Schweinegrippe: Ärzte ohne Impfstoff
VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 10.11.2009 - 07:46Düsseldorf (RPO). Einige Praxen haben gestern ihre letzten Vorräte verbraucht. Sie rechnen erst am Donnerstag mit Nachschub. Andere Ärzte bekommen heute eine neue Lieferung Pandemrix – allerdings viel zu wenig. Sie müssen hunderte Impftermine absagen und befürchten ein Chaos.
Die Gemeinschaftspraxis von Ralph Eisenstein steht heute vor der schweren Aufgabe, bei knapp 1000 Patienten den Termin für die Schweinegrippe-Impfung absagen zu müssen. "Wir haben erfahren, dass wir statt der bestellten 1300 Dosen Pandemrix nur 130 bekommen", sagt Eisenstein. Die knappe Ration soll heute ankommen und muss bis kommenden Mittwoch reichen. Eisenstein und seine Kollegen hatten aber bereits 1300 Termine gemacht. Sie fürchten ein Chaos über die Praxis hereinbrechen.
Eigens für den Start der Impfaktion hatten sie einen Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückgeholt und einen zusätzlichen Arzt bestellt. Dennoch herrscht eine Ausnahme-Situation. Das Telefon klingelt in einer Tour, die Mitarbeiter können das Wort "Schweinegrippe" nicht mehr hören, und die eigenen Patienten dringen nicht mehr bis zu ihrem Arzt vor. Der knapp werdende Impfstoff setzt dem Chaos nun noch die Krone auf.
Als Grund für die geschrumpften Rationen nennt Eisenstein, dass in dieser Woche vor allem die Kliniken beliefert werden sollen. Denn dort müssen bevorzugte Gruppen geimpft werden. Um die Verteilung des Impfstoffes entbrennt damit erneut ein Streit. Auch Hausarzt Christian Wittig ist davon betroffen. Er hat gestern die letzten 20 Dosen Pandemrix verbraucht und weiß nicht, wann er mit Nachschub rechnen kann.
Heiko Schneitler, Chef des Düsseldorfer Gesundheitsamtes hat Wittig mitgeteilt, dass er zunächst dokumentieren müsse, dass alle Dosen verbraucht sind, bevor er Nachschub ordern kann. Die Behörde will dadurch verhindern, dass Pandemrix gehortet wird. Schneitler sagt auch, er habe Wittig mitgeteilt, dass die Industrie- und Handelskammer nicht zu den bevorzugten Gruppen gehöre. Wittig plant dort für Donnerstag einen Impftermin. Schneitler aber sagt: "Betriebe können generell erst Ende des Monats mit Impfstoff rechnen." Bis dahin müsse die Stadt bei der Verteilung beachten, dass chronisch Kranke, medizinisches Personal, Polizei und Feuerwehr bevorzugt behandelt werden.
"Mit diesem Ansturm hat bei all der Impfskepsis niemand gerechnet", erklärt Stadtsprecher Michael Bergmann. Entsprechend rekordverdächtig war gestern Morgen die Länge der Schlange, die sich vor der zentralen Impfstelle der Stadt bildete. Am Nachmittag war sie jedoch zeitweise wieder komplett abgebaut. Die Schwankungen seien derzeit groß. Eine Empfehlung könne er daher kaum aussprechen, sagt Bergmann.
Für die zentrale Impfstelle stehen laut Gesundheitsamts-Chef Heiko Schneitler derzeit noch etwa 4400 Dosen bereit. "Damit sollten wir bis zur nächsten Lieferung auskommen", sagt er.
Weitere Informationen zur Schweinegrippe finden Sie in unserem Special.
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