Serie - Medizinstandort Düsseldorf (16): Aus Sorge um das Ungeborene
VON DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 23.05.2009 - 11:57Düsseldorf (RPO). Jede Woche stellen wir besondere medizinische Leistungen privater Kliniken, großer Gemeinschaftspraxen oder anderer Dienstleister im Gesundheitssystem der Landeshauptstadt vor. Heute: die Praxisgemeinschaft für Pränataldiagnostik, praenatal.de, an der Graf-Adolf-Straße.
Eigentlich sind Ringelröteln eine relativ harmlose Erkrankung, die bisweilen von den Patienten nicht einmal bemerkt wird. Mirka Junghans aber war in der elften Woche schwanger, als sie sich im Kindergarten ihrer Tochter mit der Viruskrankheit infizierte. Und für Ungeborene kann das Virus schlimme Folgen haben. Anders als bei Röteln sind zwar keine Fehlbildungen zu befürchten. Doch kann sich das Virus im Knochenmark und in der Leber des Fötus' festsetzen und die Bildung roter Blutkörperchen verhindern. Die Folge: Blutarmut.
"Etwa die Hälfte der ungeborenen Kinder infiziert sich bei ihrer Mutter" sagt Peter Kozlowski, Pränataldiagnostiker der Praxis Praenatal.de an der Graf-Adolf-Straße. "Bei zehn bis 15 Prozent kommt es zu schwerwiegenden Folgen." Da dem Kind aber geholfen werden kann, sollte die Schwangere sich einer engmaschigen Kontrolle unterziehen: bis zehn Wochen nach der Infektion alle acht bis zehn Tage.
Blutarmut diagnostizieren
Mirka Junghans (32) kam dafür in die Praxis für Pränataldiagnostik, wo Peter Kozlowski und seine Kollegen mit Hilfe von Doppler-Sonographie prüfen, ob der kleine Sohn der Familie Junghans' unter Blutarmut leidet. Bei der Doppler-Sonographie, einer speziellen Ultraschall-Untersuchung, können die Mediziner die Geschwindigkeit des Blutes in den Arterien und Venen messen. "Fließt das Blut zu schnell, ist das ein Indiz für eine Erkrankung", so Kozlowski. Dann sorgen die Mediziner für eine Bluttransfusion für das Ungeborene durch die Nabelschnurvene. Doch Mirka Junghans hatte Glück: Der Kleine erkrankte nicht.
Nicht bei allen Schwangeren geht es so glimpflich ab: Immerhin acht bis zehn Prozent der etwa 15 000 Frauen, die im Jahr bei Praenatal.de untersucht werden, bekommen eine negative Diagnose. "Dass die Zahl so hoch ist, liegt natürlich daran, dass es eine Vorselektion gibt", sagt Pränataldiagnostikerin Susanne Fröhlich. "Die Frauen, die zu uns kommen, sind von ihrem Gynäkologen geschickt worden, der etwas Auffälliges festgestellt hat, sie haben eine Erbkrankheit oder Behinderung in der Familie, sind älter als 35 Jahre oder erwarten Mehrlinge."
Für die Mediziner selbst ist es nicht immer leicht, den werdenden Müttern und Vätern einen auffälligen Befund mitzuteilen. "Wir sind froh, dass wir die Kooperation mit der psychosozialen Beratungsstelle von Donum Vitae haben", sagt Peter Kozlowski. So bleibe keine Frau, keine Familie allein mit der Entscheidung, wie es weitergeht mit dem kranken Kind – und dabei geht es nicht etwa nur um Abtreibung, sondern auch darum, wie man den Alltag mit einem möglicherweise behinderten Kind managt.
Zu den häufigsten Probleme, die die Pränataldiagnostiker feststellen, zählen Herzfehler, Gehirn- und Rückenmarksprobleme sowie Harnwegsstörungen. Viele der Probleme sind jedoch, und zwar noch im Bauch der Mutter, behandelbar. Harnwegsstörungen beheben die Ärzte bei Praenatal.de selbst, für andere Probleme haben sie ein weites Netzwerk von Kinderchirurgen und -herzchirurgen.
Enge Kooperationen hat die Praxis mit der Kinderklinik in St. Augustin und dem Düsseldorfer EVK, aber auch mit der Uniklinik und dem Florence-Nightingale-Krankenhaus arbeiten die Pränataldiagnostiker eng zusammen. "Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten", sagt Peter Kozlowski, der die Praxis 1991 gegründet hat. "Wir ergänzen vielmehr als Spezialisten deren Betreuung." Seine Kollegin Susanne Fröhlich ergänzt: "Aber eines muss man bei aller Sorge um die Ungeborenen noch mal betonen: Die meisten Kinder kommen gesund zur Welt."
Ende Mit dieser Folge schließt die Serie.
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