Die 30-Jährige spielt "Das Mädchen Rosemarie": Anna Montanaro hat den Erfolg auf ihrer Seite
zuletzt aktualisiert: 27.10.2003 - 09:23Düsseldorf (dto). Als sie noch zur Schule ging, war ihr größter Traum auf der Bühne zu stehen. Als sie zum ersten Mal auf einer Musical-Bühne stand, hatte sie eine kleine Rolle in Cats. Als ihr Manager sie vor wenigen Tagen auf ihrem Handy anrief, hatte er eine gute Nachricht. Anna Montanaro wurde zur besten Musical-Darstellerin des Jahres gewählt. Die Leser der Fachzeitschrift "musicals" wählten die Düsseldorferin für Ihre Rolle der Lucy in Jekyll & Hyde auf Platz Eins der Konkurrenz.
Die 30-Jährige ist zurzeit Deutschlands größter Musical-Star. Und ihr Name klingt so wie sie ist: Italienisches Blut in den Adern, manchmal laut, auffällig mit einer positiven Ausstrahlung, temperamentvoll und vor allem erfolgreich. „Es schneit, es schneit“, sagt sie ein paar Stunden vor einem Treffen mit Kollegen, mit denen sie über die ersten Proben zu „Das Mädchen Rosemarie“ spricht. Während andere sich über Regen, dunkle Wolken und den schmierigen Schnee auf der Straße mitten im Oktober ärgern, freut sich Montanaro über die Flocken. Im Moment scheint das Glück auf ihrer Seite.
Die Auszeichnung zur besten Musical-Darstellerin, glücklich und neu verliebt und eine neue, große Rolle im Blick. Anna Montanaro ist da, wo sie sein möchte. Gespielt und gelebt hat sie schon in allen großen Städten Deutschland, New York und London haben sie zum Star gemacht und doch kehrt die gebürtige Münsterin immer wieder nach Düsseldorf zurück. „Das ist die perfekte Stadt für mich, sie ist nicht zu groß, hier fühle ich mich wohl und hier leben meine Freunde“, so die 30-Jährige. Sie ist neben Hildegard Knef und Ute Lemper eine von nur drei Frauen, die am New Yorker Broadway eine Hauptrolle spielen durfte.
Sie spielte die Velma in „Chicago“, mit der sie auch ein paar Monate später die Besucher des Capitol Theaters in Düsseldorfer begeisterte. Die Frauen, die sie am liebsten verkörpert sind gefallene Frauen. Kriminelle, Huren, Edelprostituierte, das liebe Mädchen hat sie zuletzt als Sandy in Grease gespielt. „Das kontrollierte Mädchen liegt mir nicht so sehr“, erzählt sie und streicht sich dabei durch ihren wilden blonden Lockenkopf. „Ich finde diese Rollen interessanter, spannender, sie zeigen Frauen, die viel durchgemacht haben, Frauen mit Schmerz, Gefühl und vielen Träumen“, so Montanaro weiter.
Ein großer Traum wird nun auch für sie war. Sie wird als erste Musicaldarstellerin die Rosemarie Nitribit in dem Stück "Das Mädchen Rosemarie" spielen. Regisseur und Drehbuchautor Dirk Witthuhn hat ihr das Bühnenstück auf den Leib geschrieben. „Es ist die erste Rolle, die ich mit kreieren werde, davon träumt jeder“. Eine Pause gönnt sich die 30-Jährige nicht. Noch ein paar Wochen wird sie die Lucy in "Jekyll&Hyde" spielen, Anfang November soll es mit den Proben für „Das Mädchen Rosemarie“ losgehen.
Die Rolle ihres Lebens könnte es werden, obwohl sie bereits schon in Grease, Cabaret oder Chicago für Begeisterung sorgte. „Die Rolle geht mir unter die Haut“, sagt sie. „Ich war von der Idee bis zum Bühnenstück immer dabei, Rosemarie Nitribit hat ein Schicksal erlebt, das Mitleid in mir auslöst. Um sich in die Rolle hinein zu versetzen, hat sie in Koblenz sogar eine mittlerweile 60-jährige Hure besucht, die die 1957 verstorbene Rosemarie Nitribit kannte.
Die private Rolle ihres Lebens hat sich inzwischen geändert. Auch wenn sie Tag und Nacht auf der Bühne stehen könnte und ihr Beruf auch ein Teil des privaten Glücks ist, wird ihr das private Glück immer wichtiger. „Ich bin heftig verliebt“ erzählt sie mit glänzenden Augen und strahlt dabei im ganzen Gesicht. „Niemand aus dem künstlerischen Bereich, vielleicht klappt es deshalb so gut.“ Lange Spaziergänge am Rhein oder in Holland am Meer, bringen ihr die Kraft und Entspannung zurück, die sie nach den vielen Vorstellungen auf der Bühne braucht.
Kraft brauchte sie auch, als sie mit 15 Jahren das größte Talent beim MTV Gifhorn, niedersächsische Meisterin am Schwebebalken wurde. Papa Montanaro, aus Italien stammender Pizzabäcker in Gifhorn hatte sie schon als Kleinkind turnen lassen. Aber Anna wollte lieber tanzen. Deshalb ging sie an die Hamburger Schule für Musik, Drama und Tanz. Die Schule ist heute als „Fame Academy“ im Fernsehen bekannt geworden, Parallelen zu damals sieht sie heute kaum noch. „Ich frage mich manchmal, ob wir damals auch so hysterisch waren, aber ich glaube nicht“. Eine Verbindung zum Fernsehen gibt es dennoch: „Ich möchte endlich mal etwas im Fernsehen machen“, sagt Montanaro. „Dafür möchte ich mir irgendwann die Zeit nehmen, aber erst kommt noch die Rosemarie“.
Von BIRGIT KRANZUSCH
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