Tannen säumen Bürgersteige: Ärger um Weihnachtsbäume
VON M. MERKEN, A. SAROVIC UND J. TÜFFERS - zuletzt aktualisiert: 05.01.2011 - 10:35Düsseldorf (RPO). Immer früher werden die Bäume nach dem Ende der Festtage an die Straße gestellt, obwohl sie frühestens am 10. Januar abgeholt werden. Die Kirchen beklagen: Die christlichen Wurzeln des Weihnachtsfestes lösen sich auf.
Kaum sind die letzten Töne des Liedes verklungen, das die Herrlichkeit seiner grünen Blätter preist, liegt er am Straßenrand: der Tannenbaum. Immer mehr Düsseldorfer haben es nach dem Weihnachtsfest eilig, ihren zuvor mit Bedacht gekauften und mit Liebe geschmückten Baum aus der Wohnung zu befördern. Kirchenvertreter sehen darin ein Indiz, dass sich die christlichen Wurzeln des Weihnachtsfestes auflösen.
"Weihnachten wird immer weiter in die Adventszeit vorgezogen", sagt Michael Dederichs (49), Pastor der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius in Oberkassel. "Wenn die Weihnachtstage dann beginnen, haben die Menschen schon genug und denken, es sei Schluss."
Diese Einschätzung teilt Uwe Vetter (54). "Erst an Heiligabend beginnen die christlichen Geschichten, die das Weihnachtsfest prägen", sagt der Pfarrer der evangelischen Johanneskirche in der Stadtmitte. "Das Epiphaniasfest am 6. Januar ist eine wichtige zweite Säule, die für die letzte relevante Episode steht, die die Weihnachtsgeschichte vervollständigt." Üblich ist daher, dass Bäume bis morgen, am Dreikönigstag, geschmückt bleiben.
Ärgerlich sind die Baumansammlungen auf Bürgersteigen auch aus einem anderen Grund: Mitunter bleibt kein Platz mehr für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen. Es kommt auch vor, dass Bäume auf die Straße rollen und Verkehrsteilnehmer gefährden. "Wenn ein Fußgänger verletzt wird, kommt die private Haftpflichtversicherung des Baum-Besitzers dafür auf", sagt Gudrun Peters von der Provinzial-Versicherung. Doch den gilt es erst einmal ausfindig zu machen – ein schwieriges Unterfangen.
Termine sind bekannt
Auf Unwissenheit können sich die Bürger nicht berufen. Der Abfallkalender, der im Dezember an sämtliche Haushalte verteilt worden ist, listet die Termine auf, an denen die Weihnachtsbäume abgeholt werden. Zwischen dem 10. und 17. Januar fährt die Awista Sonderschichten. "Vor Jahren haben wir die Bäume mal vor dem 6. Januar eingesammelt, da gab es Beschwerden und Ärger am laufenden Band, weil das einfach zu früh war", sagt Sprecherin Elke Brauer.
Im Rathaus sieht man keinen Grund, etwas zu ändern. "Die Bäume liegen ja dezent am Bürgersteigrand", so Sprecher Manfred Blasczyk. In der Abfallsatzung jedenfalls ist nicht geregelt, wann die Bäume auf die Straße gestellt werden dürfen. Das ist bei der Sperrgut-Abfuhr anders: "Die Abfälle sind im öffentlichen Straßenraum in verkehrssicherer, nicht behindernder Weise frühestens ab 20 Uhr des Vortages bereitzustellen", heißt es bei der Awista.
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