14. Altstadtherbst lockt 18 Tage lang mit buntem Kulturprogramm: „Außergewöhnliches, Neues und Experimentelles“
zuletzt aktualisiert: 03.09.2004 - 16:15Düsseldorf (dto). Chansons von Jacques Brel, Alphornklänge, schwedischer Avantgarde-Zirkus, Londoner Varieté-Kult, französische Hip-Hop Stars, Swing-Highlights und Akkordeon-Spektakel – der Herbst wird bunt und aufregend. Der 14. Altstadtherbst lockt an 18 Tagen mit 60 unkonventionellen Kultur-Events in die Stadt. Und da gibt es viel zu entdecken.
Unter dem Motto„Außergewöhnliches, Neues und Experimentelles“ stehen neben den „Wiederholungstätern“ in den Reihen der Künstler insgesamt sieben Premieren auf dem Programm. Zirkusreife Akrobatik, nämlich die am Akkordeon, zeigt Kimmo Pohjonen, der Tasten- und Knöpfe-Derwisch mit der Deutschlandpremiere seines neuen Soloprogramms „Animator“, der zum zweiten Mal zum altstadtherbst erwartet wird. Und auch ihn konnte das Festivalmanagement in diesem Jahr erneut gewinnen: Dominique Horwitz singt dieses Mal Lieder Jacques Brels.
Die schwedischen Artisten des Cirkus Cirkör liefern die erste Uraufführung zum Auftakt des Festivals: In ihrem Programm „99% Unknown“ setzen sie das Innere des Menschen in Beziehung zur Außenwelt. Was passiert, wenn ich mich verliebe, wütend werde oder traurig bin? Diesen Fragen nähern sich die jungen Zirkus-Avantgardisten akrobatisch, musikalisch und poetisch. Im Zirkus zu Hause sind auch die Londoner Kult-Band und die Varietè-Künstler des Tiger Lillies Circus, die spätestens mit ihrer Zirkusmusik zu „Shockheaded Peter“ zum Kultobjekt wurde. Eine weitere Premiere führt das Publikum in die Welt der Straßenkinder: Unterlegt mit einer ausgefeilten Mischung aus moderner klassischer Musik und Hip Hop Elementen, eingebettet in rasante Gruppen-Choreografien, erzählen Black Blanc Beur in ihrem neuen Stück „Si Je t’M“ Beziehungs-Geschichten.
Von den Bergen auf die See
Geographisch bietet das Festival die Wahl zwischen den Schweizer Bergen und der See: Zuerst eine Springflut für zwei Orchester: das neue Werk Waves des englischen Komponisten Howard Skempton. Die Musiker des altstadtherbst orchesters treffen für diese Uraufführung auf die Jazz-Improvisatoren der Adam Noidlt Missiles. Es folgt die Melancholie der letzten Klänge eines sinkenden Schiffs: Im Zentrum von The Sinking Of The Titanic von Gavin Bryars steht Autumn, ein Hymnus, den die Musiker spielten, bis die Wogen über ihnen zusammenschlugen. Nach dem Meer auf die Alm: Mit „igloo“ präsentiert das Schweizer Duo stimmhorn & kold electronics eine Deutschlandpremiere multi-instrumentaler Grooves, die sich zwischen den Klängen ihrer Heimat, Jazz-Zitaten und Melodiewolken neuartiger Sounds bewegen.
Meditativ geht es beim Düsseldorfer Pianisten Tobias Koch zu, der sich einen lang gehegten Traum verwirklicht: Er spielt ein Konzert mit 69 Variationen und Ohrwurmqualität – die Beethoven’schen 33 Diabelli-Variationen und 36 Variationen des Zeitgenossen Frederic Rzewski über ein chilenisches Volkslied. Geduld braucht man auch für die „Musik der Stille“ des englischen Komponisten Morton Feldman. Das Streichquartett erklingt rund fünf Stunden lang.
Aber damit nicht genug: Minimal Music von Steve Reich, die Pariser Musik-Vagabunden Bratsch, die Uraufführung eines Werkes des Düsseldorfer Komponisten Oskar Gottlieb Blarr, Kirchenkonzerte, Orgelnächte, Lesungen, DJs und Drinks runden die „schönste Düsseldorfer Jahreszeit“ ab, zu der bis Anfang Oktober wieder rund 20 000 Gäste erwartet werden.
Am letzten Tag erklingt noch ein Highlight: Portraits of Benny Goodman lässt die drei wichtigsten musikalischen Bestandteile des „King of Swing“ Revue passieren: Neben dem Klarinettenquintett von Mozart sind Klezmer-Klänge und Glanzlichter des Swing zu hören. Gemeinsam mit dem isländischen Streichquartett Red Urg 4, dem Klezmer-Trio sowie dem King of Swing Orchestra will Schweizer Klarinettist Claudio Puntin Klassik- und Jazzfans gleichermaßen begeistern.
Info:
Mit der FestivalCard zum Preis von 29 Euro erhalten Besucher 30 Prozent Ermäßigung auf jede Eintrittskarte. Für das junge Publikum gibt es das U24-Special: Restkarten an der Abendkasse zu 5 Euro für alle Besucher unter 24 Jahren.
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