Umbau kostet Millionen: Arena soll Stehplätze bekommen
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 30.07.2009 - 07:39Düsseldorf (RPO). In wenigen Wochen ist ein Gutachten fertig, das untersucht, wie man in der Arena rund 15.000 Stehplätze einrichten kann. Nicht nur die Fortuna-Fans fordern das seit Jahren. Jetzt, nach dem Aufstieg in die 2. Liga, wächst der Druck. Der Umbau würde Millionen kosten.
Hochstimmung in den Stadien, egal ob auf Schalke oder in Dortmund, ist ohne die gigantischen Blöcke stehender Fans nicht denkbar. Von Anfang an hatten daher die Fortuna-Anhänger gefordert, auch in der Arena Stehplätze anzubieten. Das jedoch wurde nicht umgesetzt: Die rund 51.000 Zuschauer sitzen, und zwar alle. Aber jetzt kommt Bewegung in die Forderung nach einem Umbau der Esprit-Arena. Und das nicht etwa nur, weil der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Müller nochmals die Forderung formulierte, doch endlich Stehplätze einzurichten.
Wir fragen die Fans: Soll es in der Arena Stehplätze geben oder nicht? Sagen Sie uns hier Ihre Meinung!
Vor allem der Aufstieg in die 2. Liga beflügelt die Pro-Stehplatz-Initiative "Stonn op". Ihre Chancen sind nicht schlecht, immerhin ist ein Gutachten in Arbeit, das klären soll, ob und wenn ja wie man Stehplätze nachträglich anbieten kann. Im Mai hatte der Arena-Aufsichtsrat, getragen von einem Ratsbeschluss, dieses Gutachten in Auftrag gegeben. Im September/Oktober rechnet Arena-Chef Jörg Mitze mit dem Abschluss des Papiers.
Warum brauchte es so lange, ein solches Gutachten zu erstellen? Die Materie ist komplizierter, als es ein Laie ahnen kann. Nach Aussage verschiedener Fachleute ist es nämlich nicht damit getan, einfach Sitze zu demontieren, um Platz für stehende Fans zu schaffen.
Wo liegen die Probleme? Vor allem in der Statik. Sitzende Zuschauer bewegen sich kaum, stehende sehr wohl – oft sogar im selben Rhythmus. Das ist für Bauwerke extrem belastend. Arena-Chef Mitze erinnert daran, dass größere Militär-Einheiten auf Brücken nicht im Gleichschritt marschieren dürfen, weil die sich aufbauenden Schwingungen das Bauwerk vernichten könnten.
Das wäre bei der Arena ähnlich. Was kann man tun? Die Statik der in Frage kommenden Bereiche muss zuerst untersucht werden, ob die Betonwände und decken solchen Belastungen stand hielten. Wenn nicht, müssten Teile der Arena neu gebaut oder verstärkt werden.
War die Statik nicht von Anfang an auch auf solche Um- oder Ausbauten ausgelegt? Darüber gibt es widersprüchliche Aussagen. Die Fan-Beauftragten von Fortuna wollen damals, zur Eröffnung, von dem damaligen OB Joachim Erwin die Bestätigung bekommen haben, ein nachträgliches Einrichten von Stehplätzen sei ohne weiteres möglich. Das jedoch scheint nicht so zu sein.
Würden dann künftig bei allen Fußballspielen Stehplätze angeboten? Nein. Die Regeln des Fußball-Weltverbandes Fifa verbieten Stehplätze bei Länderspielen. Die Uefa gestattet bei CL- und Europaligaspielen nur Sitzplätze.
Also müsste man das variabel bauen? Ja. Man müsste Bereiche schaffen, wo das Gestühl zu demontieren ist, um Stehplätze zu schaffen. Außerdem wird die Arena ja auch für andere Veranstaltungen genutzt, bei denen keiner Stehplätze will.
Würde es nur einen großen Stehplatzbereich geben – mit 15.000 Plätzen? Wahrscheinlich nicht. Wenn, dann würde man zwei neue Bereiche einrichten, da man verfeindete Fan-Gruppen auf jeden Fall trennen will.
Reicht das Fluchtwegesystem aus? Nein. Durch Stehplätze würde sich die Zahl der Zuschauer nochmals um einige tausend steigern. Daran müsste sich auch ein modifiziertes Fluchtwegenetz orientieren. Außerdem müssten neue, so genannte Wellenbrecher installiert werden, um die Bewegung größerer Massen kontrollieren zu können.
Was würde ein Umbau kosten? In den ersten Planung war von etwa zehn Millionen Euro die Rede.
Wie ist das mengenmäßige Verhältnis von Stehplätzen zu Sitzplätzen? Experten rechnen, dass ein Sitzplatz Raum hat für zwei Stehplätze. Das hängt allerdings auch von der Gestaltung ab.
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