12.000 Besucher beim CSD: Bunte Party für mehr Toleranz
VON JAN WIEFELS - zuletzt aktualisiert: 07.06.2010 - 07:58Düsseldorf (RPO). Ausgelassen feierten 12 000 Besucher am Wochenende den Christopher Street Day. Höhepunkt der Veranstaltung war die Parade durch die Innenstadt. In ihre ausgefallenen Kostüme investierten die Teilnehmer viel Arbeit.
Bei jeder Bewegung wippen die Federn auf dem Kopf von Ralf Finke wie ein Hahnenkamm auf und ab, an seinen Armen klebt ein Gefieder in Regenbogenfarben. "Seit sieben Jahren bin ich Köln dabei, heute wollen wir sehen, was Düsseldorf zu bieten hat", sagte der gut gelaunte Dortmunder, ehe er sich mit seiner Gruppe in die Aufstellung für die Parade zum Christopher Street Day (CSD) einreiht.
Bunt, grell, laut und fröhlich – so wie Finke präsentierten sich gestern die meisten der 12 000 Teilnehmer des siebten CSD in der Landeshauptstadt. Unter dem Motto "Unser Herz schlägt andersrum!" demonstrierten die Zugteilnehmer zwischen Königsallee und Altstadt für mehr Toleranz. 30 Wagen – elf mehr als im vergangenen Jahr – waren bei der Parade dabei. "Obwohl die Veranstaltung jedes Jahr größer wird, geht es hier noch sehr familiär zu", sagte ein Teilnehmer mit dem Namen Schwester Mary. Zweieinhalb Stunden Arbeit hat er in sein Outfit investiert. Im Blumenkleid, mit weiß-gefärbtem Gesicht und gefärbtem Bart stolzierte Schwester Mary über den Zugweg und winkte in die Kameras der Passanten.
Einheitlich im Matrosen-Dress waren die Mitglieder der KG Regenbogen unterwegs. Passend zu den Kostümen fuhr der Gruppe ein geschmücktes Motorboot voraus. Noch mehr Aufmerksamkeit zogen da nur noch die Jacob Sisters auf sich. Jede der drei Sängerinnen wurde mit einem knallroten Cabrio durch Düsseldorfs Straßen chauffiert. Mit dabei natürlich die Pudel, die bei keinem Auftritt fehlen dürfen.
Angesichts von knalligen Kostümen und lauten Schlagern fühlten sich manche Besucher an den Karneval erinnert – zu unrecht, wie Paradenteilnehmer Uwe meinte: "Das ist nicht unser Anliegen. Bei allem Spaß geht es weiter darum, für unsere Rechte einzutreten." Dieses Anliegen halten auch viele Politiker für wichtig. Während Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) die Schirmherrschaft für den CSD übernommen hat, waren SPD und Grüne mit einem eigenen Wagen bei der Parade dabei. Als Gäste konnte Organisator Kalle Wahle auch die Bürgermeisterinnen Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) und Gudrun Hock (SPD) begrüßen.
"Düsseldorf war schon immer tolerant", sagte der Veranstalter. Besonders erfreulich sei, dass zum CSD immer mehr Teilnehmer aus dem ganzen Land anreisen. "Es sind dieses Mal Gruppen aus Wuppertal, Siegen und Iserlohn dabei – das ist super", so Wahle.
Ein Grund für den gewachsenen Zuspruch dürfte auch das ausgeweitete Programm der Veranstaltung sein. Das Zentrum des CSD war am Wochenende der Johannes-Rau-Platz in der Nähe des Apollo Varietés. Bei dem Straßenfest präsentierten Gruppen und Verein von der Aidshilfe bis zu den Feuerwehrgays den Besuchern ihre Arbeit. Und natürlich wurde auch gefeiert: Bei Cocktails und Prosecco wurde am Freitagabend bei einem Karaokewettstreit Kandidaten für den "City Star" gekürt. Am Samstag und Sonntag dominierten Bands und Tänzer die Festbühne. Der Abschluss des dreitägigen CSD war gestern Abend ein Auftritt der Jacob Sisters.
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