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Bewegende Trauerfeier: Am Grab ertönte "I did it my way"

VON ULRIKE KLODE - zuletzt aktualisiert: 29.05.2008 - 08:56

"Papa, wir lieben Dich. Wir werden Dich nie vergessen" - mit diesen bewegenden Worten hat Angela Erwin Abschied von ihrem Vater Joachim Erwin genommen. Bei der offiziellen Trauerfeier am Donnerstag haben 1700 geladene Gäste dem verstorbenen Oberbürgermeister die letzte Ehre erwiesen. Fast tausend Düsseldorfer haben bei der Beerdigung am frühen Nachmittag auf dem Nordfriedhof persönlich Abschied genommen, am Grab ertönte auf Wunsch der Familie der Sinatra-Song "I did it my way". Wir haben die bewegenden Geschehnisse für Sie festgehalten.

Beerdigung auf dem Nordfriedhof

15.01 Uhr auf dem Nordfriedhof: Die Blumenkränze, die den Weg zum Grab säumen, sollen noch bis Freitag aufgestellt bleiben - damit noch weitere Düsseldorfer Abschied nehmen können.

14.55 Uhr auf dem Nordfriedhof: Während noch Hunderte anstehen, um OB Erwin die letzte Ehre zu erweisen, haben viele schon den Nordfriedhof verlassen. Shuttlebusse bringen die Trauergäste vom Friedhof in die Innenstadt.

14.40 Uhr auf dem Nordfriedhof: Damit jeder einzelne Trauergast Abschied nehmen kann, wurden hunderte Rosen in verschiedenen Farben und Erde vorbereitet. Mehrere hundert Trauernde stehen an, um sich mit einer Blume und einer Schippe Erde von dem Verstorbenen zu verabschieden.

14.25 Uhr auf dem Nordfriedhof: Der Sarg wurde ins Grab gelassen, die Familie und die engen Freunde nehmen einen letzten Abschied von Oberbürgermeister Joachim Erwin. 

14.03 Uhr auf dem Nordfriedhof: Weit über 100 Blumenkränze und Gestecke führen zum Grab, viele sehr aufwändig gestaltet, auf den großen Schleifen die Namen der Trauernden. Sie kommen von Trauernden aus der ganzen Welt - unter anderem USA, Israel und Norwegen ist auf den Schleifen zu lesen.

13.41 Uhr auf dem Nordfriedhof: Mittlerweile hat der Zug der Trauernden das ausgehobene Grab erreicht. Nachdem der Priester gesprochen hat, wird als Grablied "I did it my way" gespielt. Die Familie hatte sich den Titel ausgesucht. 

13.33 Uhr auf dem Nordfriedhof: Mehr als 500 Menschen ziehen mit der Familie zum Grab. Die Wegstrecke zum Grab war vorher extra verlängert worden, damit alle Trauernden teilnehmen können.  

13.24 Uhr auf dem Nordfriedhof: Die Familie verlässt die Kapelle durch einen Seiteneingang, der Trauerzug setzt sich in Richtung Grab in Bewegung.

13.10 Uhr auf dem Nordfriedhof: Immer mehr Menschen warten darauf, dass die Trauergäste und die Familie aus der Tonhalle eintreffen. Unter den Wartenden auch viele Mitglieder von Schützenvereinen und Karnevalsgesellschaften, die in Uniform und mit Orden geschmückt Abschied von OB Erwin nehmen wollen. In der Kapelle des Nordfriedhofs wird sich die Familie mit engen Mitarbeitern und Freunden zu einem letzten Abschied versammeln.

13 Uhr auf dem Nordfriedhof: Vor der Kapelle warten bereits mehrere hundert Düsseldorfer, um den Verstorbenen auf seinem letzten Weg zu begleiten. Die Stimmung ist gedrückt, die Anwesenden unterhalten sich im Flüsterton.

Trauerfeier in der Tonhalle

Mit einem letztem getragenen Stück der Symphoniker endet die bewegende Trauerfeier in der Tonhalle. Die Trauergäste erheben sich kurz zum Gedenken an den Toten und verlassen dann den Saal.

