Firmenrückzüge: Aus für Bürklin und DHL
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 01.03.2009 - 10:41Düsseldorf (RPO). Die Krise ist überall. Doch während große Marken wie Märklin und Schiesser medienwirksam Insolvenz anmelden, gehen viele Arbeitsplätze vor Ort im Stillen verloren. Ein Blick auf zwei Firmen-Rückzüge auf engstem Raum in Lierenfeld und Eller.
Horst Mocht* will nicht jammern, wie er sagt. „Viele teilen mein Schicksal, aber die Methode, wie alles zu Ende gegangen ist, die ärgert mich unheimlich.“ Seit Jahrzehnten arbeitet Mocht bei Bürklin, einem Elektronik-Großhandel mit Stammsitz in München, dessen Düsseldorfer Niederlassung vor fünf Jahren vom Wehrhahn auf den Höherweg zog.
Am 3. Februar kam dann, „aus dem Nichts“, wie Mocht sagt, der Schock: Auf einer Betriebsversammlung wurde den 86 Angestellten mitgeteilt, dass zum Monatsende Schluss ist - also heute. Das Unternehmen selbst verweist auf „die wirtschaftliche Entwicklung und die Veränderung der Märkte“, die eine Konzentration am Stammsitz erforderlich machten. „Moderne Kommunikationsmittel, die Servicebereitschaft der Paketdienste und die Internetpräsenz hat dazu geführt, dass diese Niederlassung vor Ort an Bedeutung verloren hat“, sagt Ralph Bürklin.
Phase der Unsicherheit
Mocht hingegen bemängelt das „Vorgaukeln einer heilen Welt in Verbindung mit einer Hauruck-Methode“: „Wir haben nichts geahnt. Es ging sicher so schnell, um zu verhindern, dass sich noch ein Betriebsrat gründet. Die wollten einfach nur dichtmachen.“ In der Tat wurde bei Bürklin noch im November Weihnachtsgeld gezahlt, im August erhielten die Mitarbeiter eine Gewinnbeteiligung. Um die Phase der Unsicherheit am Markt möglichst kurz zu halten, habe man mit der Schließung eine schon länger anstehende Entscheidung getroffen, „die wir als Familienunternehmen kurzfristig umsetzen konnten und wollten“, sagt Ralph Bürklin.
Von der Transfergesellschaft, die Bürklin beauftragt hat und die schon „tags darauf“ im Betrieb erschienen sei, werde er sich nicht übernehmen lassen, sagt Mocht. Bis zu zwölf Monate können die Angestellten dort Kurzarbeitergeld erhalten, das von Bürklin bis auf 80Prozent des letzten Nettogehalts aufgestockt werde. „Ich habe wegen meines Alters so oder so keine Chance mehr, irgendwo lukrativ unterzukommen.“ Er ziehe stattdessen rechtliche Schritte in Betracht - deutliches Zeichen dafür, wie eine an sich nicht ungewöhnliche Firmenschließung in Zeiten der Krise hohe Wellen schlagen kann.
Nur 3,3 Kilometer entfernt, am Dillenburger Weg, zittert Elke Schmielke* seit Jahresbeginn um ihren Job. „Anfang Januar kam ein Anruf vom Betriebsrat, dass wohl Ende Juni Schluss sein soll“, sagt die 56-Jährige. „Wenigstens kam es nicht total überraschend, es hatte schon 2008 gekriselt.“
Laut Post-Sprecher Friedrich Buttgereit dauerten die Verhandlungen um das Personal momentan noch an. „Es ist alles offen. Da jedes weitere Wort die Verhandlungen beeinflussen würde, gibt es von uns dazu derzeit kein ausführlicheres Statement.“ Seit vielen Jahren bereits arbeitet Schmielke in Eller, zunächst für das Karstadt-Versandlager. Als dieses dann 2005 von DHL Solutions Fashion übernommen wurde, wurde diese Zeit mit auf ihre Betriebszugehörigkeit angerechnet. „Vielleicht kann eine Handvoll der 40Angestellten in die Essener Zentrale wechseln, das steht noch nicht fest“, sagt Schmielke. Doch selbst wenn sie eine dieser Glücklichen sein sollte, rechnet die Teilzeit-Kraft mit „mehr Spritkosten als Einnahmen“: „61 Kilometer hin und 61 zurück, da bliebe nicht viel übrig.“
*Namen auf Wunsch geändert
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