Düsseldorf: Bezirkspolitik gegen "Baumhaus"
VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 06.11.2010 - 15:33Düsseldorf (RPO). Die Bezirksvertretung 1 hat sich einmütig gegen die Pläne ausgesprochen, in Derendorf zwischen zwei Denkmäler ein Wohnhochhaus in Torform zu bauen. Für Petzinkas Architektur gab's Lob, kritisiert wurde der Platz.
Das "Baumhaus" des Architekten Karl-Heinz Petzinka lässt niemanden kalt: Die einen geraten ins Schwärmen bei dem 45 Meter hohen Wohn-/ Bürohochhaus, dessen Fassade Bäume zieren und das am Eingang (Ulmenstraße) auf das Gelände der früheren Ulanenkaserne gebaut werden soll.
Andere mögen die Architektur, wollen jedoch, dass das Gebäude freisteht und nicht zwischen Denkmälern. Und manche lehnen das ganze Konzept ab. All das spiegelte sich gestern in der Debatte der Bezirksvertretung (BV) 1 wider. Am Ende stimmten die Politiker zwar den übrigen Plänen für das fünf Hektar große Teilgelände der Kaserne geschlossen zu, lehnten aber fast ebenso einmütig das "Baumhaus" ab.
Ein Geschoss mehr
Dirk Baackmann von den städtischen Planern musste zunächst einen Fehler in der Vorlage korrigieren: Das "Baumhaus" werde nicht elf-, sondern zwölfgeschossig. An der Meinung der Bezirkspolitiker änderte das ohnehin nichts. "Ich finde das Haus toll, aber diese Stelle ist absolut ungeeignet", betonte Bezirksvorsteherin Sabine Schmidt (CDU) – wie bereits vor einer Woche. Ein Hochhaus brauche Raum. Und auch die Denkmäler, die "Verheirateten-Häuser", verdienten es nicht, dass etwas dazwischen gesetzt werde.
Schmidts Stellvertreter, Horst Gieseler (SPD), wies ausführlich darauf hin, dass im Verfahren für das gesamte Gelände in mühevoller Kleinarbeit und unter Einbeziehung von Bürgerinitiativen ein Kompromiss zwischen Neu und Alt vereinbart worden sei. "Die ,Verheirateten-Häuser', die freie Zufahrt dazwischen und die anschließende Baumallee wurden als besonders schützenswert festgelegt. Der jetzige Plan ist ein eklatanter Verstoß gegen den Denkmalschutz." Das sahen die meisten BV-Mitglieder genauso. Horst Jakobskrüger (FDP) schlug vor, das "Baumhaus" am anderen Ende des Areals, an der Ecke Roß-/ Johannstraße zu bauen.
Sein Parteifreund, Ratsherr Rainer Matheisen, sprach sich im Namen der FDP-Ratsfraktion hingegen für das Projekt in der geplanten Form aus: "Genau an der Stelle und in der Form ist es eine höchst spannende Sache." Freistehend sei es nur ein ganz normales Hochhaus. Es sei eine typisch deutsche Krankheit, "das geht nicht" zu sagen. Reinhard Schneider (parteilos) bezeichnete die Ablehnung als "kleinkariert". Stadtplaner Baackmann verwies auf den "Wolkenbügel" im Hafen. Der beweise, wie selbst innerhalb eines Denkmals Alt und Neu harmonisch vereint werden könne. Auch das Argument überzeugte die Bezirksvertreter nicht.
Ingrid Landau (Grüne) regte an, auf dem Gelände Einzelhandel einzuplanen. SPD-Ratsherr Matthias Herz, selbst Anwohner, bestätigte: "Es gibt einen riesigen Bedarf."
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