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Harald-Schmidt-Inszenierung: Alle lieben Graf Danilo

VON REGINA GOLDLÜCKE - zuletzt aktualisiert: 29.12.2009 - 07:52

Düsseldorf (RPO). Die Inszenierung von Harald Schmidt und Christian Brey an der Rheinoper spaltet Besucher und Kritiker. Doch eines ist gewiss: Tenor Will Hartmann als Graf Danilo ist in der "Lustigen Witwe" zum Publikumsliebling geworden.

Will Hartmann als Graf Danilo (links) mit Lutz Salzmann als Njegus in „Die lustige Witwe".  Foto: Hans Jörg Michel
Will Hartmann als Graf Danilo (links) mit Lutz Salzmann als Njegus in „Die lustige Witwe". Foto: Hans Jörg Michel

An Stimme und Spielfreude überstrahlt Will Hartmann als Graf Danilo das Ensemble der "Lustigen Witwe". Die Rheinoper-Inszenierung von Harald Schmidt und Christian Brey, lange vor der Premiere von gewaltiger Medien-Aufmerksamkeit begleitet, spaltete vor allem die Kritiker.

Nur die brillante Leistung des Tenors wurde einhellig bejubelt. Wie fühlt er sich als Lichtgestalt? "Natürlich freut sich jeder Sänger über eine positive Resonanz", antwortet Hartmann. "Schade nur, dass sich offenbar manche Kritiker an Harald Schmidt persönlich reiben. Nachvollziehen kann ich das nicht. Beide Regisseure habe ich als sympathische, sensible Kollegen kennen gelernt und die intensive Zusammenarbeit sehr genossen."

Dass unter der Schmidt-Schelte die Wertschätzung der Inszenierung gelitten habe, findet Will Hartmann ungerecht. Das habe sie nicht verdient. Denn seiner Meinung nach wurden zum ersten Mal die Dialoge richtig erarbeitet. "Christian Brey ist ein Regisseur, der keine Angst vor Pausen hat. Wir testeten regelrecht aus, wie weit wir gehen können. Wenn die Spannung stimmt und man richtig in dem Gefühl drin ist, lassen sich Pausen bis fast ins Unerträgliche ziehen. Herrlich!"

Hartmann singt den Danilo bereits zum dritten Mal. Mailänder Scala, Semperoper Dresden und nun Rheinoper – ist das eine Steigerung? Er stutzt einen Moment und entschließt sich, die Frage nicht ganz ernst zu nehmen. "Nennen wir es einen Dreiklang", meint er salomonisch. "Allerdings hat mir die Partie noch nie so viel Spaß gemacht wie in Düsseldorf. Wegen der tollen Atmosphäre im Team." Als Gastsänger hat er gelernt, sich in ein neues Ensemble einzufügen. Nach zehn Jahren an der Oper Hannover ist Will Hartmann seit 1996 Freiberufler. "Das war anfangs nicht leicht als Alleinverdiener mit zwei Kindern und einem gerade gekauften Haus", sagt er. "Trotzdem bleibt man ohne die Sicherheit einer Bühne wendiger, ist vielleicht sogar stärker motiviert, an sich zu arbeiten." Obwohl – der Fleißigste sei er nicht. Er mache sich zwar Gedanken übers Singen, konzentriere sich auf die Musik, höre sich Aufnahmen an. "Aber es ist nicht so, dass ich jeden Tag stundenlang übe. Allerdings lerne ich schnell."

Mit seiner bisweilen unbekümmerten Art ähnele er Graf Danilo. "Ich achte stets darauf, dass es mir gut geht. Das ist wichtig, die Stimme ist der Spiegel der Seele. Ein Sänger sollte über sein Gefühlsleben genau Bescheid wissen." Eigentlich wäre Will Hartmann lieber Arzt geworden. Die Wartezeit auf den Studienplatz verkürzte ihm die Musik, nachdem ein Chorleiter in seiner Heimatstadt Siegen das Talent des Jungen erkannt hatte. "Seit meiner Konfirmation war ich Chormitglied. Ich begann als Sopran, hatte keinen nennenswerten Stimmbruch und glitt vom Tenor zum Bass ab", erzählt er.

Die Erleuchtung und der Entschluss zum Musikstudium in Köln kamen ihm bei einer Tournee in Frankreich, ganz im Banne von Verdis Requiem. Will Hartmann war Bariton, bis er 2001 spürte, wie sich seine Stimmlage zum Tenor hin veränderte. "Ich hatte vorher immer den Eindruck, mit nur zwei Gängen zu fahren, aber über vier zu verfügen." Über die Jahre gastierte der Sänger in London, Rom, Paris, Athen. Und entdeckte nach vielen dramatischen Partien seine Lust an der Operette. "Diese nur vermeintlich leichte Muse kommt meinem Naturell sehr entgegen. Das Gefüge von Gesang, Spiel und Orchester muss perfekt sein. Ich wäre glücklich, wenn es für lyrische Tenöre mehr lustige Rollen gäbe."

Ab Februar 2010 singt Will Hartmann in Lissabon schon wieder Operette, den Eisenstein in der "Fledermaus"-Inszenierung von Katharina Thalbach. Mit seiner Zukunft verknüpft er keine bestimmten Opernhäuser. "Klar, wer würde nicht gern an der Met in New York singen? Mir geht es aber mehr um die Partie. Gerade träume ich vom Othello. So viele Emotionen und Ausbrüche. Und diese Wahnsinnsmusik!"

Quelle: RP/rai

 
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