Initiative "Alt knallt": Altbier-Attacke gegen Kölsch
VON JENNIFER KOCH - zuletzt aktualisiert: 01.03.2010 - 07:37Düsseldorf (RPO). Der Erkather Werbefachmann Torsten Heinson ist Altbier-Fan und ärgert sich darüber, dass Kölner Bierbrauer in Düsseldorf Reklame machen. Im Internet holt er jetzt zum Gegenschlag aus: Mit der Initiative "Alt knallt" hat er eine Plakataktion gestartet, weitere Projekte sollen folgen.
Die Plakataktionen der Kölner Brauerei Früh fand Altbier-Fan Torsten Heinson trotz seiner Vorliebe für den dunklen Gerstensaft aus Düsseldorf eigentlich immer witzig. "Ich fand die Sprüche charmant, die Werbung gut gemacht und kreativ", sagt der Inhaber einer Werbeagentur in Erkrath.
Dass es bei der Werbung um Kölsch geht und dass das helle Bier ausgerechnet in Düsseldorf massiv beworben wird – das hat Heinson zwar gestört, die Freude des Werbefachmanns über das gute Motiv überwog jedoch. Bisher.
Seit einigen Jahren macht der Kölsch-Fabrikant in Düsseldorf Reklame. Auf roten Plakaten sehen die Düsseldorfer vor allem in der Karnevalszeit Kölsch-Gläser oder Fässer, daneben stehen Slogans wie "Zur Entlastung der A 3 jetzt auch in Düsseldorf" oder "Jetzt auch in den wichtigsten Dörfern rund um Köln". Auf diese Weise provozieren die Kölner die Düsseldorfer und werben für das obergärige Getränk aus dem Süden.
"Bevor es Alt wird"
Doch das neueste Plakat der Kampagne brachte jetzt das Fass zum Überlaufen, findet Heinson: Darauf sieht der Betrachter eine geleerte Kölsch-Stange, daneben steht der Text "Bevor es Alt wird". "Darüber habe ich mich als begeisterter Altbier-Trinker geärgert", sagt Heinson. "Diffamierend" findet er die neue Werbung, "charmant ist das nicht mehr."
Deshalb startete der Werbefachmann gemeinsam mit seinen Kollegen von der Agentur "Wunderknaben" eine Gegenaktion. Und zwar auf breiter Front. Ein Blog im Internet, eine eigene Homepage, eine Gruppe auf Facebook: Die Agentur nutzt nahezu alle Möglichkeiten sozialen Netzwerkens, um auf ihre Initiative "Alt knallt" aufmerksam zu machen. Rund 1000 Besucher hatte die Internetseite bereits, zahlreiche aktive Teilnehmer verzeichnet das Forum und auch der Blog läuft gut. Die Facebook-Gruppe "Alt knallt" zählt aktuell 297 Mitglieder.
Die können jetzt auch aktiv werden: Denn die Werbefachleute rufen dazu auf, Plakatvorschläge einzureichen, auf denen eben nicht Kölsch, sondern Altbier beworben wird. "Altbier hat einfach keine Lobby, die Düsseldorfer nehmen es hin, dass immer mehr Kölsch und immer weniger Alt getrunken wird", sagt Heinson. Mit dem Eigelstein im Hafen könne sich sogar seit Jahren eine Kölsch-Kneipe im Herzen Düsseldorfs durchsetzen, in der Düsseldorfer sogar Karneval feiern.
Ganz ernst nimmt Heinson die Initiative nicht. Auch Kölner dürfen sich im Forum äußern, die Meinungsverschiedenheiten über das richtige Bier werden auf der Plattform mit gepflegten, ironischen Worten ausgetragen – ohne beleidigend zu werden.
"Wir nehmen die Aktion nicht so bierernst", sagt Heinson. "Man kann mit solchen Dingen ja auch ganz unverkrampft umgehen." Denn dass es auch nette Kölsch-Trinker gibt, weiß Heinson aus seinem eigenen Mitarbeiterkreis. "Wir haben in der Agentur auch Kölner. Aber selbst die finden unsere Aktion gut."
Eine Alt- und Kölsch-Kostprobe
In Zukunft kann sich Heinson sogar vorstellen, die Aktion über den Rhein zu tragen: "Wir möchten die Kölner Amateur-Vereine ansprechen und ihnen vorschlagen, sich bei einem Spiel oder einem Auftritt von "Alt knallt" sponsern zu lassen. Natürlich müssen sie dann ein T-Shirt mit unserem Slogan tragen."
Ob die Kölner darauf einsteigen werden, wird spannend. Bald soll es auch eine Alt-Kölsch-Blindverkostung geben, über die dann, wie über alle anderen Aktionen in den verschiedenen Plattformen berichtet wird. "Viele sollen ja den Unterschied nicht feststellen können. Ich bin mir aber sicher, dass mir das Alt besser schmecken wird."
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