Jörg Immendorff: Auf den Spuren des Künstlers
zuletzt aktualisiert: 29.03.2008 - 11:55Jörg Immendorff ist nun fast ein Jahr tot. In Düsseldorf diskutiert man immer noch über ein offizielles Gedenken. Aber auch so ist er allgegenwärtig. Dank seiner Affen-Figuren. Und demnächst wird es einen Kinofilm über ihn geben - der Titel: „Ich. Immendorff“.
Irgendwann in den letzten Monaten vor seinem Tod muss Jörg Immendorff entschieden haben: Er wolle kein Grab im üblichen Sinne. Sein Körper solle verbrannt, die Asche über dem Meer verstreut werden. So geschah es. Nach der Trauerfeier im großen und einer im kleinen Kreis erfüllte seine Witwe Oda Jaune (ihr Name auch ein von ihm geschaffenes Kunstwerk) ihm diesen Wunsch und ließ die Asche über dem Mittelmeer bei Süd-Frankreich vom Winde verwehen.
Immendorff wusste natürlich, dass er damit keineswegs spurlos verschwinden würde. Schließlich hinterlässt er ein riesiges, gewaltiges Werk. Dennoch ist er in seiner Heimatstadt Düsseldorf keinesfalls allgegenwärtig, aber es finden sich genug Spuren dieses Mannes, an dem sich zeitlebens die Geister schieden. Was er immer gefördert und sehr genossen hat.
Kurios dabei, dass heute ausgerechnet ein gastronomisches Phänomen seine Präsenz garantiert: Das Restaurant Monkey’s am südlichen Ende der Kö. Dort stehen die Affen-Figuren, die Immendorff schon vor Jahren zu treuen Begleitern seines Lebens machte. Sie lesen Zeitungen, gestikulieren, leisten Joseph Beuys Gesellschaft - kurz: sie sind optischer Mittelpunkt eines derzeit hoch angesagten Lokals. Wobei vermutlich die meisten Gäste von Immendorff keine Ahnung und vor allem keine Vorstellung haben, woher der Begriff Monkey’s (Monkey: englisch für Affe) überhaupt kommt.
Im Jahr 2003 kam Kunstberater (und Immendorff-Freund) Helge Achenbach auf die Idee, eine wüste Industriebrache im Hafen zur Bar zu machen und sie nach dem Affen zu benennen. Damals besaß Achenbach mehrere der Figuren, eine wurde zum Logo der Firma. Immendorff hatte nichts dagegen, ließ sich die Nutzung seines Tierchens vermutlich bezahlen (der Mann war durchaus geschäftstüchtig), besuchte die Insel bisweilen.
Die Halbinsel ist inzwischen wieder verwaist, Kräne haben dort begonnen, eine Baugrube für ein Hotel auszuschachten. Nun schmücken die Affen das In-Restaurant an der Kö - welches damit eine Art kulinarisches Denkmal für den vor knapp einem Jahr verstorbenen Künstler wurde.
In seinem Atelier arbeitet inzwischen seine Frau. Die ein paar hundert Quadratmeter große Halle im Obergeschoss eines früheren Industriebetriebes liegt zwischen Hauptbahnhof und Königsallee. Keine Gegend, in der Düsseldorfs feine Gesellschaft sich jemals aufgehalten hätte, wenn dort nicht der berühmte Immendorff gearbeitet hätte. Heute fährt dort manchmal Mick Flick vor. Der gut betuchte Sammler aus der ur-deutschen Stahldynastie, so heißt es, ist fasziniert von den düsteren Werken der strahlend schönen und jungen Immendorff-Witwe.
Was sonst noch blieb? Abgesehen von seinen Werken, die es in den Museen, aber auch in privaten Häusern gibt, steht noch seine aus Hamburg mitgebrachte Hans-Albers-Figur vor dem Atelierhaus im Hafen, in dem Immendorff zuletzt Räume nutzte. Die Figur ist ein Souvenir aus Hamburg, wo sich Immendorff als Gastronom des „La Paloma“ im St-Pauli-Dunstkreis versuchte. Dieses Milieu faszinierte ihn. Aber Erfolg hatte er mit der Bar nicht - ebenso wenig wie mit dem Lokal in der Düsseldorfer Altstadt, das er einst an der Mühlenstraße mitbetrieb.
Die Stadt hat sich offiziell noch nicht geäußert, wie sie den Namen des Künstlers ehren will. Mindestens ein Jahr will man verstreichen lassen, bis eine öffentliche Diskussion angestoßen werden soll, heißt es im Rathaus. Vorschnelle Vorschläge, Plätze, oder Straßen nach Immendorff zu benennen, werden als pietätlos zurückgewiesen.
Zumal das Ansehen des Akademie-Professors zwiespältig ist. Viele werden und wollen nicht vergessen, dass er im Sommer 2003 mit Kokain erwischt und angeklagt wurde. Ein Fall wie eines seiner Bilder: Prall, skurril, für den Normalbürger mindestens verwirrend und verstörend. Denn bei Immendorff wurde nicht nur ein Tütchen mit Koks entdeckt. Die Kripo fand ihn, das Rauschgift und neun Prostituierte in einer Suite eines Düsseldorfer Luxus-Hotels. Wie ein Happening, sorgfältig inszeniert, das Immendorff sicher gefallen hätte. Und das ihm neben Empörung auch feixende Anerkennung unterschiedlichster Kreise („Schau an, der Jörg!“) eintrug. Und wenig später natürlich auch einen von Medien-Rummel begleiteten Prozess, bei dem er, schon von seiner tödlichen Krankheit gezeichnet, mit einem milden Urteil auf Bewährung davon kam.
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