Die Rede von Angela Erwin hat die Trauergäste berührt, einige greifen zum Taschentuch, zum ersten Mal wird applaudiert.  

Angela Erwin: "Papa, es ist so schwer, nach Hause zu kommen. Alles erinnert an Dich. Deine tausend Krawatten auf dem Tisch, Dein totales Chaos, das Mama nie wegräumen durfte. Papa, wir lieben Dich. Wir werden Dich nie vergessen."

Angela Erwin: "Zum Schluss wollte er träumen, schlafen, sich ausruhen. Er sagte, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr."

Als sie von den letzten Wochen und Tagen mit ihrem kranken Vater redet, zittert ihre Stimme wieder, sie kämpft gegen die Tränen.

Angela Erwin: "Er hat sich nie beklagt. Er hat bis kurz vorher versucht, die Krankheit nicht überhand nehmen zu lassen."

Angela Erwin: "Doch dann hat er in seiner typischen Art weitergemacht. Und er wollte, dass wir auch weitermachen wie bisher. Nun müssen wir uns nicht mehr belügen, uns nicht verstellen."

Angela Erwin: "Dann die schlimme Nachricht: Papa hat Darmkrebs. Er war so jung, sollte doch noch für uns da sein!"

Angela Erwin spricht darüber, wie es war, als ihr Vater 1999 das Amt des Oberbürgermeisters übernommen hat. "Unser Familienleben musste dadurch ohne ihn stattfinden. Wir haben ihn an die Stadt verloren. Doch ich möchte mich nicht beklagen. Dass er Oberbürgermeister geworden ist, war sein größter Lebenstraum und wir standen alle hinter ihm."

Angela Erwin, die Tochter des Verstorbenen, tritt als nächste ans Mikrofon. Ihre Stimme zittert, als sie die ersten Worte spricht. "Er hat uns die Welt zu Füßen gelegt. Noch vor ein paar Wochen hatten wir geplant, gemeinsam nach Rügen zu fahren."

Schramma: "Viele der hier Anwesenden wissen aus eigener Erfahrung, wie stark Joachim Erwin für seine Überzeugungen eingetreten ist. Auch wenn er mit seiner Überzeugung in der Minderheit war, ließ er sich nicht davon abbringen."

Schramma: "Wir beiden standen im Prozess der Aufeinander-Zugehens der beiden rivalisierenden Städte noch ganz am Anfang. Doch wir haben wichtige Schritte gemacht."

Schramma: "In seiner Amtszeit hat sich das Verhältnis zwischen unseren beiden Städten verbessert. Natürlich gab es weiterhin das Klischee der Rivalität." Er spricht über verschiedene Erlebnisse, die er mit Joachim Erwin hatte. Zum Beispiel, als beide gemeinsam auf einer Rheinfähre für ein Magazin Kölsch und Alt verköstigen mussten - was beide mit viel Humor gemacht haben.

Schramma: "In der ungeheueren Begeisterung für seine Stadt lag die Quelle für die Kraft, die ihn am Leben hielt."

Schramma: "Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden für einen Mann, mit dem man so lange so eng zusammengearbeitet hat und mit dem man so eng befreundet ist, wie wir es waren. Und es ist schwer, die richtigen Worte zu finden für einen Mann, der noch so viel vorhatte. Noch mehr Internationalität, noch mehr Wirtschaftlichkeit, noch mehr Lebensqualität für seine Stadt, das war sein Plan."

Schramma: "Düsseldorf verliert einen Mann, der das Bild der Stadt so geprägt hat, wie kaum ein anderer zuvor."

Schramma redet die Familie direkt an: "Ich wünsche Dir, liebe Hille, Dir, liebe Angela, und Dir, lieber Markus, viel Kraft, diese schwere Zeit zu überstehen."

Schramma: "Sein Tod hat in ganz NRW Bestürzung ausgelöst."

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma redet als nächster. Anfangs versagt ihm die Stimme, er ist sehr bewegt.

