Fest zum 30-jährigen Bestehen: Buntes Leben auf der Kiefernstraße
VON MICHAEL BROCKERHOFF - zuletzt aktualisiert: 26.09.2011 - 09:32Düsseldorf (RP). Beim Fest zum 30-jährigen Bestehen des Wohnprojektes zeigten die Anwohner, dass sich die Gruppen in den Häusern wie eine Familie fühlen und ihre Vorstellungen vom etwas anderen Leben in der Stadt kreativ umsetzen. Das beeindruckte Besucher aus anderen Stadtteilen.
So bunt kann das Leben in der Stadt sein: Tischgruppen vor den Häusern mit gemütlich plaudernden Menschen, Lyrik des Protestes auf einer Bühne, ausgelassen spielende Kinder auf Hüpfkissen, Stände mit ausgefallener Kleidung, Büchern und Spezialitäten zum Essen, ein Dancefloor auf der Straße mit ohrenbetäubenden, hämmernden Rhythmen – die Kiefernstraße zeigte mit ihrem Fest, dass sie ein lebendiger Kontrapunkt zu den gediegenen Wohnvierteln oder zu der eleganten Innenstadt ist.
Trotz des unterschiedlichen Charakters der einzelnen Aktionen herrschte eine einheitliche Atmosphäre. Das Fest glich einer Familienfeier. Kein Wunder, denn "die Bewohner haben sich gemeinsam überlegt, wie sie das Straßenfest gestalten können", berichtet Reinhard Schwenk vom Wohnprojekt Kiefernstraße. Sie wollten damit auch das 30-jährige Bestehen des Wohnprojektes Kiefernstraße feiern, das aus der Hausbesetzer-Szene hervorgegangen war.
So friedlich wie heute lebte es sich damals nicht an der Kiefernstraße. Fotografien, die im erst vor wenigen Monaten eröffneten Ausstellungs-Café zu sehen sind, zeigen das: Wasserwerfer der Polizei gegen Hausbesetzer, Demonstrationen, Bewohner vor den sanierungsreifen und trotzdem charmanten Häusern. Anwohner der Kiefernstraße hatten diese Szenen festgehalten – ebenso wie den eigenartigen Charme des Viertels.
"Der Blick auf den inzwischen abgerissenen Gasometer der Stadtwerke inmitten der Fabrikgebäude hatte für mich einen besonderen Reiz", sagte Peter Radkovik, der mit seinen Fotos die Atmosphäre der Kiefernstraße in der Gründerzeit zeigen will. Der Fotograf gehörte zu den ersten Bewohnern der Häuser. Und lebt jetzt nach einigen Jahren der Unterbrechung wieder dort. "Mich hat es hierhin zurückgezogen, weil das Leben hier anders ist als in Düsseldorf", sagte er.
Vielfalt als Erfolgsgrund
Das empfinden auch Festbesucher aus anderen Stadtteilen so. "Hier ist es bunt, die Wandmalereien auf den Fassaden zeigen, wie kreativ die Bewohner sind", sagt ein Paar aus Flingern. Es hat die Entwicklung der Kiefernstraße über die Jahre verfolgt, "weil die Straße ein Stück von Flingern ist". Sie gehöre zu Düsseldorf als Kontrast. "Was in Hamburg die Hafenstraße, ist in Düsseldorf die Kiefernstraße." Ein anderer Besucher ist viel lieber auf der Kiefernstraße, weil "es hier lebendig ist und frischer Wind weht". In etablierten, bürgerlichen Vierteln wie etwa Oberkassel dagegen könne man wegen der Eintönigkeit und Ruhe Beklemmungen bekommen.
Die Vielfalt hält Schwenk für einen Grund für den Erfolg des Wohnprojektes Kiefernstraße: "Die Bewohner der einzelnen Häuser können nach ihren Vorstellungen leben und zusammen mit ihrer Gruppe die Häuser und Wohnungen gestalten." Das zeigt sich besonders in den künstlerisch beachtlichen Wandbildern auf den Fassaden, die längst nicht mehr nur Kritik an der Gesellschaft ausdrücken. Das zeigt sich ebenso an Aktionen etwa im Ausstellungscafé oder im Klub AK 47 mit seinem Musikprogramm. Eine Art dunkle Höhle, in der nach dem Eintreten allmählich dreidimensionale, fantastische, im Schwarzlicht leuchtende Bilder hervortreten. Im Club treten regelmäßig Bands auf und legen DJs auf. Der richtige Treffpunkt für eine Open-End-Party des Festes bis in den frühen Morgen.
Mehr zur Kiefernstraße und ihrer bewegten Geschichte lesen Sie hier.
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