erhalten. Ausnahmen gelten für Anwohner und Handwerksbetriebe. Die Grenzstraßen wie etwa Kennedydamm und Cecilienallee oder Johann- und Heinrich-Ehrhardt-Straße zählen ausdrücklich nicht zur Umweltzone. Die Stadt empfiehlt sie auf ihrer Internetseite sogar ausdrücklich unter dem Punkt "Umfahrung der Umweltzone".
Eben dies erzürnt die Anwohner. "Es ist vor allem der Verkehr zwischen Hafen und dem Stadtnorden, der uns hier belastet. Natürlich ist es für einen Fahrer einfacher, im Hafen links abzubiegen und durch die Stadt zu fahren als außen herum über die Südbrücke oder das Kreuz Hilden", sagt Schwarzien. Deshalb müsse Schwerlastverkehr durch die Stadt verboten werden – zumindest nachts. "Die Motoren der 40-Tonner sind laut wie Flugzeugturbinen. Der Lärmpegel ist gesundheitsgefährdend hoch."
Unterstützung erhalten die Anwohner aus der Wissenschaft und der Politik. Michael Schreckenberg, Professor für Physik von Transport und Verkehr, sieht durch die Beschwerden seine Kritik an Umweltzonen bestätigt. Er hatte stets ein regionales statt eines lokalen Konzepts gefordert. "Da sitzen Profi-Fahrer am Steuer. Die folgen nicht den empfohlenen Alternativrouten, die kennen die erlaubten Schleichwege. Das zeigt: Ein Verbot ist noch keine Verkehrslenkung, Das müssen die Städte gemeinsam ausarbeiten. Bisher haben sie meistens an den Bürgern vorbeigeplant."
Aus dem Düsseldorfer Ordnungs- und Verkehrsausschuss sind ähnliche Stimmen zu hören. "Die Umweltzone löst keine Probleme", sagt Andreas Hartnigk, Ausschussmitglied der CDU. Er hofft, dass andere Maßnahmen mittelfristig helfen. "Wir arbeiten daran, den Nahverkehr noch attraktiver zu machen, und wir steuern den Verkehr mit neuen Rechnern und Programmen besser." Der neue Staumelder, der aus dem Forschungsprojekt "Düsseldorf in motion" hervorgegangen ist, hat in den ersten praktischen Tests gezeigt, dass er Autofahrer acht Minuten schneller um einen Stau lotst.
Im Amt für Verkehrsmanagement herrscht Optimismus. "Die Umweltzone wirkt auch nach außen. Viele Lkw und Busse sind bereits nachgerüstet worden, weil die Halter erkannt haben, dass sie mit den Übergangsregelungen nicht weit kommen und über kurz oder lang doch in die Umweltzone fahren müssen", sagt Roland Hahn, stellvertretender Leiter der Behörde. Zugleich verweist er auf die regelmäßigen Zählungen seines Amtes. "Wir haben bisher keine gravierende Zunahme des Lkw- oder Pkw-Verkehrs auf dem Kennedydamm festgestellt."
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