Serie: Düsseldorfer im Ausland: Aus Liebe nach Budapest
VON MAIKE SCHULTE - zuletzt aktualisiert: 04.07.2007 - 17:26Ungarn ist mehr als Gulasch, Puszta oder Plattensee. Davon hat sich Jan Jansen überzeugt. Seit Oktober lebt der ausgebildete Redakteur aus Düsseldorf in der Hauptstadt Budapest. „Der Grund ist knapp 1,65 Meter groß, hat lange braune Haare, kommt aus Budapest und ist jetzt meine Ehefrau“, erzählt der begeisterte Neu-Ungar, für den Deutschland erstmal in weite Ferne gerückt ist.
Die Entscheidung, gen Osten zu ziehen, fiel ihm nicht schwer, seinen Job und das gewohnte Umfeld aufzugeben, jedoch schon. „Aber es ist ausgleichende Gerechtigkeit, da wir vorher fast drei Jahre in Düsseldorf gelebt hatten. Da hat meine Frau Kati jetzt ein Recht auf Heimat.“, sagt er.
Budapest war für ihn keine unbekannte Stadt. Schließlich lebt die gesamte „Schwiegerfamilie“ dort. Hier arbeitet er nun in der Personalabteilung von IBM und fühlt sich rundum wohl. „Budapest ist faszinierend, so schön wie Wien, aber nicht so kitschig. Vor allem leben unglaublich viele junge Leute hier“, schwärmt er.
"Keine gefönten Selbstdarsteller"
Auch die Ungarn haben es ihm angetan. Der gebürtige Krefelder schätzt vor allem ihren Hang zu Sarkasmus und Selbstironie. „In der Geschichte hat Ungarn immer verloren, das hat dazu geführt, dass man schon mal vorbeugend über sich selbst lacht“, so seine Erklärung für diesen Charakterzug. Auch die Ehrlichkeit und Emotionalität der Menschen gefällt ihm. Dass sich Autofahrer auf offener Straße wüst beschimpfen, wieder einsteigen und einfach weiterfahren, gilt als völlig normal. „Bei uns gibt’s mehr gefönte Selbstdarsteller“, meint er.
Deutsche gelten in Ungarn dagegen als langweilig. „Ich glaube, zurecht“, räumt er ein, „die meisten haben Angst, sich zu blamieren und wollen immer perfekt sein. Deshalb kauft man unsere Autos, aber man will nicht unbedingt mit uns feiern.“ Folglich ist er ganz froh, zu den kontaktfreudigeren Rheinländern zu zählen und bei den Kollegen nicht als typischer Deutscher zu gelten. „Und das ist - leider - als Kompliment gemeint“, stellt er fest.
Brot mit Etikette
Doch auch die Ungarn haben seiner Erfahrung nach so ihre Macken. Vor allem muffeliger Service und fehlender Gemeinsinn stören ihn. „Durch die lange Diktatur hat sich die Mentalität entwickelt, erst mal nur für sich und sein enges Umfeld zu sorgen“, meint er. Am meisten nervt aber ein bizarres Detail im Alltag. Ungarn kleben Preisetiketten auch aufs Brot, vor dem Essen muss also erst mal geschnippelt werden. „Vollkommen sinnlos“, so sein Kommentar.
Dennoch: An Deutschland vermisst der Rheinländer nicht viel, auch wenn es sich dort seiner Meinung nach gut leben lässt. „Aber es stört mich, dass man bei uns in einem Gespräch spätestens mit der dritten Frage immer wissen will, wie teuer etwas war.“
Sein Fazit: Ein Auslandsaufenthalt lohnt in jedem Fall. Doch bei aller Begeisterung bleibt er auf dem Boden der Tatsachen. Sein Credo: Erst erscheint alles toll und faszinierend, nach ein paar Monaten denkt man: Zu Hause ist alles besser. Und am Ende arrangiert man sich mit den Unterschieden und weiß, dass man nicht alles haben kann.
Ganz schön weise.
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