Rüttgers: "Heute verneigen wir uns vor Joachim Erwin. Er fehlt uns. Als streitbarer Kollege, als ein Mann, von dem jederzeit Lebenshoffnung ausging. Er fehlt uns als jemand, der um die Zerbrechlichkeit und Kostbarkeit des Lebens wusste."

Rüttgers: "Ich erinnere mich noch an den Spätsommertag, als Düsseldorf schuldenfrei wurde. Das geschah ja nicht über Nacht. Joachim Erwin hat uns gezeigt, wie Politik möglich ist, ohne unsere Kinder und Enkel zu belasten."

Rüttgers: "Politik wird nicht nur in Berlin, Brüssel oder im Landtag gemacht, sondern in unseren Städten und Gemeinden. Dort leben unsere Familien, unsere Kinder. Dort müssen Lösungen und Möglichkeiten gefunden werden. Gerade das hat uns Joachim Erwin gezeigt." 

Rüttgers: "Viele von uns fragen sich: Was würde ich tun, wenn ich diese Diagnose bekäme? Joachim Erwin hat die Nachricht nicht nur hingenommen, sondern angenommen. Und weitergemacht. Bis zum Schluss stand er auf der Brücke. Ihn hat das Kraft gekostet, das hat er immer wieder betont. Aber er hat auch Kraft getankt - bei Ihnen, liebe Frau Erwin, und bei seiner Familie. Aber auch in seinem christlichen Glauben, das hat er immer wieder betont."

Rüttgers: "Doch nicht nur Trauer, auch Dankbarkeit war überall zu spüren. Hier trauern die Menschen um jemanden, dem sie vertraut haben. Er war durch und durch ein politischer Mensch." 

Rüttgers: "Doch nicht nur Trauer, auch Dankbarkeit war überall zu spüren. Hier trauern die Menschen um jemanden, dem sie vertraut haben. Er war durch und durch ein politischer Mensch." 

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers tritt ans Mikrofon: "Als er starb, hielt Düsseldorf inne. Jeder spürte das." 

Ein überlebensgroßes Bild des Verstorbenen in schwarz-weiß steht in der Mitte der Tonhalle, geschmückt von Blumenbouquets und Kränzen. 1700 Trauergäste lauschen den traurigen Klängen der Symphonikern.

Stadtdirektor Helmut Rattenhuber redet als nächster und stellt in den Vordergrund, was OB Erwin in und für Düsseldorf erreicht hat: "Es kann keiner bestreiten, dass Düsseldorf das nach vorne gebracht hat. Im Städteranking nimmt Düsseldorf immer einen vorderen Platz ein." "Jetzt liegt es an uns, seine Vorschläge, die er nicht mehr vollenden konnte, anzunehmen und weiter zu verfolgen."

Nach dieser bewegenden Rede verlässt Dirk Elbers, Bürgermeister Düsseldorfs und politischer Weggefährte Erwins, das Rednerpult.

Elbers: "Wir müssen sein Vermächtnis aufrechterhalten. Eine Stadt, die mutig ist, aber immer menschlich. Der unbesiegbare Humor, in dem sich die Stärke eines sterbenskranken Mannes spiegelt, ruft uns zu: Wir sollen uns nicht um eine Hausnummer für ihn streiten."

Elbers: Ein Denkmal für Erwin existiert nicht allein in den Herzen der Bürger. Sondern es ist auch so leicht zu finden: Werft ein Blick aus dem Fenster - es ist seine Stadt, die für ihn. Lasst uns für die Stadt arbeiten und so tagtäglich Erwin ehren.

Elbers: Nur allmählich weicht der Unglaube dem Schmerz - vielen, auch mir, geht es so. Was wir sagen, wird in Vergessenheit geraten. Doch was er tat, das wird in Erinnerung bleiben und in die kollektive Erinnerung dieser seiner Stadt eingehen.

Elbers: Er kümmerte sich um die Familien und wir werden sein Vermächtnis fortsetzen. Kostenfreie Kinderbetreuung, da können viele Kommunen nur von träumen.

