Tierische Rentner-WG: Alt werden im Aquazoo
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 13.02.2008 - 08:14Düsseldorf (RPO). Wir leben alle länger. Das gilt auch für die Tiere, die nicht in freier Wildbahn für sich selbst sorgen, sondern im Zoo betreut wohnen. Der Aquazoo hat eine ganze Reihe Rentner - und für die Weißbüschel-Äffchen sogar ein eigenes „Seniorenstift“.
Ihn einen alten Hasen zu nennen, würde ihn wohl hart treffen. Dass der Hecht-Alligator aber der älteste Bewohner des Aquazoos ist, das ist die Wahrheit: 1964 ist Hechti eingezogen. Damals war der Zoo noch in einem Bunker untergebracht, alles etwas provisorisch. Hechti hat seither alle Veränderungen und Umzüge miterlebt - heute kann ihn definitiv nichts mehr aus Ruhe bringen.
Er treibt im Wasser und genießt die Senioren-Wohngemeinschaft mit Wally, der Geier-Schildkröte. Die ist auch schon 30 Jahre alt und liebt es, auf dem Grund des Bassins zu liegen und auszusehen wie ein Stein. In diesen Tagen fühlt sie sich wohl auch so. Ein Kind hat seinen Schnuller ins Becken fallen lassen, und Wally hat ihn sich einverleibt. Jetzt bangen die 20 Mitarbeiter des Aquazoos um Wallys Befinden: Bekommt sie den Kunststoff allein verdaut oder muss sie operiert werden? Das wäre übel. Harmlos ist so ein Schnuller für die alte Dame jedenfalls nicht.
Angst, dass der Alligator sie fressen könnte, muss Wally nicht haben: Hechti hat Arthrose in den Kiefergelenken. Kann das Maul nicht mehr aufreißen. Außerdem: so eine Schildkröte - Dosenfutter im Vergleich zu den frischen Mahlzeiten, die sich das Reptil bevorzugt und buchstäblich rein schiebt. „Als junger Hecht kam er zu uns“, sagt Sandra Honigs und kann sich das Lachen nicht verkneifen. „Ein alter Alligator ist er geworden.“ Honigs, stellvertretende Leiterin des Aquazoos, war noch lange nicht geboren, als Hechti in Düsseldorf Quartier nahm. Inzwischen hat der Senior sogar einen Künstlernamen: Sammy. So hieß er, als er vor Jahren Werbung für die Jazz-Rally gemacht hat. Rente bisschen aufpeppen.
Das hat Laubfrosch Bruno, 21 Jahre, nicht nötig. Er braucht nicht viel, in seinem Alter ist er kein junger Hüpfer mehr. Er liegt auf seinem Blatt, das die gleiche knallgrüne Farbe hat wie er selbst und meditiert mit geschlossenen Augen. Unterschiede zu seiner Jugend? „Inzwischen nimmt er lieber eine weiche Fliege zu sich als eine harte Grille“, so Honigs. Überhaupt: futtern. Die Rentnertiere haben es nicht mehr so mit der wilden Jagd nach etwas Essbarem. Auch die beiden Kuba-Kröten, beide 30, haben Tischmanieren und mögen es, wenn ihnen ihr Fresschen in Häppchen präsentiert und appetitlich zurechtgemacht gereicht wird - und zwar so, dass sie es sehen.
Sehen kann der älteste Pinguin nicht. Er ist mit 28 Jahren nicht nur der Oldie unter den Befrackten, er ist auch blind. Wenn „der Blinde“ - so nennen ihn die Pfleger - seine schlechten Tage hat, frisst er nichts, bewegt sich nicht, spielt toter Esels-Pinguin. „Das geht aber wieder vorbei“, erzählt Pflegerin Sandra Bischoff, „nachher tummelt er sich wieder.“ Ein tauchendes Stehaufmännchen, und vernünftig geworden ist er im Alter auch noch: Er lässt sich seine Augensalbe inzwischen klaglos verabreichen. Grund zu klagen hatten die Weißbüschel-Äffchen vor kurzem. Ihr Ältester, Olli, segnete als wahrer Methusalem das Zeitliche.