Dreh in den Rhein-Auen: Campino als Schauspieler
VON SABINE JANSSEN - zuletzt aktualisiert: 28.09.2007 - 10:38Düsseldorf (RPO). „Paris Texas“ war vorgestern. Nun kommt Düsseldorf-Palermo. Gestern drehte Wim Wenders mit dem Sänger der Toten Hosen in den Rhein-Auen vor der Kulisse ihrer beider Heimatstadt - mit 1000 Schafen als Statisten.
Der Himmel über Düsseldorf ist bedeckt. Und das ist gut so. „Ich hatte es mir so gewünscht“, sagt Wim Wenders. Abgesehen von einigen hartgesottenen Joggern können der Filmemacher und sein Team, der Sänger Campino von den Toten Hosen, der Schauspieler Udo Samel und gut 1000 Schafe, völlig ungestört in den Rheinwiesen von Oberkassel drehen.
Die Szenen gehören zu den Anfängen von Wenders neuem Film „The Palermo Shooting“, der in Düsseldorf beginnt und in Sizilien endet. Es ist die Geschichte eines Mannes, der sich auf den Weg macht, wie so oft in Wenders Filmen. Für die Hauptrolle des ebenso erfolgreichen wie ruhelosen Fotografen Finn hat Wim Wenders einen echten Düsseldorfer gewählt: Campino, den Sänger der Toten Hosen. Der ist derzeit auf dem Baum, und Udo Samel sitzt drunter.
„Schön nicht? Der Rhein, die Auen, der Morgen“, spricht Udo Samel in die Kamera. Campino als Finn reibt sich verwundert die Augen. Er ist nachts auf die uralte Linde am Rhein geklettert, dort eingeschlafen und nun wach geworden, weil es, so Wenders, „um ihn herum ganz fürchterlich mäht“. „Sind das Ihre Schafe?“, fragt er den Mann mit Anzug und Fliege verwundert. Und daraufhin erklärt ihm Samel in der Rolle eines Bankers, dass er sich die ruhigen „Schäferstunden“ kauft. Mit der einen Hand checkt er im Blackberry die Börsenkurse, mit der anderen hält er den Schäferstab. So weit die Szene. Immer wieder, von weit, von nah, von oben und unten. Klappe und Schluss.
Was der Zuschauer im kommenden Jahr im Kino nicht sehen wird: Albert Görsmeyer hat seine 1000 Schafe vorher mit Brot unter die Linde gelockt. Die Tiere nehmen den Dreh sehr lässig, professionell geradezu. Während der langen Wartezeiten grasen sie friedlich um Kameramänner und Tontechniker herum. Der Schäfer ist zufrieden: „Fotografiert werden sie häufig, aber gefilmt ganz selten.“
Für Wim Wenders sind diese Dreharbeiten ebenfalls eine Premiere: Der 62-jährige dreht zum ersten Mal in seiner Geburtsstadt. „Das war allmählich fällig“, sagt der Filmemacher. Die Orte für „Palermo Shooting“ hat er ausgesucht. „Vor dort drüben habe ich als Kind rüber geguckt“, sagt Wenders und zeigt auf die andere Rheinseite, Richtung City. „Früher habe ich hier am Rhein gespielt. Mit meinem Vater bin ich schwimmen gegangen und beinahe mal abgesoffen. Mein Vater hat mich in letzter Minute festgehalten“, erinnert sich der Regisseur. Das war 1948 oder 1949.
Die Auswahl seines Düsseldorfer Hauptdarstellers ist alles andere als Zufall. Bei Arbeiten für einen Video-Clip der Toten Hosen 1999 lernten sie sich kennen. „Wir machen mal einen Film zusammen“, sagt Wenders zu dem Sänger, der das nicht ernst nahm - bis Weihnachten vergangenen Jahres. „Er macht seine Sache richtig gut, ein Naturtalent. Der spielt bald in Hollywood“, lobt der Filmemacher. Der Rockstar selbst fühlt bei dem Meister des deutschen Films gut aufgehoben. „Er ist sehr ruhig, sehr sachlich.“ Die Frage, ob er jetzt noch öfter vor der Kamera stehen wird, lässt er offen. „Ich habe aufgehört nie und nimmer zu sagen“, meint Campino.
Acht Drehtage in Neuss, Essen und Düsseldorf liegen bereits hinter ihnen, fünf weitere vor ihnen. Dann geht es nach Sizilien. Einige Stars sind schon im Kasten. Mila Jovovich kam zur Essener Zeche Zollverein. Musiker Lou Reed war in einer Neusser Kneipe. „Er kommt da aus einer Jukebox raus. Aber jetzt habe ich viel zu viel erzählt“, sagt Wenders und wendet sich dem Set zu. Der Himmel ist verhangen. Gott sei Dank.
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