Toilettenreinigung: Aufregung ums Trinkgeld
VON JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 08.04.2009 - 08:36Düsseldorf (RPO). Reinigungskräfte von Toiletten bekommen die abgebenen Münzen nicht überall – so etwa in den Düsseldorf Arcaden. Die Centerleitung beruft sich auf den Tariflohn. Anders ist es zum Beispiel in den Schadow Arkaden.
Mit einem kleinen Teller sitzen sie vor den Eingängen von Toiletten von vielen Düsseldorfer Einkaufszentren, Kaufhäusern und Kneipen: Reinigungsfrauen, die sich um die Sauberkeit der Anlagen kümmern. Sind ihre Kunden mit der Arbeit zufrieden, hinterlassen sie einen kleinen Geldbetrag – meist in der Annahme, dass die Damen das Trinkgeld auch bekommen. Doch längst nicht immer ist das auch der Fall.
Zum Beispiel in den Düsseldorf Arcaden. Von den Münzen, die an den zwei Toilettenanlagen abgegeben werden, bekommen die Frauen nichts. Die Aufregung über dieses Vorgehen kann Centermanager Jochen Czub nicht nachvollziehen. "Der Dienstleister, den wir eingestellt haben, bezahlt seine Mitarbeiter nach Tariflohn", sagt er. Nach dem Lohntarifvertrag für die gewerblichen Beschäftigten in der Gebäudereinigung beträgt dieser mindestens 8,15 Euro pro Stunde. Der Kunde werde mit dem Vorgehen keinesfalls getäuscht, so Czub weiter: "Die Abgabe ist komplett freiwillig. Zudem steht ja nirgendwo geschrieben, dass die Frauen das Geld bekommen."
Eine Tafel anzubringen, um damit die Toilettenbesucher zu informieren, dass das Geld nicht an die Reinigungskräfte geht, hält er deswegen für unnötig. Stattdessen verweist er auf die Kosten, welche die Toilettenanlagen verursachen: Im Schnitt würden 40 Kubikmeter Wasser täglich durch die Toiletten und Waschbecken gespült. Ohne konkrete Zahlen zu nennen, weist Czub darauf hin, dass die Trinkgeldbeträge bei Toilettenanlagen in großen Einkaufszentren bei weitem nicht so hoch seien, wie man allgemein annehmen würde.
Ein anderes Lohnsystem wird in den Schadow Arkaden angewandt. "Die Damen bekommen von uns ein Grundgehalt und behalten das gesamte Trinkgeld", erklärt Centermanager Harald Feit. "Das ist auch dem Besucher gegenüber ehrlich." Dafür haben die beiden selbstständigen Reinigungskräfte eine lange Arbeitswoche: Von montags bis samstags arbeiten sie von 10 bis 20 Uhr – so lange, wie die Läden geöffnet haben. Hinzu kommen verkaufsoffene Sonntage.
Das angewandte Lohnmodell habe den Vorteil, dass die Reinigungskräfte sehr motiviert seien, so Feit. Gleichzeitig macht er deutlich, dass die Abgabe – empfohlen werden 30 Cent – absolut freiwillig ist. Seit anderthalb Jahren sorgen Ludmila Aguines und Irina Antonova für die Sauberkeit der Toiletten. "Die Leute geben das Trinkgeld gerne", glaubt Ludmila Aguines. In jüngster Zeit wurden beide häufiger von Besuchern darauf angesprochen, ob sie das Geld auch wirklich behalten dürfen.
Jahrelange Erfahrung als Reinigungsfrau hat auch Harriet Bruce-Annan gesammelt. Sie arbeitete tagsüber als Reinigungskraft bei der Messe, abends saß sie vor den Toiletten in Kneipen an der Bolkerstraße oder im "Goldenen Einhorn" an der Ratinger Straße. Mit einem Teil ihres Lohns gründete sie den Verein "African Angel", mit dem sie in ihrer westafrikanischen Heimat Ghana bedürftige Kinder unterstützt. Jetzt arbeitet sie nur noch hin und wieder im "Goldenen Einhorn".
"Wie viel Trinkgeld es gibt, ist stark tagesabhängig", sagt Bruce-Annan. An manchen Tagen unter der Woche kamen nur zehn Euro zusammen, manchmal gaben einzelne Besucher hingegen sogar einen 50- oder 100 Euro-Schein.
Ein fester Stundenlohn ohne Trinkgeld habe zumindest den Vorteil, weniger abhängig von den Schwankungen zu sein. "Ich war dankbar, dass ich überhaupt arbeiten konnte", sagt Harriet Bruce-Annan.
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