Eisvögel, Turmfalken, Silberreiher: Auf dem Campus Tiere studieren
VON JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 11.11.2010 - 07:40Düsseldorf (RPO). Auf dem Unigelände leben weit mehr Tiere als nur Kaninchen, Tauben und Enten. Rund 80 Vogelarten gibt es insgesamt auf dem Areal. Neben Silberreiher wurden auch Eisvögel und Turmfalken gesichtet. Auch ein Fuchs fühlt sich im akademischen Umfeld wohl.
17 000 Studenten bevölkern den Campus der Heinrich-Heine-Universität, hinzu kommen noch 1700 Lehrende und 800 Mitarbeiter. Doch nicht ihnen alleine gehört das stadtteilgroße Areal im Süden von Düsseldorf: Keine zwei Kilometer von der Königsallee entfernt haben auch viele Tiere ihren Lebensraum. Neben bekannten Stadtbewohnern wie Enten und Tauben tummeln sich dort seltene Vögel und sogar Reptilien.
Um die zahlenmäßig größte Tierart beobachten zu können, empfiehlt sich die Dämmerung. Mit der hereinbrechenden Dunkelheit kommen die Wildkaninchen aus den Gebüschen und stürzen sich mit Vorliebe auf frisches Grün: Die wohl bekanntesten tierischen Bewohner des Campus sind somit auch der Alptraum eines jeden Botanikers. "Im Botanischen Garten sind sie ein großes Problem, weil sie viele Blüten abfressen", sagt Sabine Etges, Wissenschaftliche Leiterin des Botanischen Gartens. Die Population der Kaninchen schätzt sie auf mehrere Hundert.
Während Kaninchen nahezu auf dem kompletten Gelände zu finden sind, schätzen die meisten Tiere den grünen Osten und Süden der Uni rund um den Botanischen Garten. So wurde ein Fuchs in den Gebüschen nahe der Straßenbahnhaltestelle Uni Ost gesichtet. Im Sommer sind außerdem Eidechsen im Botanischen Garten zu sehen, die sich auf Steinen in der Sonne aufwärmen. Auch Rotwangenschildkröten leben in den Gewässern im Osten des Campus. Fortpflanzen konnten sie sich bisher jedoch nicht, sagt Sabine Etges. Vermutlich wurden die Tiere ausgesetzt. Genau davor warnt sie jedoch ausdrücklich: "Die meisten Reptilien werden nicht gefunden und verenden schließlich."
Ein Experte für Vögel auf dem Campus ist Jürgen Schumann, der sich seit fast drei Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigt. "Etwa 40 Brutvögel gibt es im Bereich der Universität", erzählt der Studienberater der Biologie und Hobbyornithologe. Im dicht besiedelten Stadtgebiet sind sonst lediglich 20 bis 25 Brutvögel die Regel. Zu den Tieren, die auf dem Unigelände ihr Nest bauen, zählen zum Beispiel der Zilpzalp, der Zaunkönig und der Grünspecht. Während sie dauerhaft auf dem Campus sind, kommen andere nur zu Besuch. Rund 80 Vogelarten wurden insgesamt auf dem Gelände gesehen. Zu ihnen gehört auch der Silberreiher sowie der seltene Eisvogel. "Er fühlt sich an dem wärmeren Kühlwasser nördlich des Botanischen Gartens wohl", sagt Schumann. Regelmäßig besuchen auch die grünen Sittiche aus dem nahen Südpark das Unigelände. "Sie sind seit Mitte der 1980er Jahre heimisch, nachdem sie erstmals in Köln und Wiesbaden gesichtet wurden", so der Hobbyornithologe.
Längst nicht alle Tiere sind auf dem Campus gerne gesehen. Die Biberratte verursachte zwei Jahre in Folge im Botanischen Garten erhebliche Schäden an Pflanzen. Seitdem ein Jäger damals den Tieren zu Leibe gerückt ist, scheinen sie das Gebiet zu meiden. Auch die Population der Straßentaube, deren Kot die Gebäude beschädigt, hat sich in den vergangenen Jahren verringert. Schumann vermutet, dass einige der Tiere dem Wanderfalken zum Opfer gefallen sind, der zu seinen Raubzügen auch das Unigelände aufsucht. Bei der Ratte übernimmt diese Arbeit der Mensch: Auf dem eng bebauten Campus finden sich seit Jahren festinstallierte Giftboxen. Dennoch gab es zuletzt im September eine Rattenplage im Innenhof eines Uni-Gebäudes.
Um die Vogelwelt des Campus kennenzulernen, sei besonders das Frühjahr reizvoll, erklärt Schumann. Zu dieser Zeit kommen die Vogelstimmen, zum Beispiel vom Zilpzalp, gut zur Geltung. Doch auch der nahende Winter habe seinen Reiz. Sperber und Star lassen sich dann besonders gut beobachten. In der kalten Jahreszeit ist auch die Sturmmöwe ein oft gesehener Gast. Das Tier zieht dann den Teich am Oeconomicum dem windigen Rhein vor.
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