Erwin-Nachfolge: Analyse: Berlin strahlt bis nach Düsseldorf
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 31.05.2008 - 10:33Düsseldorf (RPO). Bei der SPD-Spitzenkandidatur blicken alle auf Partei-Chefin Karin Kortmann. Der Staatssekretärin, die in der Hauptstadt eine gewichtige Rolle spielt, fällt das Ja nicht leicht. Ihr Bundestags-Kollege Michael Müller nimmt sie in die Pflicht - nicht ohne Hintergedanken.
Michael Müller hält Karin Kortmann für eine geeignete SPD-Kandidatin im Kampf um den Posten des Oberbürgermeisters. Das mag manche, die vergangenes Jahr die erbitterten Grabenkämpfe bei den Düsseldorfer Genossen verfolgt haben, erstaunen. Denn der SPD-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesumweltministerium mit Wahlkreis im Norden der Stadt war einer der Haupt-Akteure im Nord-Süd-Konflikt der SPD im Frühjahr 2007.
Seine Gegenspielerin hieß Karin Kortmann, ebenfalls Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin im Bundesentwicklungshilfeministerium mit Wahlkreis im Süden der Stadt. Die Schlacht begann in der Fraktion, wo Fraktionschef Günter Wurm gegen Bürgermeisterin Gudrun Hock siegte, und fand ihr vorläufiges Ende auf einem Parteitag im März 2007, bei dem Kortmann zur neuen Parteichefin gewählt wurde. Mit geringem Rückhalt im Norden und nur knapp 70 Prozent.
Nun spricht sich ausgerechnet Müller für sie aus. Es heißt sogar, er wolle die Delegierten in seinem Wahlkreis auf Pro-Kortmann-Kurs bringen. Das ist jedoch nicht unbedingt ein Zeichen für einen neuen Schmusekurs. Es lohnt ein Blick zurück auf die Bundestagswahl im September 2005: Damals verteidigte Kortmann im Süden ihr Direktmandat gegen Beatrix Philipp (CDU) mit einem Vorsprung von 7,3 Prozentpunkten. Michael Müller hingegen verlor sein Direktmandat an Hildegard Müller (CDU) und zog über einen Listenplatz in den Bundestag ein.
Kortmann fällt es auch angesichts dessen nicht ganz leicht, „Ja“ zur Spitzenkandidatur zu sagen. Immerhin hat sie in Berlin durchaus Einfluss, ist gut vernetzt in den Ministerien und der Bundestagsfraktion. Als hiesige Parteichefin ist sie aber andererseits in der Pflicht, die SPD mit einer Persönlichkeit in den Wahlkampf zu schicken, die gegen die CDU auf Erwin’scher Erfolgswelle zumindest eine kleine Chance auf Sieg hat.
Lange Zeit galt Regierungspräsident Jürgen Büssow als Favorit, hat aber vor einigen Tagen abgewunken. Jetzt werden noch Kortmann und Wurm gehandelt. Wobei offenbar nur der Parteichefin zugetraut wird, ein respektables Ergebnis einzufahren. Ein wesentlicher Grund für diese Einschätzung ist, dass die Grünen, mit denen sich die Genossen gestern zu Gesprächen getroffen haben, sich auf Kortmann am ehesten als gemeinsame Kandidatin einigen könnten. Was Stimmen für die SPD bedeutet.
Die spannende Frage ist nun: Was passiert im Fall einer Niederlage Kortmanns? Ins berufspolitische Nichts möchte sie verständlicherweise nicht fallen. Bei einer OB-Wahl Ende August bliebe sogar ausreichend Zeit für eine Bundestagskandidatur plus Wahlkampf.
Aber, auch wenn es niemand offen zugeben würde, ist man sich angesichts einer erstarkenden Linkspartei offenbar nicht mehr ganz sicher, ob Kortmann im Düsseldorfer Süden mit sozialen Brennpunkten wie Garath, Hellerhof oder Hassels das Direktmandat tatsächlich wieder holen würde. Und: Zwei sichere Listenplätze wird es für Düsseldorf wohl kaum geben. Würde Kortmann also OB in Düsseldorf, wäre Müller sein sicherer Listenplatz weiterhin sicher.
Bei einer Niederlage liegt es für einige auf der Hand, dass eine Absicherung auf der Liste der gerechte Lohn für die Mühe wäre. Müller sieht das vermutlich nicht so. Schließlich sei der Wahlkampf, so ist zu hören, eine hervorragende Gelegenheit für Kortmann, sich im Süden noch bekannter zu machen und für das Direktmandat zu profilieren. Zudem ginge ohne Listenplatz der nördliche Wahlkreis für die SPD veloren.
Die freundliche Unterstützung aus dem Norden Düsseldorfs - ein Geschenk, das für Kortmann nur schwer anzunehmen ist.
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