Arbeiten für den Kö-Bogen: Alte Festungsmauer entdeckt
VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 08.09.2010 - 10:58Düsseldorf (RPO). Nur knapp unter der Erdoberfläche stießen Archäologen am Ende der Königsallee Ost auf Reste der Anlagen der Bastion Flingern. Weil sie so gut erhalten sind, sollen sie geborgen und später einmal ausgestellt werden. Die Arbeiten für den Kö-Bogen werden nicht behindert.
Tief zu graben hatten die Archäologen an der Baustelle Kö-Bogen nicht. Bereits knapp 80 Zentimeter unter der Erdoberfläche stießen sie am Ende der östlichen Kö in Höhe der ehemaligen Kö-Passage auf eine breite, massive Festungsmauer. "Wir haben zwar aufgrund der alten Karten erwartet, auf Reste der Bauwerke vor der Bastion Flingern zu stoßen. Aber dass sie an dieser Stelle so gut erhalten sind, war eine schöne Überraschung", erklärte Iris Reuter, Ausgrabungsleiterin der Fachfirma Urban und Partner, die die Baustellen rund um den Kö-Bogen fachlich betreut.
Das Mauerstück ist die Spitze der so genannten Kontergarde (siehe Info) und so bedeutend, dass es nach der Vermessung und Dokumentation nicht abgetragen wird. "Es soll in vollem Umfang geborgen werden und an anderer Stelle später gezeigt werden", erklärte Martin Vollmer-König, beim Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege für die Grabungen zuständig.
Ausstellungsraum geplant
Diskutiert wird auch schon ein Ort für die Besichtigung. "Im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee ist ein Schauraum geplant, in dem die Mauerreste aufgebaut werden", berichtet Reuter. Denkbar sei auch eine dreidimensionale Darstellung der Festungsanlagen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die Kurfürst Jan Wellem bauen ließ, nachdem er Düsseldorf zu seiner Residenzstadt gemacht hatte. Zu den Anlagen gehören die Mauerreste.
Wie glücklich der neueste Fund ist, zeigen die Spuren im Boden. Denn direkt neben der Spitze bricht die Mauer ab, "dort wurde in den 1960er Jahren ein Kanal gelegt ohne Rücksicht auf historische Funde", erklärte Reuter. Ebenso wurde für die Treppe zur ehemaligen unterirdischen Kö-Passage die Ziegelmauer abgetragen. Reuter hofft, dass neben dem Kanal Richtung Steigenberger Parkhotel die Festungsbauwerke besser erhalten sind. Ebenso könnten die Mauern des Bastion-Ravelins, das unter der Elberfelder Straße liegt und das dem Autotunnel des Kö-Bogens weichen muss, noch gut erhalten sein.
Durch die archäologischen Arbeiten soll der Bau der Tunnel, der U-Bahn und der Tiefgaragen, die zwischen Jan-Wellem-Platz und Elberfelder Straße angelegt werden, möglichst wenig behindert werden. "Wir stimmen uns direkt mit den Baufirmen ab und klären, wo wir am besten tätig sein können", sagte Reuter. Deshalb werde der neue Fund jetzt nicht sofort geborgen, sondern erst einmal wieder zugeschüttet, damit direkt daneben Schlitzwände für die Tunnel errichtet werden können. In deren Schutz würden dann Ende des Jahres die Mauern freigelegt und gehoben.
Neben den Mauern haben die Archäologen an dieser Stelle kaum Überreste wie Geschirr oder Keramiken gefunden. Eine schwedische Öre-Münze aus den 1670er Jahren ist eine seltene Ausnahme, so Reuter. Allerdings wurden die Archäologen in ehemaligen Gräben der Festung nur wenige Meter entfernt unter dem Corneliusplatz fündig, holten Geschirr und Pfeifen aus dem Boden. Die Funde sollen später ausgestellt werden.
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