Dezember:: Amokfahrer frei, Bombendroherin soll zahlen
zuletzt aktualisiert: 23.12.2004 - 11:40Düsseldorf (dto). Bundespolitik wurde im Dezember in Düsseldorf gemacht. Die CDU traf sich zwei Tage lang zum Parteitag. Auf lokaler Ebene versammelte sich der Stadtrat zur großen Haushaltssitzung. Ansonsten gab es gute Neuigkeiten für Sportfreunde: Rhein Fire kehrt zurück und spielt ab 2005 in der LTU Arena. Besucher des Medienhafens können sich über eine weitere Sommersaison im Monkey’s Island freuen. Für große Überraschung sorgte die Freilassung des Amokfahrers von Pempelfort. Der Bombendrohin soll 300.000 Euro zahlen, forderten BGS und Flughafen.
Edmund Stoiber kaufte Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag den Schneid ab. Selbst von "rhetorischer Zumutung" war die Rede: Viele Delegierte empfanden den Vortrag der CDU-Vorsitzenden als zu lang und ohne Pointierung. Die von Merkel vorgegebene Richtung ("Attacke auf die anderen, Feuer einstellen gegen uns selbst") schlug beim Düsseldorfer Parteitag nicht sie selbst, sondern Stoiber an.
Mit gefülltem Geldsäckel geht Düsseldorf ins nächste Jahr: Im Dezember verabschiedete der Rat zum sechsten Mal in Folge einen ausgeglichenen Haushalt: unter den Großstädten einzigartig. Erneut setzte die Ratsmehrheit von CDU und FDP eine Senkung der Gewerbesteuer und der Grundsteuer durch. Der Haushalt schloss mit drei Milliarden Euro ab.
Ein Maßnahmenpaket gegen Blechlawinen in der Stadt präsentierte das Verkehrsdezernat. 1,1 Millionen Autos und 50.000 Laster rollen täglich über die Straßen der Stadt. 400.000 Pendler strömen jede Woche in die Rheinmetropole. Um die Autokolonnen in Fluss zu halten, soll beispielsweise das Ampelsystem komplett erneuert werden, die Parksünden von Paketdiensten und Taxifahrern in Zukunft stärker verfolgt werden.
Auch an der Verbesserung des Stadtbildes wurde gearbeitet. Das von Professor Klaus Rinke geschaffene "Zeitfeld" am Volksgarten wird generalüberholt: Der seit 1980 in Haan und Los Angeles lebende Künstler hatte die Wiese 1987 anlässlich der Bundesgartenschau mit 24 Stelzen-Uhren bepflanzt. Seitdem hat das Kunstwerk, für deren Betreuung die Stadt zuständig ist, arg gelitten.
Gleichzeitig nahm die Hafenbrücke Gestalt an. Der letzte Teil mit einer Gesamtlänge von knapp 150 Metern wurde montiert. Ein Schwimmkran hievte die insgesamt 570 Tonnen schweren Brückenteile in ihre endgültige Position und sorgte für eine durchgehende Verbindung zwischen der Straße "Am Handelshafen" und der Spitze der Speditionsstrasse.
Die Arena bestand den ersten Test ihres 235 Meter langen und 201 Meter breiten Schiebedaches mit Erfolg. Binnen Sekunden wird es hell, wenn sich das 8.000 Tonnen schwere Dach der LTU Arena auseinander schiebt. 30 Minuten dauert es, bis das Dach komplett geschlossen ist und Dunkelheit einkehrt.
Der neue Breidenbacher Hof nimmt Gestalt an: Oberbürgermeister Joachim Erwin sowie Vertreter und Berater der Pearls of Kuwait legten Eckpunkte des weiteren Vorgehens fest. Die Kuwaitis versichterten bei diesem Gespräch, dass sie das Projekt alleine durchführen wollen und das Objekt nicht für Investoren zum Verkauf stehe.
Gute Nachricht für Sportfans: Rhein Fire kehrt nach Düsseldorf zurück. Nach einem zweijährigen Gastspiel in der Arena AufSchalke absolvieren die Footballer zur kommenden Saison die Heimspiele in der neu errichteten LTU Arena. Das Beste daran: Auch das World Bowl Finale in der National Football League (NFLE) bringen sie gleich mit in die Arena.
„Frauen, Mädchen – HIV und Aids“ hieß das Motto des 17. Welt-Aids-Tages, der auch in Düsseldorf mit zahlreichen Veranstaltungen begangen wurde. Für den guten Zweck ging die LTU mit einem Airbus in die Luft. Rund 340 Gäste flogen mit, prominent begleitet von Ex-No Angel Lucy Diakovska, Jasmin Wagner, den Hot Banditoz, Hans Meiser und vielen mehr. Resultat: 45.000 Euro Spendengelder für HIV-infzierte und aidskranke Menschen. Im K21 kamen bei einer Benefiz-Kunstauktion zusätzlich sagenhafte 168.540 Euro zusammen.
