Vertragsbruch: Bahn-Verkauf droht zu platzen
VON JÖRN TÜFFERS - zuletzt aktualisiert: 26.09.2009 - 11:36Düsseldorf (RPO). Für rund 1,5 Millionen Euro will die Rheinbahn ausgemusterte Züge ins polnische Krakau verkaufen. Ein Zwischenhändler spricht von Vertragsbruch: Die Bahnen seien ihm für den Verkauf nach Posen zugesichert worden.
Die Rheinbahn hat Ärger wegen des geplanten Verkaufs von 29 auszurangierenden Straßenbahnen ins polnische Krakau. Ein Zwischenhändler in Salzgitter reklamiert ein Vorkaufsrecht auf die Züge und erwägt rechtliche Schritte gegen das Verkehrsunternehmen. Der Besuch einer Rheinbahn-Delegation in der kommenden Woche in Polen ist abgesagt worden. Nach RP-Informationen sollten rund 20Rheinbahner dorthin fliegen. Der Verkauf der Bahnen soll 1,5Millionen Euro einbringen.
Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher wollte diese Summe nicht bestätigen. Seinen Angaben zufolge ist die Krakau-Fahrt abgesagt worden, weil Mitarbeiter wegen anderer Projekte unabkömmlich seien. Überhaupt sei geplant gewesen, dass „höchstens sieben“ nach Polen fahren. Siegfried E.Moroschan, Geschäftsführer der SIM Industrietechnik GmbH in Salzgitter, wirft der Rheinbahn vor, sie breche Vereinbarungen.
Alte Bahnen
1971 hat die Rheinbahn 28 Zweirichtungs-Achtachser bestellt. Sie wurden 1974/1975 bei der Duewag gebaut. Sie tragen die Typbezeichnung GT 8S und sind rot-weiß lackiert.
In den 60er Jahren wurden die gelben Bahnen gebaut. Auch sie sollen durch moderne Züge abgelöst werden.
Schon vor Jahren sei SIM zugesichert worden, dass sie 55 in den 1960ern und 1970ern gebaute Stadtbahnen kaufen könne, sobald diese in Düsseldorf nicht mehr benötigt würden. Darauf habe die Firma sich verlassen, schließlich mache SIM seit 1993 Geschäfte mit der Rheinbahn. Für mehr als 100ausgemusterte Bahnen habe das Unternehmen aus Salzgitter einen Abnehmer gefunden. Unter anderem in Polen - in Posen verkehren bereits seit Mitte der 90er Jahre 60 nicht mehr benötigte Bahnen.
Krakauer Delegation in Düsseldorf
Posen und auch Warschau haben schon vor Jahren Interesse an weiteren Düsseldorfer Bahnen angemeldet. Sie hielten auch dran fest, als klar wurde, dass die Rheinbahn die rot-weißen und auch die älteren gelben Bahnen noch benötigt. Sie ersetzen noch Züge aus der Silberpfeil-Baureihe, die von Siemens wegen Rissen in der Karosserie saniert werden.
Beim Unternehmen in Salzgitter war man schon stutzig geworden, als im August bekannt geworden war, dass Krakau eine jener Bahnen gekauft hatte, die SIM ursprünglich kaufen wollte. Zuvor war im Frühjahr eine Delegation aus Krakau in Düsseldorf gewesen - und zeigte sich begeistert von den Fahrzeugen der Rheinbahn-Flotte, die aussortiert werden sollen. Rheinbahn-Sprecher Schumacher sagt, man sei zuversichtlich, die Ausschreibung für die übrigen Züge zu gewinnen.
Beobachter halten es für ungewiss, ob das Düsseldorfer Verkehrsunternehmen wegen des Anspruchs aus Salzgitter/Posen/Warschau daran festhält. Vorstandsvorsitzender Dirk Biesenbach habe die Fahrt nach Krakau auch deshalb abgesagt, weil sich die SIM auf Zusagen eines Rheinbahn-Abteilungsleiters berufe. Dieser sei ihr Ansprechpartner in der Technik bei sämtlichen Transaktionen gewesen, auch beim geplanten Posen/Warschau-Geschäft.
Es gebe Zusagen und einen Schriftverkehr. Davon will man bei der Rheinbahn nichts wissen. Er kenne keine Verträge mit SIM Industrietechnik, sagt Schumacher. Deshalb zweifle er daran, dass eine Schadenersatzklage Aussicht auf Erfolg habe.
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