auf dem Weg zu einem besseren Deutsch: Bastian Sick - nur drei minus
VON CLAUS CLEMENS - zuletzt aktualisiert: 02.04.2007 - 08:37Düsseldorf (RPO). Der Entertainer führte sein Publikum im Schauspielhaus durch den Irrgarten der Sprache. Doch nicht jeder Hinweis war witzig. Es gab Durststrecken auf dem Weg zu einem besseren Deutsch.
Das Staunen muss erlaubt sein. Darüber, dass in Zeiten des Pisa-Desasters die Menschen zu Tausenden in große Säle strömen, um sich an den Gespreiztheiten ihrer eigenen Sprache zu erfreuen. Auch darüber, dass eine eher spröde und besserwisserische Materie zur gehobenen Unterhaltung taugt. Der Berichterstatter eines Abends mit Bastian Sick im Schauspielhaus ist jedenfalls vorgewarnt: genau hinsehen beim eigenen Text. Kontrolle mit dem „Word“-Rechtschreibprogramm reicht nicht.
Zumal sich der Massenwegweiser „durch den Irrgarten der deutschen Sprache“ schon im Untertitel konservativ gibt: „Die große Bastian Sick Schau“. Also keine Show? Bedeuten „Show” und „Schau” überhaupt das Gleiche? Was hat die Tierschau im Zirkus, bei der man ein paar Kamele im Stroh liegen sieht, etwa mit Thomas Gottschalks pompösem Star-Feuerwerk zu tun? Um es vorwegzunehmen: das Show-Urteil über den Entertainer Bastian Sick fällt, schulisch betrachtet, eher mäßig aus. Note befriedigend minus.
Und dies, obwohl der Beginn des zweieinhalbstündigen Abends nicht ohne Pfiff war. Von der Leinwand strahlte eine Stewardess, pardon: Flugbegleiterin, ins Publikum. Sie begrüßte ihre Gäste in der Boeing „Konrad Duden“ auf dem Flug von Syntax nach Deutschland, der Heimat der „Zwiebelfische“. Das ist eine Art Ungeziefer des guten Ausdrucks. Es befällt den ahnungslosen Muttersprachler, wenn nicht Bastian Sick das heilende Puder streut. Wohlige Empörung machte sich im großen Saal bei all den sprachlichen Entgleisungen breit, die unseren Alltag mit Unfug würzen. Etwa der falsche Gebrauch des Apostrophs: „vierte Abfahrt recht’s“. Oder die Perfektformen schwacher Verben: „Ich habe gewunken“. Das ist einfach falsch, wissen die meisten, und bereitwillig ließ sich der Saal in einem Fragespiel vorführen. Warum trifft sich die Bundeskanzlerin mit dem US-Präsident„en“? Weil der „ein schwaches männliches Substantiv“ ist. Jetzt zeigte man sich gewappnet für Sicks sprachliche Abschlussprüfung: Erscheint die Zeitschrift „vierzehntägig“ oder „vierzehntäglich“?
Weniger gewinnbringend waren die vielen Durststrecken des Programms. Unklare und fehlerhafte Durchsagen der Bahn oder die alten Witze über die richtige Präposition auf dem Weg zu Aldi sind einfach „dem Witz sein Tod“. Genauso die Zitate aus der Sportsprache. Warum sollte ein Fußballkommentator nicht sagen dürfen, dass Schweinsteiger den Ball mit dem Kopf „ins Tor gemacht hat“? Auch Sicks Ausflüge in die Welt des Spanischen, gedacht als Sprachvergnügen für Mallorca-Urlauber, gerieten schnell auf die falsche Spur. Hier hätte man dem Liebhaber deutscher Sprüche gern zugerufen: Schuster, bleib bei deinem Leisten.
Und dann noch ein Sick-Spruch zu seiner endlosen Fotoschau des fehlerstrotzenden deutschen Schilderwaldes: Ewig währt am längsten!
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