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Düsseldorf: Als die Jonges den Hofgarten retteten

VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 31.01.2010 - 09:59

Düsseldorf (RPO). Protest und Diskussionen rund um den Hofgarten sind nicht neu: 1961 mobilisierte der Heimatverein 8000 Düsseldorfer zur Demonstration gegen eine Verkleinerung des Landskrone-Weihers. Stadtplaner Friedrich Tamms lenkte ein. Der Rat erließ 1963 eine Satzung zum Schutz des Parks.

Iris Bellstedt (Grüne) wehrt sich gegen die Fällung von 24 Bäumen auf dem Areal der geplanten Interimsstraße.  Foto: Christoph Göttert
Iris Bellstedt (Grüne) wehrt sich gegen die Fällung von 24 Bäumen auf dem Areal der geplanten Interimsstraße. Foto: Christoph Göttert

Die Düsseldorfer Jonges sehen sich als Paten für den Hofgarten. Immer wenn in der Stadt über den denkmalgeschützten Park gesprochen wird, werden sie hellhörig und versuchen abzuschätzen, ob er bedroht ist. Derzeit beschäftigt die Heimatfreunde der geplante Kö-Bogen und die Folgen für den Hofgarten. Konkret: 24 Bäume sollen für eine geplante Interimsstraße gefällt werden. Da kommen die Erinnerungen an die legendäre Demonstration am 15. Januar 1961 hoch. "Damals mobilisierten die Jonges etwa 8000 Düsseldorfer zur Rettung des Hofgartens", erinnert sich Ernst Meuser. Der 83-jährige, der lange Zeit Sprecher des Vereins war, hat die Kundgebung vor dem Rathaus und den Zug zur Landskrone im Hofgarten noch vor Augen.

Info
Rettungsaktionen

Ständehaus/Landtag Der Heimatverein machte mobil gegen Pläne der Landesregierung, für den Landtag zwei Flügel in den Ständehauspark zu setzen. Der Landtag wurde am Rhein gebaut.

Burgplatz Eine Bebauung des Platzes wurde verhindert.

Königsallee/Graf-Adolf-Platz Die Heimatfreunde wandten sich in den 1990-er Jahren gegen Pläne für ein Museum am Ende der Kö.

Der Anlass: Der damalige Stadtplanungsdezernent Friedrich Tamms hatte sich mit seinem Plan durchgesetzt, eine Nord-Süd-Achse für den Verkehr – die heutige Berliner Allee, Kaiser- und Fischerstraße samt Tausendfüßler – zu bauen. Daneben sollte ein Straßenbahn-Knotenpunkt, der Jan-Wellem-Platz, entstehen. Und um ausreichend Platz zu gewinnen, hatte er einen Teil des schönen Weihers Landskrone zuschütten lassen.

Das rief die Düsseldorfer Jonges auf den Plan, die zusammen mit anderen Vereinen in der Vaterstädtischen Arbeitsgemeinschaft den Hofgarten, "das große Werk des Gartenbaus", nicht verschandelt sehen wollten. "Ich habe noch den ausladenden Weiher vor der alten Hofgartenstraße mit ihren schönen, nicht allzu hohen Wohn- und Geschäftshäusern vor meinem inneren Auge", erzählt Meuser. Den wollten die Jonges unbedingt erhalten. Sie griffen in eine erregte, über Jahre hinweg geführte Diskussion über die Gestaltung der City ein.

Denn die Pläne von Tamms waren in den politischen Parteien sowie bei Architekten- und Stadtplanern umstritten. Viele wehrten sich dagegen, eine Nord-Süd-Achse für den Autoverkehr durch die Innenstadt zu schlagen, weil die Stadt daran ersticken könne. Gegner dieses Plans, allen voran eine Architektengruppe um Bernhard Pfau, schlugen stattdessen ein Ringstraßen-System rund um den Stadtkern vor, um das Zentrum möglichst vom Durchgangsverkehr frei zu halten. Die Auseinandersetzung war Teil des so genannten Düsseldorfer Architektenstreits.

Auch die Jonges waren anfangs gespalten, es gab unter den damals 2000 Mitgliedern zwei Lager. Das eine hatte sich mit der Verkleinerung des Hofgartens angefreundet, wohl auch unter dem Einfluss von Bürgermeister Fritz Vomfelde, der Tamms unterstützte. "Die Jonges haben gerne Honorationen in ihren Reihen, die dann Anhänger für ihre Meinung suchen", so Meuser.

An der Spitze des anderen Lagers stand der damalige Baas Willi Kauhausen. "Kauhausen hat auf einer Versammlung sogar seinen Rücktritt angekündigt, wenn der Verein nicht für den Hofgarten eintreten werde", sagt Meuser und stützt sich dabei auf eine Dokumentation der Jonges über die damaligen Vorgänge. Doch die Gegner von Tamms setzten sich durch und hatten durch die Mobilisierung der Bürger auch Erfolg. "Tamms lenkte ein, ließ den Schutt aus dem Weiher holen und zumindest den schmalen Wurmfortsatz des Weihers Richtung Jan-Wellem-Platz anlegen", so Meuser.

Weil die Jonges eigentlich friedlich seien und Harmonie wünschten, "haben wir Tamms später als Dank für den Kompromiss die Jan-Wellem-Plakette verliehen", so Meuser. Aber die Jonges blieben skeptisch. Sie setzten sich mit der Vaterstädtischen Arbeitsgemeinschaft dafür ein, Eingriffe in den Hofgarten zu verhindern. Sie startete eine Bürgerabstimmung. Die war erfolgreich: 1963 erließ der Rat eine Hofgartensatzung, die den Bestand sichert.

Quelle: RP

 
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