Maler Jörg Immendorff sprach bei Johannes B. Kerner erstmals über seine Krankheit ALS. Rund 6.000 Menschen sind in Deutschland betroffen, doch kaum einer kennt die tödliche Nervenkrankheit. Im fortgeschrittenen Stadium können manche Patienten nur noch die Augen bewegen, sind gefangen im eigenen Körper. Bei Kerner appellierte ein kämpferischer Immendorff an Forschung und Pharmaindustrie, Wege gegen ALS zu finden. Etwas später gab’s eine gute Nachricht für ihn: Das Disziplinarverfahren gegen den wegen Kokainbesitz verurteilten Maler wurde eingestellt.
Ein großer Dichter kam im Dezember in die Stadt. Der Autor Robert Gernhardt wurde im Rathaus mit dem Heine-Preis ausgezeichnet. "Sie haben meinen Verdacht erhärtet, dass der Mensch unbegrenzbar belobbar ist – es tut gut, das hin und wieder am eigenen Leibe erfahren zu dürfen“, freute sich der Schriftsteller, Lyriker und Karikaturist. OB Joachim Erwin überreichte die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung und hob in seiner Rede die Nähe zum größten Dichtersohn der Stadt hervor. Weitere Auszeichnung für Wim Wenders: Der Düsseldorfer Regisseur erhält nach dem Helmut-Käutner-Preis den Verdienstorden des Landes für seine professionellen Leistungen und seine Verdienste als "inoffizieller Kulturbotschafter".
Große Freude bei der Messe: Das Unternehmen verzeichnet das beste Jahr der Geschichte. Der Umsatz der GmbH lag bei über 300 Millionen Euro (2003: 190 Millionen Euro), im gesamten Konzern wurden knapp 400 Millionen Euro erreicht, so ein Unternehmenssprecher. Im gleichen Monat lief die erste Superlative der „boot 2005“ auf dem Messegelände ein. Mit 31 Metern Länge und knapp 100 Tonnen Gewicht ist die „Perfect Harmony“ die größte Motoryacht der Bootsmesse. Mit einer Zivilklage gegen ihre beiden Ex-Geschäftsführer will die Messegesellschaft Düsseldorf jetzt Schadensersatzforderungen von insgesamt acht Millionen Euro mit Gerichtshilfe durchsetzen. Nach Gerichtsangaben wird eine Zivilkammer für Handelssachen den Prozess gegen Hartmut Krebs und dessen Finanz-Chef Jürgen Schroer im Januar eröffnen.
Bombendroherin soll 300.000 Euro zahlen
Neueeitere wichtige Entscheidungen vor Gericht: Der Amokfahrer von Düsseldorf ist überraschend gegen Auflagen aus der Haft entlassen worden. Der 65-jährige Gastwirt war wegen versuchten Mordes zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er war mit einem Sportwagen aus Frust in zwei Straßencafés gerast. Rund 152.000 Euro forderte der Bundesgrenzschutz wegen der Sperrung des Düsseldorfer Flughafens von der Bombendroherin. Der Flughafen kündigte indes an, Anfang nächsten Jahres rund 190.000 Euro über eine Zivilklage bei der 29-jährigen Studentin in Rechnungen zu stellen.
Das Oberverwaltungsgericht Münster wies die Klagen gegen die Erweiterung des Flugbetriebs auf dem Flughafen Düsseldorf zurück. Die Auswirkungen seien nicht gesundheitsgefährdend und noch zumutbar, hieß es zur Begründung. Geklagt hatten die Städte Ratingen und Meerbusch sowie 15 private Grundeigentümer aus der Umgebung des Flughafens. Ein Fernseh-Reporter, der mehrere Messer in Flugzeuge geschmuggelt hatte, stand erneut vor Gericht. Der Journalist wollte für eine Reportage Sicherheitslücken an deutschen Flughäfen aufdecken, so auch in Düsseldorf und war zu einer Geldstrafe von 750 Euro verurteilt worden. In der Berufungsverhandlung wurde der Reporter nun verwarnt.
Freuen können sich die Düsseldorfer auf eine nette Sommerperspektive: Der Umzug von Monkey’s Island ist verschoben worden. Der Affe bleibt noch mindestens bis September 2005 an der Speditionsstraße. Auch der Bauinvestor, der Berliner Immobilien-Entwickler Joachim Tenkhoff, der an dieser stellen bauen will, bestätigte dies. Zunächst sollte das Aus für die Affen-Insel schon im Frühjahr kommen.
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