Personalrat dagegen: Alkohol-Testkäufe abgesagt
VON CHRISTIAN HERRENDORF UND ANDREAS PANKRATZ - zuletzt aktualisiert: 07.05.2010 - 08:03Düsseldorf (RPO). Minderjährige Auszubildende der Verwaltung sollen Händler dabei ertappen, wie sie ihnen Alkohol verkaufen. Eine unzulässige Praxis, glaubt der Personalrat. Auch die Azubis sind wenig begeistert und machen nicht mit.
Auszubildende der Stadt Düsseldorf dürfen nicht auf die Jagd nach Händlern gehen, die Minderjährigen Alkohol verkaufen. Diese Meinung vertritt der Personalrat der Stadt. "Wir glauben, dass die Idee zu den Testkäufen durch unsere minderjährigen Azubis gegen das Berufsbildungsgesetz verstößt", erklärt Robert Wollborn, Vorsitzender des Personalrats der Landeshauptstadt.
Der Personalrat hat daher eine Anfrage an die Bezirksregierung gerichtet, die bestätigen soll, dass der Beschluss des Stadtrates, die Verwaltung mit solchen Testkäufen zu beauftragen, nicht zulässig ist.
Ohnehin hat die Stadt bisher keinen Erfolg bei der Suche nach jugendlichen Testkäufern gehabt. Sie hatte versucht, Auszubildende der Verwaltung für das Projekt zu gewinnen, die 17 Jahre alt sind und sich freiwillig melden. Die dazugehörige Informationsveranstaltung haben nach RP-Informationen nur wenige Azubis besucht.
Drei erklärten sich zunächst bereit mitzumachen. Einer davon wird aber in wenigen Tagen 18 Jahre alt und kommt nicht mehr für die Testkäufe in Betracht, ein Zweiter sprang ab. "Wir sind nach wie vor von der Sinnhaftigkeit des Projekts überzeugt und zuversichtlich, es bald starten zu können", sagte Ordnungsamtsleiter Michael Zimmermann.
Neuer Anlauf
Die Verwaltung will im Herbst die Azubis des neuen Jahrgangs ansprechen – und offensiver als zuvor auf die Minderjährigen zugehen. "Wir wollen die Jugendlichen gezielt über die Problematik informieren", sagt CDU-Ratherr Andreas Hartnigk. Es sei ein wichtiges Instrument, um die Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz zu ahnden.
Sollte auch dieser Anlauf scheitern, würde ein Plan B erarbeitet, sagte Zimmermann. Der Vorsitzende des Ordnungs- und Verkehrsausschusses, Martin Volkenrath (SPD) regte an, ein "pädagogisch begleitetes" Projekt mit Schülern oder Jugendverbänden zu entwickeln.
Verständnis dafür, dass sich bisher nur wenige Freiwillige für die Aufgabe gefunden haben, äußert Norbert Czerwinski von den Grünen. Zwar findet auch er Testkäufe sinnvoll. "Es ist jedoch kein leichter Job, in das Geschäft zu gehen, um andere bei Gesetzesverstößen zu ertappen." Es sei absolut legitim, dass die meisten Lehrlinge so etwas nicht machen wollen. Die Stadt dürfe auch keinen Druck auf die Jugendlichen ausüben. "Schließlich gehört das nicht zu ihrer Ausbildung", betont Czerwinski.
Das ist auch das Argument des Personalrats. "Der Testkauf wäre eine ausbildungsfremde Tätigkeit und damit gesetzwidrig", glaubt Wollborn. Das habe auch die Jugendvertretung des Personalrats mit vielen Azubis bereits besprochen – was ein Grund sein könnte, dass sich nur so wenige gemeldet haben, bestätigt der Vorsitzende.
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