Winter in Düsseldorf: Brummifahrer stranden in Reisholz
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 21.12.2010 - 07:15Düsseldorf (RPO). Lange Schlangen an den Ticket-Schaltern der Fluggesellschaften, verspätete Züge und erboste Lastwagen-Fahrer, denen das am Wochenende verhängte Fahrverbot der Bezirksregierung gestern die Tour vermasselte – ein Wintertag in Düsseldorf.
Noch vor Weihnachten soll in Hamburg der Aufbau für das Musical Cats beginnen, das am 6. Januar in Zeltstadt auf dem Heiliggeistfeld Premiere feiert. Die Rückkehr der Erfolgsproduktion in die Hansestadt ist gestern aber erst einmal ausgebremst worden: Etliche der 52 Lkw, die das schwarze Riesenzelt Zelt aus Düsseldorf – wo es bislang probeweise aufgebaut war – nach Hamburg bringen sollten, mussten auf dem Reisholzer Autohof stehen bleiben.
"Ein Hohn, was das Land NRW hier macht", schimpfte Brummi-Fahrer Alexander Braasch. Er ist mit einem Kollegen am Sonntagabend aus Paderborn nach Düsseldorf gekommen, um einen der Lastzüge zu übernehmen. "Wir haben mit dem Auto anderthalb Stunden gebraucht, die Bahn war frei, geräumt und gestreut." Trotzdem blieben in weiten Teilen des Landes die Autobahnen für Lkw über 7,5 Tonnen gesperrt. In Düsseldorf hob die Bezirksregierung das Fahrverbot erst gestern um kurz nach 10 Uhr wieder auf. "Bis Hamburg kommen wir heute trotzdem nicht mehr", sagte Braasch – in Richtung Norden staute sich der Verkehr zu dieser Zeit bereits auf etlichen Kilometern.
Erst im neuen Jahr wird es in den Baumärkten wohl wieder Eiskratzer und Schneeschippen geben. Beides ist in den großen Baumärkten in Düsseldorf derzeit Mangelware. Auch das Streusalz bleibt knapp - zumal die ohnehin hohe Nachfrage nach den jüngsten Schneefällen noch einmal gestiegen sei, hieß es gestern bei OBI und Bauhaus. Auch nach anderen Saisonartikeln muss man lange Suchen: Schlitten sind in den meisten Märkten restlos ausverkauft.
Der Düsseldorfer Sven Grothe wollte mit seinem Gefahrguttransport um 5 Uhr erst nach Oberhausen, dann nach Frankfurt am Main starten – "eine Tagestour". Weil er entsprechend früh schlafen gegangen war, wusste er nichts vom Fahrverbot, bis er am Morgen zum Lkw fuhr. "Ich bin dann noch mal nach Hause und habe Bettzeug eingepackt – an einem Tag werde ich das heute wohl nicht schaffen."
Die Bezirksregierung Düsseldorf hatte erstmals am Donnerstagabend ein Autobahnverbot für Lkw über 7,5 Tonnen ausgesprochen, das in der Nacht zum Freitag wieder aufgehoben und "wegen der einsetzenden Starkschnee- und Eislage später wieder in Kraft gesetzt worden" war. Auch die Bezirksregierungen Arnsberg, Detmold, Köln und Münster hatten entsprechende Verbote erst gestern Morgen wieder aufgehoben.
Der Bahnverkehr im Raum Düsseldorf lief nach einem turbulenten Wochenende gestern wieder weitgehend normal. "Der Regionalverkehr ist wieder nahezu im Takt", so ein Bahnsprecher am Morgen. Lediglich im Fernverkehr müsse noch mit Verspätungen gerechnet werden. Zwischen neun und zehn Uhr war es vor allem der Regionalexpress von Krefeld-Oppum nach Kleve, den der Schnee um mehr als eine Stunde verzögerte.
Auch am Düsseldorfer Flughafen hätte gestern eigentlich alles in Ordnung sein können – Start- und Landebahn standen "ganz normal" zur Verfügung. Da das aber längst nicht in ganz Europa der Fall ist und nach den zahlreichen Ausfällen vom Wochenende viele Maschinen nicht dort waren, wo sie den Flugplänen nach hätten sein müssen, kam es auch in Düsseldorf zu zahlreichen Verspätungen. Bis zum Mittag waren außerdem 25 der für den Tag geplanten 500 Flugbewegungen annulliert worden.
Den Autofahrern in und um Düsseldorf attestierte die Polizei gestern "sehr gut angepasste und vorsichtige Fahrweise". 15 Unfälle wurden zwischen 5 und 12 Uhr auf den Autobahnen registriert, acht ereigneten sich im selben Zeitraum im Stadtgebiet. In den meisten Fällen blieb es bei geringen Blechschäden, zwei Personen wurden leicht verletzt. Polizeisprecherin Susanna Heusgen: "Der Verkehr kommt langsam, aber sicher voran."
Bereits um 4 Uhr hatte die Awista damit begonnen, Salz auf den Hauptverkehrsstraßen zu streuen. Am Sonntagabend war in Erwartung der angekündigten weiteren Schneefälle zuerst Splitt gestreut worden, so Awista-Spracher Ralf Böhme. Der Starkschnee war dann aber ausgeblieben. Um Salz zu sparen – "noch haben wir genug" – gelte aber auch weiter für die so genannten Wohnsammelstraßen in die Wohngebiete hinein ebenso wie für Radwege Streustufe 2. Das heißt, dass dort nur Splitt zum Abstumpfen aufgebracht wird. Heute soll das nicht mehr nötig sein: Der Wetterdienst hat steigende Temperaturen angekündigt.
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