Kassen wollten nicht zahlen: Aus für Schweinegrippe-Zentrum
VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 14.08.2009 - 07:18Düsseldorf (RPO). Die geplante Abstrich-Praxis im alten Benrather Krankenhaus wird nicht eingerichtet. Das Projekt scheitert an den Kosten, weil die Krankenkassen nicht für die zusätzliche Arbeit der Ärzte zahlen wollen. Ein Rückschlag für das Gesundheitsamt und eine weitere Belastung für die Uniklinik.
Das alte Benrather Krankenhaus ist die offizielle Quarantäne-Station der Landeshauptstadt und sollte die Anlaufstelle für alle Bürger mit Schweinegrippe-Verdacht werden. Rund 20 Düsseldorfer Hausärzte hatten sich bereiterklärt, dort Abstriche von den Patienten zu nehmen.
Nun ist das Vorhaben gescheitert, weil die Ärzte für ihren Einsatz kein Geld bekommen sollen. "Dann wird es keine ausgelagerte Praxis der niedergelassenen Ärzte für Schweinegrippe-Tests geben", erklärte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein gestern nach Abschluss der Verhandlungen mit den Krankenkassen.
Hintergrund sind die so genannten Regelleistungsvolumen, wonach ein Arzt nur eine bestimmte Anzahl von Patienten pro Quartal abrechnen kann. Das Volumen bemisst sich jeweils am gleichen Quartal des Vorjahres. Deshalb hätte jeder Arzt, der in Benrath zig Patienten zusätzlich versorgt, diese nicht abrechnen können. "Die Kassen haben entschieden, dass sie kein zusätzliches Geld ausgeben wollen", sagt Ralph Eisenstein von der Kreisstelle Düsseldorf der KV Nordrhein.
Alle Bürger mit Verdacht auf Schweinegrippe müssen nun wie im Rest der Republik für einen Abstrich zum Hausarzt oder in die Klinik. "Das macht die Sache sowohl für die Bürger als auch für die Ärzte schwerer", kritisiert Heiko Schneitler, Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes. Er befürchtet, dass vermehrt Patienten unwissentlich ihren Arzt aufsuchen, eine halbe Stunde im Wartezimmer sitzen und möglicherweise auch Personal infizieren, so dass die Praxis für sieben Tage geschlossen werden muss.
Auch Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Infektiologie an der Uniklinik Düsseldorf, hält die Entscheidung für einen Rückschlag. "Das ist alles ausgesprochen unglücklich", sagt er. Düsseldorf sei bislang ein Vorreiter bei der Bekämpfung der Schweinegrippe gewesen. Nach dem Aus für Benrath sieht er nun weitere Belastungen auf die Uniklinik zukommen. Diese trägt bislang die Hauptlast, wenn es um die Analyse der Abstriche geht. Rund 150 der aufwändigen Tests nehmen die Mitarbeiter täglich vor. Denn Hausärzte können nur die Abstriche vornehmen und schicken diese ins Labor. "Wir springen hier in die Bresche und haben bislang auch noch kein Geld bekommen", kritisiert Häussinger. Für alle Schweinegrippe-Tests seit April dieses Jahres sei die Uniklinik in Vorleistung gegangen. "Da sind enorme Summen zusammengekommen", beklagt der Infektiologe und hofft, dass die Stadt einen Teil der Kosten übernimmt.
Das Gesundheitsamt will derweil seine Mitarbeiter im alten Benrather Krankenhaus belassen. Ein Arzt, eine Helferin und eine Verwaltungsmitarbeiterin untersuchen dort die Mitarbeiter aus Kindertagesstätten und städtische Angestellte, die aus Urlaubsregionen zurückkehren, in denen das Virus verbreitet ist. Eine Vorsichtsmaßnahme, die es für alle Bürger hätte geben können.
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