Schauspielhaus mit Extra-Programm zur Fußball-WM: "Brot und Spiele"
VON MAIKE SCHULTE - zuletzt aktualisiert: 04.05.2005 - 18:44Düsseldorf (dto). An der Fußball-WM kommt auch das Schauspielhaus in der kommenden Spielzeit 2005/2006 nicht vorbei. Bekannte Autoren wie Herbert Achternbusch oder Feridun Zaimoglu entwerfen in kurzen Dramen rund um das runde Leder ein Stimmungsbild aus dem "Land der Dichter und Denker", eigens für das Schauspielhaus geschrieben.
Damit ist es bei weitem nicht genug. Für Intendantin Anna Badora ist die kommende Saison die letzte Spielzeit, und die startet furios. Drei Premieren finden allein in der ersten Woche statt. Insgesamt sind es 13 Premieren, davon sieben Uraufführungen, die in der nächsten Spielzeit auf die Bühne kommen.
In eine neue Runde geht die Reihe "Das Neue Europa - Warten auf die Barbaren?". Unter dem Titel "Illegal" schickt der Ukrainer Juriy Andruchowytsch am 16. September seinen Orpheus in die Unterwelt der westlichen Zivilisation, in die Welt der Migranten, Geheimdienste und Intriganten. Der Tscheche Jáchim Topol liefert am 20. Januar mit "Auf nach Bugulma!" eine zynische Groteske aus einem von Terroristen beherrschten Europa, letzter Fluchtpunkt scheint Bugulma, nur dort existiert noch der Kommunismus.
Die Reibung zwischen Orient und Okzident bildet einen weiteren Themenschwerpunkt des Bühnenprogramms. "Nathan der Weise" ist gleich inzwei Varianten vertreten. In der klassischen Version und in der Überarbeitung "Nathan Messias" von Feridun Zaimoglu ("Kanak-Sprak"). Für den deutsch-türkischen Autor war das Lessing-Werk zunächst nicht mehr als ein "Ammenmärchen", doch er stürzte sich mit zunehmendem Enthusiasmus in das Drama, verlegte es schließlich ins konfliktgeladene Jerusalem.
Jobverlust, Hartz IV - auch diese Realitäten spiegeln sich auf der Bühne des Schauspielhauses wieder. "Café Umberto" von Moritz Rinke beschreibt drei Akademiker-Paare im Strudel von Jobverlust und Depression. Arbeitslose sollen aber nicht nur als Bühnenfiguren herhalten, sondern selber als Schauspieler agieren. In dem Projekt "Nur für Arbeitslose" sind sie gefragt, eigene Szenen über ihr Leben zu entwickeln.
Auch die mehr oder weniger schönen Facetten der Liebe sollen in der kommenden Bühensaison nicht zu kurz kommen. Inszeniert werden "Ein Sommernachtstraum", "Leonce und Lena", "Der eingebildete Kranke" und "Wer hat Angst vor Virginia Woolf". Und Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek bleibt fast Dauergast des Hauses. Am 24. November feiert ihre Trilogie über den Tod "Macht Nichts" Premiere.
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