Studenten planen weitere Aktionen: Bildungsstreik geht in zweite Runde
VON STEFANIE WINKELNKEMPER - zuletzt aktualisiert: 27.11.2009 - 07:22Düsseldorf (RPO). Die Besetzer des Hörsaals 3D, der von der Polizei geräumt wurde, haben sich erneut getroffen. Sie planen weitere Aktionen. Das Rektorat der Heinrich-Heine-Universität will noch in diesem Wintersemester Änderungen für einzelne Studiengänge vorschlagen.
Zur verabredeten Zeit waren sie alle wieder da: der "Slomi", der "Sozi", die "Maggie" und alle anderen, die sieben Tage gemeinsam im Hörsaal 3D gehockt hatten. Insgesamt etwa 50 Studierende bilden den harten Kern des Düsseldorfer Bildungsstreiks. Tag und Nacht hielten sie einen Hörsaal der Universität besetzt – bis die Polizei sie am Mittwochmorgen vor die Tür setzte. Gestern Abend trafen sich die Studenten erstmals wieder, und sogar ein paar neue Gesichter waren gekommen.
"Studierende haben viel erreicht"
"Ich glaube nicht, dass der Polizeieinsatz jemanden abgeschreckt hat. Eher im Gegenteil", kommentiert Christoph Slominski. Die Gruppe traf sich im Fachhochschul-Gebäude der Sozialwissenschaften. Alle bildeten einen großen Stuhlkreis und diskutierten das weitere Vorgehen. So viel steht fest: Es soll eine Fortsetzung geben. Weitere Hörsaal-Besetzungen schließen die Streikenden nicht aus. Zunächst aber wollen sie Informationsveranstaltungen organisieren, um mehr Unterstützer zu finden. Damit geht der Streik in eine neue Runde.
Das Rektorat der Heine-Universität setzt eine Kommission zur Prüfung der Studiengänge ein.
Es unterstützt auch die Forderung der Studenten, dass mehr Geld in die Bildung fließen muss.
Außerdem hat Rektor Piper eine Studie in Auftrag gegeben, die die Berufsperspektiven heutiger Bachelor-Absolventen analysiert.
"Ich finde, die Studierenden haben viel erreicht, ungewöhnlich viel sogar", sagt Rektor Hans Michael Piper. Als ein Ergebnis des Protests traf er gestern mit allen Uni-Rektoren des Landes und Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart zusammen. Die Runde verabschiedete ein Memorandum. Dessen Ziel ist die Überprüfung der Bachelor- und Masterstudiengänge und eine bessere personelle Ausstattung.
Piper bestätigt diese Pläne für die Uni Düsseldorf. "Wir werden mit Hilfe der Studiengebühren in mehr Personal investieren", sagt er. Bislang waren die Mittel vor allem in die Ausstattung geflossen. Zudem hat Piper seinen Prorektor Ulrich von Alemann beauftragt, in den nächsten Wochen eine Kommission einzusetzen. "Ende des Wintersemesters wollen wir konkrete Verbesserungsvorschläge für einzelne Studiengänge haben", sagt er. Dank des Protests der Studierenden sei Schwung in das "Feintuning" der Studiengänge gekommen.
Laut Pinkwart soll aber auch geprüft werden, ob auf Anwesenheitspflichten in einigen Veranstaltungen verzichtet werden kann. "Das ist bei uns Aufgabe der Studiengangsleiter und Dekanate", sagt Piper. Auf keinen Fall antasten will er die Studiengebühren. "Meine Kollegen und ich sind uns einig, dass wir die Beiträge brauchen."
Die Abschaffung der Studiengebühren ist eine wesentliche Forderung der Studenten. Sie pochen außerdem auf mehr Mitbestimmungsrechte, kritisieren häufige Werbe-Aktionen auf dem Campus, den Einfluss des Hochschulrates und wollen selbstbestimmter studieren.
Bisheriger Höhepunkt der Proteste war die Räumung des Hörsaals 3D. Gegen neun Uhr kam die Polizei mit 18 Wagen zum Campus. Den Beamten bot sich ein buntes Bild mit rund 1500 Luftballons im Hörsaal, Konfetti und Luftschlangen. Nach einem erneuten Schlichtungsversuch von Piper trugen sie die Besetzer nach draußen. Eine Woche zuvor hatten Schüler die Mensa der Hulda-Pankok-Gesamtschule in Beschlag genommen.
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