Großknast soll bis 2011 fertig werden: Baubeginn für das Gefängnis
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 16.10.2008 - 07:23Düsseldorf (RPO). Die Justizministerin stach auf Ratinger Gebiet den ersten Spaten in die Erde. Dennoch heißt der Neubau, in den 2011 etwa 850 Gefangene aus der Ulmer Höh’, aus Duisburg und Oberhausen verlegt werden sollen, Justizvollzugsanstalt Düsseldorf. Dafür werden sogar Eidechsen umgesiedelt.
Wenn es um Gefängnisse ging, stand NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) oft im Fokus der Kritik. Gestern, beim ersten Spatenstich für die neue Justizvollzugsanstalt (JVA) Düsseldorf, die an der Stadtgrenze auf Ratinger Gebiet entsteht, gab’s Lob von ungewohnter Seite: „Frau Müller-Piepenkötter hat als Fachfrau erkannt, wie wichtig der Ersatzbau für die Ulmer Höh’ in Düsseldorf ist, und darauf gedrängt, dass der Bau beginnt“, sagt Jürgen Gocht, für die Grünen im Gefängnisbeirat der Ulmer Höh’.
Dass die JVA nach wie vor den Zusatz Düsseldorf hat, worauf besonders Ratingens Stadtoberhaupt Harald Birkenkamp Wert gelegt hatte, stört Gocht und seinen Beiratskollegen, den CDU-Landtagsabgeordnete Olaf Lehne, nicht: „Wir hatten in Düsseldorf ja nichts gegen das Gefängnis, aber keinen geeigneten Platz“, betont Lehne. Und so gab es nach jahrelangem zähen Ringen gestern auf dem 25 000 Quadratmeter großen Areal jenseits der Brücke über die A 44 vor allem fröhliche Gesichter: Bernhard Lorenz, Leiter der heftig in die Jahre gekommenen Ulmer Höh’ und auch der neuen JVA, lobte das neue Konzept als wichtiges Signal für die Modernisierung der JVA, die in Düsseldorf „überfällig gewesen ist“, Birkenkamp zeigte sich zufrieden, weil sich das Land mit Ausgleichsflächen zur Gewerbe-Ansiedlung bedankt habe, und Müller-Piepenkötter freute sich über „eine der modernsten Haftanstalten Europas“ mit hohen Sicherheits-, aber auch Betreuungsstandards für diese „schwierige Klientel“.
Der Neubau Bis 2011 soll an der Oberhausener Straße für 120 Millionen Euro die neue JVA mit einer Hauptnutzfläche von 25 000 Quadratmetern entstehen. Es ist der Ersatzbau für die Düsseldorfer JVA sowie die ebenfalls sanierungsbedürftigen Anstalten Duisburg-Mitte und Oberhausen-Mitte. Die neue JVA soll bis zu 856 Häftlinge aus den Bereichen Untersuchungshaft und Strafvollzug aufnehmen.
Ausstattung Die Gefangenen werden überwiegend in Einzelzellen untergebracht, die mit zehn Quadratmetern größer sind als die in der Ulmer Höh’ (8 m2). Hinzu kommen 5000 Quadratmeter Werkstattfläche. „Das ist wichtig, damit die Gefangenen das geregelte Arbeitsleben lernen, was nach der Haft die Wiedereingliederung einfacher macht“, sagt JVA-Leiter Lorenz. Außerdem sind eine unterteilbare Sporthalle, ein Freizeitzentrum, eine Kapelle und ein „multireligiöser Raum“ vorgesehen.
Sicherheit Vor der Gefängnismauer wird ein so genannter Ordnungszaun errichtet, der verhindert, dass Unbefugte sich der Mauer nähern, und mit Kameras überwacht wird. Im Innenbereich wird parallel zur Mauer ein Sicherheitszaun aus Steckmetall errichtet. Dazwischen patrouilliert rund um die Uhr eine Fahrzeugstreife, die per Funk mit der Sicherheitszentrale verbunden ist. Die Außenfassade des Haftbereichs wird ständig mit Kameras überwacht, die mit Videosensorik ausgestattet sind und bei ungewöhnlichen Bewegungen Alarm geben. Zudem werden besonders sichere Materialien verwendet: ein besonderer Stahlbeton, Gitter aus spezialgehärtetem Manganstahl.
Zauneidechsen Bei Untersuchungen des Areals durch die Biologische Station Mittlere Wupper wurden etwa 70 dieser schützenswerten Tiere entdeckt. „Etwa die Hälfte habe ich bereits per Hand umsiedeln können“, sagt Moritz Schulze von der Biologischen Station. Der Rest sei bereits im Winterquartier verschwunden. Für sie wurden auf dem Baugelände eingezäunte Schutzzonen eingerichtet. „Im Frühjahr werde ich dann versuchen, auch sie bei einem See in der Nähe anzusiedeln“, so Schulze.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





