1200 Mitarbeiter betroffen: Bundeswehr schließt größte Behörde
VON HELMUT MICHELIS - zuletzt aktualisiert: 08.02.2011 - 07:40Düsseldorf (RPO). Die geplante massive Reduzierung der deutschen Streitkräfte und ihrer zivilen Verwaltung trifft auch Düsseldorf: Die Wehrbereichsverwaltung West in Mörsenbroich mit rund 1200 Mitarbeitern hat in der neuen Struktur keinen Platz mehr.
Das bereits erwartete Aus für die größte Bundesbehörde in Düsseldorf scheint endgültig besiegelt: Mit großer Besorgnis nahmen die rund 1200 Mitarbeiter der Wehrbereichsverwaltung (WBV) in Mörsenbroich die Reformvorschläge zur Kenntnis, die Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, Staatssekretär Walther Otremba und der Arbeitsstab "Umbau der Bundeswehr" gestern offiziell vorgestellt haben. Denn daraus ergibt sich, dass die Dienststelle keine Zukunft mehr hat.
Das Verteidigungsministerium erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung lediglich: "Wir kommentieren die heute vorgestellten Vorschläge nicht." Das Ende der WBV war aber bereits nach der Abschaffung der Wehrpflicht und dem damit verbundenen Wegfall der Musterung befürchtet worden. Die Behörde, die größte der vier Wehrbereichsverwaltungen in Deutschland, führt nämlich unter anderem 19 Kreiswehrersatzämter.
Gegründet 1956
Sitz Bis 1967 auf der Königsallee, dann Umzug nach Mörsenbroich.
Struktur Zunächst Verwaltungsstelle, dann eigenständige Behörde, im Jahr 2002 zusammengelegt mit der WBV IV in Wiesbaden.
Aufgabe Vielfältiger Dienstleister für die Streitkräfte
Nun sollen ein zentrales Personalamt und ein Bundeswehr-Dienstleistungsamt (vermutlich in Bonn) eingerichtet werden. Bei diesen Ämtern werden die Grundsatzaufgaben des Personalwesens, der Besoldung und der allgemeinen Dienstleistungen zentral zusammengefasst. Bislang kümmerte sich die Düsseldorfer Dienststelle um alle Unterstützungsleistungen für die Streitkräfte wie die Pflege der Kasernen, die Bereitstellung der Verpflegung oder um Rechtsangelegenheiten.
"Die Entscheidung des Ministers steht noch aus", sagte WBV-Präsident Georg Stuke zwar auf Nachfrage unserer Zeitung. Er weiß aber auch, dass nach den neuen Planungen seine WBV alle Aufgaben verliert. Dies hatte er vermutlich bereits beim Jahresempfang der Bundeswehr am 20. Januar in der Tonhalle geahnt. "Düsseldorf muss ein bedeutender Bundeswehrstandort bleiben", betonte Stuke auch gestern. "Ich bin mir sicher, dass vor der endgültigen Entscheidung die Faktoren Einsatzausrichtung, Wirtschaftlichkeit und die grundgesetzlich festgelegte Arbeitsteilung zwischen Verwaltung und Streitkräften intensivst geprüft werden."
Der WBV unterstehen in NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland 22 000 zivile Beamte, Angestellte und Arbeiter. Stuke hofft, dass die Umstrukturierung "mit möglichst wenigen Versetzungen – zum Wohle der Mitarbeiter – einhergeht". Die WBV ist nach der Auflösung der 7. Panzerdivision die letzte bedeutende Bundeswehrdienststelle in Düsseldorf. Die Mitarbeiter hoffen, dass sie zumindest zum Teil in der Personalwerbung für die künftige Berufsarmee eine Aufgabe finden. Erst vor kurzem waren der Behörde 1143 Stellen für freiwillig Grundwehrdienst Leistende und 289 Stellen für freiwillig länger Dienende zugewiesen worden, die besetzt werden müssen.
Guttenberg will seine Reform so schnell wie möglich umsetzen. Genaue Daten sind nicht bekannt. In der Liegenschaft Wilhelm-Raabe-Straße ist auch das Landeskommando NRW untergebracht, das weiter bestehen soll. Diese Dienststelle, die für die zivil-militärische Zusammenarbeit im Katastrophenfall zuständig ist, benutzt aber nur einen Gebäudeblock auf dem Gelände, so dass ein weiteres großes Grundstück frei werden könnte.
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