Verletzung der Privatsphäre wirkt nach: Angst nach dem Einbruch
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 29.01.2007 - 08:24Düsseldorf (RPO). Täglich dringen Kriminelle in fremde Düsseldorfer Wohnungen ein. Der Verlust von Bargeld und Wertsachen ist für die Opfer nicht das Schlimmste. Die Verletzung der Privatsphäre wirkt bei vielen lange nach.
Der Schreck sitzt ihm noch immer in den Knochen. Klaus M.*) ist von einem Einbrecher niedergeschlagen worden, den er verfolgt hatte. „Hätte ich drüber nachgedacht, wäre ich wohl gar nicht erst hinterher gelaufen“, sagt er. Den Einbrecher, der vergeblich versucht hatte, in M.’s Wohnung einzudringen, hat er später auf Polizeifotos identifiziert.
„Als er vor mir stand“, sagt Klaus M., „flehte er mich an ,keine Polizei, keine Polizei’. Da hatte ich fast Mitleid.“ Das hörte auf, als der Einbrecher nicht nur M., sondern auch dessen Freundin mit Faustschlägen niederstreckte. „Das nehm’ ich ihm übel“, sagt der Bilker. Heute weiß er: Der Täter ist 28 Jahre alt, war nicht zum ersten Mal auf Beutetour. Bis Oktober war er im Gefängnis - wegen Einbruchs.
Klaus M. hat seine Wohnung vor ein paar Jahren von einem Mann übernommen, der dort nicht mehr bleiben wollte, nachdem Einbrecher da waren. Für Jane R.*) in Oberkassel kommt ein Umzug nicht in Frage. 30 Jahre lebt sie schon in ihrer Wohnung, in der so vieles an den verstorbenen Ehemann erinnert, an gemeinsame Reisen und glückliche Tage. „Ich bin lieber weg als zu Hause“, sagt sie heute. Und: „Ich bin nicht mehr ich selbst.“
Vor vier Wochen kehrte sie aus dem Urlaub zurück - und fand ein Chaos vor. Fassadenkletterer waren in die Wohnung im zweiten Stock eingedrungen, hatten alles durchwühlt. Pelzmäntel, Schmuck und Bargeld haben sie gestohlen. „Sie hätten auch alles nehmen können.“
Schmutzige Hände, die ihre Wäsche durchwühlen, Schuhe, die über ihr Bett trampelten - am liebsten würde die Witwe alles wegwerfen, was die Einbrecher berührt haben. „Ich fühle mich beschmutzt und hilflos.“ Ihre drei Balkone betritt sie nicht mehr. Die Läden vor Fenstern und Türen bleiben geschlossen, so lange es geht, und Jane R. bleibt nicht mehr gern allein. „Ich war immer optimistisch, bin nicht hysterisch. Aber ich habe Angst.“ Im Bad lauscht sie auf verdächtige Geräusche, sie schläft unruhig. „Ich bin nirgendwo mehr sicher.“ Dieter Töpfer, Leiter des Einbruchs-Dezernats bei der Polizei, kennt das. „Der materielle Verlust ist für die meisten Opfer nicht so schlimm wie der seelische Schaden durch das Bewusstsein, dass ein Fremder die Privatsphäre verletzt hat.“
Dabei ist ein Einbruch in der Regel nicht persönlich gemeint. „Die meisten Täter wissen nicht mal, in welcher Straße sie sind. Die suchen sich Wohnungen, in die sie leicht reinkommen und in denen niemand zu sein scheint. Einbrecher, die ihre Opfer vorher wochenlang ausspionieren, sind eher selten.“
*) Namen geändert
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