Sieben Anzeigen: Betrug im Flugangst-Zentrum?
VON UWE REIMANN - zuletzt aktualisiert: 21.01.2010 - 07:55Düsseldorf (RPO). Gegen den Leiter der Flugangst-Ambulanz, Marc-Roman Trautmann, laufen Betrugs-Verfahren. Der Airport und Seminarteilnehmer verlangen Geld. Er spricht von Missverständnissen. Im Sommer zieht die Firma nach Frankfurt.
Seit fast elf Jahren hilft Marc-Roman Trautmann Menschen, die Flugangst haben. In Seminaren und Sprechstunden gibt der 41-Jährige Tipps und Ratschläge gegen Angstschweiß, Herzrasen und Engegefühl. Natürlich gegen Bezahlung, denn Trautmann hat mit seinem Angebot in Halle 5 am Flughafen eine Marktnische gefunden.
Nun aber muss sich der Diplom-Psychologe gegen Betrugsvorwürfe wehren. Insgesamt sieben Anzeigen wegen Betruges liegen bei den Staatsanwaltschaften Düsseldorf und Mainz vor. Vorwurf: Trautmann soll sowohl mehreren Kunden, die im vergangenen Jahr ein Seminar gebucht hatten, als auch den Flughafen Düsseldorf als Vermieter seiner Büroräume geprellt haben.
Trautmann betritt gestern nachmittag alle Vorwürfe. "Ich bin total überrascht über die Anzeigen. Die ausstehenden Zahlungen an die Kunden sind durch eine Mitarbeiterin verschuldet worden, die die Auszahlungen verschlampt hat. Ich werde in den nächsten Tagen alles aufklären und die ausstehenden Zahlungen veranlassen", sagte Trautmann der Rheinischen Post.
Bis gestern konnte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf den 41-Jährigen nicht ausfindig machen. Deshalb hatte sie eine Fahndung veranlasst, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Christoph Kumpa. Gestern Morgen meldete sich Trautmann aus Spanien bei der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf. "Ich werde in den nächsten Tagen eine schriftliche Erklärung abgeben. Dann wird der Vorwurf des Betruges wohl ganz schnell entkräftet sein", sagte er.
Fakt ist: im vergangenen Jahr beschwerten sich mehrere Anrufer beim Flughafen Düsseldorf, das Deutsche Flugangst-Zentrum (DFAZ) habe mehrere gebuchte Seminare immer wieder abgesagt und auch auf mehrmalige Nachfrage das Geld (499 Euro pro Seminar und Teilnehmer) nicht an die Kunden zurück erstattet. Die Buchhalterin der DFAZ habe durch ihr schuldhaftes Verhalten die Probleme heraufbeschworen, sagt Trautmann. Sie sei inzwischen von den Aufgaben entbunden worden.
Der Flughafen selbst verlangt ebenfalls noch ausstehendes Geld. Das DFAZ sei mit mehreren Monaten Miete für seine Büroräume in Verzug, sagte Flughafen-Sprecher Christian Witt gestern. Im November vergangenen Jahres habe man Trautmann zum Jahresende gekündigt. Bis heute habe es keine Übergabe der Räume und der Schlüssel gegeben.
Das bestreitet Trautmann: "Ein für uns zuständiger Mitarbeiter des Flughafens hat unseren Auszug begleitet und sich bei mir sogar mit Handschlag verabschiedet", sagt Trautmann. Die Schlüssel werde er in den nächsten Tagen übergeben, da er vor einigen Tagen noch Restkartons aus den Räumen geholt habe. Jetzt firmiert sein Unternehmen unweit des Flughafens in Ratingen. Auch die seit zwei Jahren im Flughafen Palma de Mallorca untergebrachte Dependance der DFAZ werde weiter betrieben.
Doch das ist nach Angaben Trautmanns nur ein Übergangsstatus. Bis zum Sommer soll der Hauptsitz der DFAZ in Frankfurt liegen. "Dort sehe ich mit dem größten deutschen Flughafen größere wirtschaftliche Möglichkeiten", sagt er. Mit dem neuen Airbus 380, der dort landen wird, gebe es auch ein passendes Umfeld.
"Denn das Umfeld der Halle 5 in Düsseldorf ist sehr dunkel und trüb. Das ist für Menschen mit Flugangst nicht ideal und fördert nicht unsere Arbeit." Düsseldorf wird als Standort also aufgegeben. Die Beratung in der Flugangst-Ambulanz für schnelle und kurzfristige Hilfe soll aber weiter in Ratingen bestehen bleiben.
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