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Dirigent wurde vor 200 Jahren geboren: Auf den Spuren von Mendelssohn

VON WERNER SCHWERTER - zuletzt aktualisiert: 03.02.2009 - 08:02

Düsseldorf (RPO). Heute vor 200 Jahren wurde der Dirigent Felix Mendelssohn Bartholdy in Hamburg geboren. Mit Düsseldorf verbindet ihn eine ebenso anstrengende wie erfolgreiche Zeit. Sein Debüt geriet zum Skandal, doch das Publikum verzieh ihm schnell und feierte das Ausnahmetalent.

Eine biedermeierliche Provinzidylle, ein Städtchen von gerade mal 30 000 Seelen, wollte in der Kultur auftrumpfen: Düsseldorf im 19. Jahrhundert, in einer Übergangzeit zwischen feudalem Prunk und rasanter Industrialisierung. Seit einigen Jahrzehnten war der Glanz der einst kurfürstlichen Residenz erloschen. Das Bürgertum sah sich verpflichtet, selbst die Verantwortung für Theater und Musik zu übernehmen. Der Ehrgeiz war weitaus größer als die Mittel. Das Orchester bestand aus Laien, der Dirigent ärgerte sich über "die dummen Musici", denen er Prügeleien während der Proben ausdrücklich untersagen musste. Eine weitere seiner "Düsseldorfer Qualen" war eine Nachbarin, die täglich zwei Stunden Klavier übte.

"Düsseldorf geht spazieren"

Doch Felix Mendelssohn Bartholdy, heute vor 200 Jahren in Hamburg geboren, erlebte auch glückliche Tage am Rhein. So schrieb er in einem Brief vom 20. Juli 1834: "Aber heute ist Kirmes, das heißt, ganz Düsseldorf trinkt Wein. Nicht als ob's das nicht jeden anderen Tag auch täte, aber es geht spazieren dabei." Der junge Musikdirektor freute sich über Tanz, Puppenspiel, Tierschau und Waffeln auf der Kirmes, ging vorher mit befreundeten Malern aber noch im Rhein schwimmen.

Schon im November darauf verkrachte er sich mit dem Intendanten Karl Immermann, dem er Mittelmäßigkeit vorwarf, legte seine Arbeit nieder und erholte sich von ihr "wie von einer bösen Krankheit". Es folgte ein riesiger Karrieresprung: 1835 wurde Mendelssohn Bartholdy (die Schreibweise ohne Bindestrich, entsprechend seiner eigenen Signatur, setzte sich durch) mit der Leitung der Leipziger Gewandhauskonzerte betraut. Nachfolger in Düsseldorf wurden Julius Rietz, Ferdinand Hiller und ab 1850 Robert Schumann.

1833 hatte Mendelssohns Düsseldorfer Episode begonnen. Er, zuvor schon in London gefeiert, wurde mit 24 Jahren als Gastdirigent für die Niederrheinischen Musikfeste verpflichtet und erntete derartigen Jubel beim Publikum, dass man ihm den Posten des Düsseldorfer Musikdirektors anbot. Sein Debüt in Immermanns Theater am Marktplatz mit Mozarts "Don Juan" war zunächst ein Skandal, bei dem die Sänger vor lauter "Pfeifen, Trommeln und Brüllen" des Publikums untergingen und Mendelssohn, auch ein Hitzkopf, den Schreiern am liebsten den Stock an den Kopf geworfen hätte. Aber dann gewann er doch alle Herzen des schließlich andächtigen Auditoriums.

Auch nach seinem Abschied vom Amt trat er 1836, 1839 und 1842 mit dem Taktstock ans Pult der Festivalkonzerte, die übrigens im Gartensaal eines Wirtshauses an der heutigen Schadowstraße stattfanden. 1836 leitete er hier die Uraufführung seines Paulus-Oratoriums.

Rekonstruktion des Denkmals

Die Nazis tilgten den großen Romantiker wegen seiner jüdischen Abstammung von allen Spielplänen und schmolzen jenes Denkmal ein, das Düsseldorf ihm 1901 in einer Nische an der Fassade des Stadttheaters, heute Opernhaus, errichtet hatte. Das dort ebenso angebrachte Standbild Immermanns steht heute im Hofgarten, von Mendelssohns Monument blieb nur ein Gipsmodell im Stadtmuseum erhalten. Der ehemalige Kulturdezernent Bernd Dieckmann setzt sich nun für eine Rekonstruktion des Mendelssohn-Denkmals ein und sucht Sponsoren.

Im Foyer des Opernhauses steht eine Mendelssohn-Büste. Und mit den vier bronzenen Musiker-Köpfen an der Tonhalle, Stiftung von 2003 des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges, wird auch Mendelssohn geehrt. Einen großen Schatz von Briefen und Noten, aus eigenen Ankäufen und mit der Dauerleihgabe des Städtischen Musikvereins, hütet das Heinrich-Heine-Institut – mit vielen Querbezügen zum eigenen Namenspatron und zur Schumann-Sammlung. Mendelssohn hat Heine-Gedichte vertont ("Auf den Flügeln des Gesangs"), und von Clara Schumann stammt ein Ring mit einer Haarlocke Mendelssohns.

Quelle: RP

 
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