Prozess nach Basketballspiel: Brutales Foul: Spieler verurteilt
VON JULIANE KAELBERLAH - zuletzt aktualisiert: 29.04.2011Düsseldorf (RPO). Wegen schwerer Körperverletzung musste sich gestern ein 27-Jähriger vor dem Amtsgericht Düsseldorf verantworten: Er hatte einen Gegenspieler während eines Basketballspiels im März 2010 gegen den Kopf getreten.
Es war der juristische Schlusspfiff eines hitzigen Basketballspiels – und das Ende einer langen Verhandlung: Erst nach knapp vier Stunden stand das Urteil gegen den Angeklagten, einen 27-jährigen Studenten, fest: Weil er einen Gegenspieler während eines Bezirksligaspiels absichtlich gegen den Kopf getreten hatte, wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à zehn Euro verurteilt.
Der Fall, der gestern vor dem Amtsgericht Düsseldorf verhandelt wurde, hatte sich bereits im vergangenen März ereignet: Während der Basketballpartie zwischen den damaligen Bezirksligisten Dynamic Squad und TG 81 war es zu einem Foul zwischen zwei Spielern gekommen. Beide gingen zu Boden und rangen miteinander – laut einiger Zeugen soll der TG 81-Spieler den anderen dabei sogar in die Beinschere genommen haben.
Das Rechtsgespräch
Was im Zivilprozess der Vergleich ist, wird im Strafprozess oft als Rechtsgespräch bezeichnet: Unter Ausschluss der Angeklagten und der Öffentlichkeit diskutieren Richter, Staatsanwälte und Verteidiger den bisherigen Verlauf des Prozesses. Genutzt wird das Rechtsgespräch vor allem, um langwierige Verfahren zu verkürzen. Allerdings ist eine solche Verständigung im Strafprozess nur unter Einschränkungen zulässig.
Das Foul brachte die angeheizte Stimmung in der Halle des Comenius-Gymnasiums zum Kippen: Erbost stürmten Betreuer, Zuschauer und Spieler das Feld – unter ihnen auch der Angeklagte, der als Spieler der Squads auf der Ersatzbank gesessen hatte. Er trat den am Boden sitzenden Spieler der TG 81 gegen den Kopf. Dieser soll danach bewusstlos gewesen sein, versuchte aber trotzdem, wieder ins Spiel zu kommen und wurde schließlich vom Notarzt ins Krankenhaus gebracht. Die Schiedsrichter brachen die Partie trotz des Vorfalls erst später ab und wurden deshalb vom Basketballverband gesperrt.
Zehn Zeugen und keine Beweise
Im Tumult auf dem Spielfeld soll auch ein Zuschauer den Spieler getreten haben – der 28-Jährige saß gestern als zweiter Angeklagter vor dem Richter. Doch weder eine Mappe voller Fotos, die Pressefotografen von der Massenschlägerei gemacht hatten, noch die Aussagen mehrerer Zeugen brachten Aufschluss darüber, ob die beiden Angeklagten den TG-Spieler wirklich getreten hatten.
Ein Zeuge sagte aus, der erste Angeklagte habe keinesfalls gezielt getreten, sondern sei über den Spieler hinweg gesprungen. Ein anderer meinte, der zweite Angeklagte sei nur auf das Spielfeld gelaufen, um zu schlichten – wieder andere konnten sich nicht an Details, sondern nur an eine einzige prügelnde Menschenmasse erinnern.
Das Opfer habe nach eigener Aussage zwar keine Schäden davongetragen, kann sich an das Geschehen aber kaum erinnern. Wegen des Fouls – dem Auslöser der Rangelei – habe sein Gegenspieler der Squads ihn angezeigt, das Verfahren sei aber mittlerweile eingestellt. "Das Foul war zwar hart, aber verletzt habe ich ihn nicht", sagte der Basketballer.
Die Angeklagten hingegen schwiegen beharrlich: Erst nach drei Stunden Prozess und einem einstündigen Rechtsgespräch gestand der erste Angeklagte schließlich, den TG-Spieler aus Wut getreten, sich aber im Anschluss entschuldigt zu haben. "Sie haben gerade noch mal die Kurve bekommen", kommentierte der Richter die späte Reue. Da das Opfer keine schweren Verletzungen davongetragen habe und der Angeklagte nicht vorbestraft sei, hielt auch die Staatsanwältin eine Geldstrafe für angemessen. Der zweite Angeklagte wurde nicht verurteilt: Nachdem das Gericht noch bis in den frühen Abend weitere Zeugen verhört hatte, entschied es sich wegen mangelnder Beweise, den 28-Jährigen freizusprechen.
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