Sana-Kliniken: Ärzte entfernen Sechs-Kilo-Tumor
VON ANANDA MILZ - zuletzt aktualisiert: 15.11.2010 - 11:35Düsseldorf (RPO). Vier Jahre lang verdrängte eine 56-Jährige ihren Knoten in der Brust. Erst Anfang dieses Jahres - als der Tumor so groß war wie zwei Fußbälle - ging sie zum Arzt. Zwei Kliniken im Umland lehnten eine OP ab. Das Brustzentrum der Gerresheimer Sana-Kliniken behandelte die Frau jetzt erfolgreich.
Einen Fall wie diesen hat selbst die erfahrene Chefärztin Carolin Nestle-Krämling noch nicht gehabt. Eine Patientin bemerkte bereits vor vier Jahren eine Veränderung in ihrer Brust. Doch aus Angst vertraute sie sich weder ihrer Familie noch Freunden an. Anfang 2010 ließ sich der Tumor dann nicht mehr verheimlichen - war er doch auf die Größe von insgesamt zwei Fußbällen angewachsen. Schließlich nahm die 56-jährige Frau allen Mut zusammen und ging zum Arzt. Doch weder die begonnene Chemo- noch die Antikörper- oder Bestrahlungstherapie schlugen an. Auch eine Operation des Tumors wurde in zwei Kliniken aus dem Umland abgelehnt.
Schließlich kam die verzweifelte Frau zur Brustexpertin Carolin Nestle-Krämling an die Sana-Kliniken Gerresheim. „Für uns stand schnell fest, wir müssen dieser Frau umgehend helfen und ihr die Last abnehmen“, berichtet die Chefärztin. Denn ein Alltag mit normalen Bewegungen sei für die Frau nicht mehr möglich gewesen. Selbst die Untersuchung an der Brust mit dem rund sechs Kilogramm schweren Tumor war nicht einfach. Zudem war das Gewebe um die Brust durch das Gewicht bereits geschädigt und nässte.
Düsseldorfs Experten
Mit zwei zertifizierten Brustzentren gilt die Landeshauptstadt als Hochburg für die erfolgreiche Therapie von Brustkrebserkrankungen.
So bilden die Gerresheimer Sana-Kliniken gemeinsam mit der Uniklinik das Brustzentrum I.
Unter der Leitung von Chefarzt Mahdi Rezai zählen das Luisenkrankenhaus, das Evangelische Krankenhaus sowie das Marienhospital zum Brustzentrum II.
„Das könnte auch der Grund gewesen sein, warum sich andere Kollegen bei der Patientin nicht an eine OP gewagt hatten“, erklärt Carolin Nestle-Krämling. Das Risiko: Aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums hätte es zu schweren Blutungen kommen oder auch der Tumor nicht gänzlich entfernt werden können. Das Team des Brustzentrums in Gerresheim gelang dennoch eine erfolgreiche OP. In einem fünfstündigen Eingriff entfernten die Chefärztin und ihr Team den großen Tumor und rekonstruierten zugleich auch die geschädigte Brust.
Bereits kurz nach dem Eingriff fühlte sich die Patientin - wie sie selbst formulierte - „neu geboren“, kann sich nun wieder frei bewegen und erholte sich schnell. Derzeit unterzieht sie sich noch einer Chemotherapie - ebenfalls mit guten Prognosen. Denn die Heilungschancen liegen nach Aussage der Chefärztin trotz der langen Krankheitsgeschichte relativ hoch. „Sie hatte Glück. Der Tumor hat bislang nicht gestreut.“
Dass Frauen beim Ertasten eines Knotens in der Brust häufig erst mal verdrängen, wird von Experten immer wieder beobachtet. „Viele Frauen bleiben mit ihrem Tumor allein, gehen nicht zum Arzt und warten, bis sich die Situation zuspitzt“, erklärt Nestle-Krämling. Doch die Brustspezialistin appelliert: „Es gibt keine hoffnungslosen Fälle. Patientinnen in scheinbar aussichtslosen Situationen sollten sich unbedingt eine Zweit- oder Drittmeinung einholen.“ Zudem rät sie, die Brustkrebsvorsorge ernst zu nehmen und regelmäßig einen Gynäkologen aufzusuchen.
„Die Fortschritte der Medizin führen heutzutage oft zu positiven Prognosen. Bei Früherkennung liegen die Heilungschancen bei nahezu 100 Prozent“, betont Nestle-Krämling. So weit wie bei der Patientin mit dem großen Tumor müsse es nicht kommen. Ihre Chemotherapie konnte die 56-Jährige übrigens an ihrer Heimatklinik im Umland Düsseldorfs aufnehmen. „Anfang 2011 kommt sie noch mal zur Kontrolle zu uns“, sagt die Chefärztin. Und dem neuen Jahr blicken alle hoffnungsvoll entgegen.
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