Elbers: Für ihn gab es nie einen Zweifel: Düsseldorfs Zukunft kann nicht im Kleinen, Provinziellen liegen. Er sorgt dafür, dass Düsseldorf in der Liga der Großen mitspielte.

Elbers: Joachim Erwin war ein Botschafter unserer Stadt, und dass ihm hin und wieder das Attribut "undiplomatisch" zugeschrieben wurde, hat ihn nicht gestört. Er stand für eine Verlässlichkeit, die Vertrauen erst möglich macht."

Elbers: "Er lebte sein Leben für unsere Stadt, selbst in den letzten Tagen, als er mit der schweren Krankheit kämpfte, kreisten seine Gedanken um diese unsere Stadt."

11.05 Uhr in der Tonhalle: Nach dem ersten Stück der Symphoniker tritt Dirk Elbers, Weggefährte von Erwin und Bürgermeister von Düsseldorf, ans Mikrofon. Er spricht die Familie mit "liebe Hille, liebe Angela, lieber Markus" an.

11.03 Uhr in der Tonhalle: Die Düsseldorfer Symphoniker setzen sich und stimmen ihre Instrumente.

11.02 Uhr über der Tonhalle: Dunkle Wolken ziehen sich zusammen. Der Himmel wird schwarz.

10.35 Uhr an der Rheinpromenade: Am Rhein entlang zieht sich ein schwarzer Zug - viele Trauergäste, die vor der Kirche standen, gehen zu Fuß zur Tonhalle, wo ab 11 Uhr die Trauerfeier stattfindet.

Die  Messe in der Lambertuskirche

10.33 Uhr vor der Lambertuskirche: Die Trauergäste haben die Kirche verlassen und sind in Busse gestiegen, mit denen sie zur Trauerfeier in der Tonhalle gebracht werden. Unter den drei Bussen sind auch die Mannschaftsbusse von Fortuna und DEG, in beiden Vereinen war Joachim Erwin im Aufsichtsrats.  

10.20 Uhr: Die Glocken läuten, der Gottesdienst zum Gedenken an OB Erwin ist vorbei. Der Seiteneingang der Kirche ist abgeschirmt, dort verlässt die Familie des Verstorbenen die Kirche.

10.03 Uhr vor der Lambertuskirche: In der Kirche hat die Kommunion begonnen. Auch auf dem Stiftsplatz vor der Kirche werden Hostien verteilt, damit auch die Trauernden dort daran teilnehmen können. Aus der Kirche erklingt Mozarts "Agnus Dei", das die Düsseldorfer Symphoniker gemeinsam mit dem Chor der Oper darbieten.

9.48 Uhr vor der Lambertuskirche: Die Atmosphäre vor der Kirche ist gedämpft. Einige wenige Menschen unterhalten sich leise flüsternd. Alle anderen hören dem Gottesdienst, der über die Lautsprecher nach außen dringt, aufmerksam und bewegt zu.

9.36 Uhr in der Lambertuskirche: Jetzt spricht auch Sohn Markus eine Fürbitte. Genau wie seine Schwester macht er einen beherrschten Eindruck. Die Kinder von Erwin bitten unter anderem um Kraft für Kranke und um Gottvertrauen für alle Menschen.

9.34 Uhr in der Lambertuskirche: Angela Erwin spricht eine Fürbitte für ihren verstorbenen Vater.

9.11 Uhr vor der Lambertuskirche: Mittlerweile sind es etwa 150 Menschen, die sich vor der Kirche versammelt haben. Alle sind in schwarz gekleidet, um angemessen Abschied von ihrem OB nehmen zu können, darunter auch viele Schützen in Uniform.

9 Uhr vor der Kirche St. Lambertus: Viele Düsseldorfer haben sich am Morgen auf den Weg gemacht, um vor der Kirche an der Messe teilnehmen zu können. In der Kirche selbst sind nur geladene Gäste. Doch Lautsprecher übertragen die Messe nach draußen, damit möglichst viele dabei sein können.


 
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