Praxis monatelang nicht erreichbar: Arzt von Arcor abgehängt
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 15.01.2008 - 08:35Düsseldorf (RPO). Weil er versucht hatte, den Telefonanbieter zu wechseln, war die Praxis von Christian Petersohn fast zwei Monate lang nicht erreichbar. Jetzt will er Schadenersatz für verlorene Zeit und Umsätze.
„Es ist für dich“, wirbt Telefonanbieter Arcor derzeit für seinen Service. Christian Petersohn kann dem nichts abgewinnen. „Nix für mich“, sagt der Oberkasseler Arzt, der wochenlang für seine Patienten nicht erreichbar war, weil er von der Telekom zu Arcor wechseln wollte.
Das Ansinnen klingt simpel: Seine analoge Telefonanlage, die in der Praxis vier Ärzte und 16 Mitarbeiter verbindet, sollte möglichst günstig ans ISDN-Netz, die Telefonnummer wollte er behalten. Im Sommer beantragte Telekom-Kunde Petersohn den Wechsel, bat aber, vorher einen Techniker zu schicken, der „prüft, ob unsere Anlage überhaupt mit ISDN funktioniert“.
Regelmäßig fragte Petersohn ab da bei der gebührenpflichtigen Hotline nach. Doch nichts geschah. Bis im Herbst die Mitteilung eintraf, sein Anschluss werde am 15. November umgeschaltet. Was der Arzt ohne vorherige Technikdiagnose keinesfalls wollte. Er telefonierte, schrieb eingeschrieben und per Fax - eine Antwort bekam er nie.
Sogar an die Telekom wandte er sich, bei der er ja gekündigt hatte, bat, dass man seine Nummer nicht an Arcor übergab. Und zunächst blieb die Leitung tatsächlich bestehen. Doch vom 29.November „ging in der Praxis die Zahl der Anrufe um die Hälfte zurück“. Kein Wunder: Wer aus dem Arcornetz oder vom Handy die Praxisnummer wählte, dem riet eine Computerstimme, die Auskunft anzurufen. Die natürlich die eben gewählte Nummer angab.
Nun wurde Petersohn sauer. „Ich schrieb an Arcor, dass ich als Arzt erreichbar sein muss, dass Verzögerungen meine Patienten gefährden - keine Reaktion.“ Angeblich, so wurde ihm im Call-Center erklärt, sei die „Rückübertragung der Telefonnummer“ problematisch.
Per Post informierte der Arzt Anfang Dezember 1500 Patienten über sein Dilemma, gab eine Ersatz-Telefonnummer an. Auch auf der Homepage erklärte er sein Arcor-Problem. Seit Ende voriger Woche funktioniert die alte Nummer wieder - trotzdem fürchtet der Arzt, etliche Patienten wegen Unerreichbarkeit verloren zu haben. Rund 2500 Euro an Arbeitszeit und Telefonkosten habe er in die Arcor-Verhandlungen gesteckt. Die will er nun, neben geschätzten Umsatzeinbußen von 25000 Euro und 1500 Euro Portokosten zurück. Seine Anwältin prüft eine Schadenersatzforderung an Arcor.
Arcor-Sprecher Jens Wagner bedauerte den Fall gestern. Allerdings sei „die Rufnummern-Übertragung zwischen unterschiedlichen Anbietern „ein sehr aufwändiger technischer Prozess“, bei dem es gelegentlich zu Schwierigkeiten komme. Wagner räumte aber ein, dass das technische Problem für die Kunden eigentlich keine Rolle spielen kann. „Wir haben das begriffen. Wir wollen uns nicht mehr nur über den Preis von Mitbewerbern unterscheiden, sondern uns auch mit unserem Service profilieren. Das ist unser Hauptthema im neuen Jahr.“
Christian Petersohn etwa hätte ein kundenorientierter Berater schon von Anfang an zu einem Business- statt einem Privatkundenvertrag geraten. Und natürlich seine Post beantwortet. Mit seinem Wechsel-Antrag war er anscheinend bloß ein Jahr zu früh.
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