Ab Samstag: Caravaggio auf der Spur
VON SYLVIA ROLLMANN - zuletzt aktualisiert: 07.09.2006 - 08:30Düsseldorf (RP). 38 Gemälde des Künstlers sind ab Samstag im museum kunst palast zu sehen. Es ist die erste Caravaggio-Werkschau dieser Art. Sie findet im Rahmen der Quadriennale 06 statt. Die Ausstellung, zu der mehr als 100.000 Besucher erwartet werden, ist ein Kraftakt - für Organisatoren, Handwerker und die Eigentümer der Werke.
Mattjs Visser ist ein gefragter Mann. Der Leiter des Ausstellungsmanagements im museum kunst palast hat die Pläne im Kopf, er weiß, welches Gemälde wo hängen soll. Während Handwerker mit Zollstock, Akkuschrauber und Leiter hektisch hin- und herrennen, verhandelt er mit dem Kurator der Pinacoteca Capitolina. „,Johannes der Täufer’ wird dort in der Mitte hängen. Das ist ein zentraler Platz“, sagt Visser und lächelt. Sergio Guarino, der Kurier, der mit wertvollem Gepäck aus Rom gekommen ist, nickt zufrieden.
Spätestens am Samstag, wenn im museum kunst palast die Caravaggio-Ausstellung beginnt, dürften alle 38 Gemälde komplett sein, die Kurator Jürgen Harten zusammengestellt hat. „Wir haben vor fünf Jahren mit der Vorbereitung begonnen“, erklärt Visser. Ein Kraftakt, nicht nur logistisch, denn die Bilder stammen zum großen Teil aus privaten Sammlungen. „Am schwierigsten war es, die Gemälde zu finden und die Eigentümer davon zu überzeugen, ihre Werke zur Verfügung zu stellen. Einige Bilder waren in schlechtem Zustand. ,Der ungläubige Thomas’ war jahrelang so gründlich von Putzfrauen gereinigt worden, dass nur noch die Grundierung übrig war“, erzählt Visser. Ein anderes Bild war im spanischen Bürgerkrieg nahezu zerstört worden, für ein drittes musste ein neues Rahmenwerk gebaut werden.
Jetzt, zwei Tage vor der Eröffnung, geht es nur noch um den Feinschliff. Restauratoren und Vertreter von Versicherungen untersuchen die Bilder mit Taschenlampen. Während überall gebohrt und gehämmert wird, prüfen sie, ob sich beim Transport Farbpartikel gelöst haben oder das Rahmenwerk verkratzt wurde. Auf Rollwagen schieben Handwerker die Kunstschätze durch die dunkle Halle. „Amor als Sieger“ gleich neben „Johannes der Täufer“ - Visser gerät ins Schwärmen: „So hat man diese Bilder noch nie zusammen gesehen.“
Wie wertvoll die Gemälde sind, mag er nicht sagen. Auch nicht, wie hoch die Versicherungssummen sind. „Für Caravaggio gibt es keinen Markt. Niemand weiß, wie viel Geld man für ein Gemälde bekommen würde“, sagt er. Hinzu kommt das Problem, dass Experten immer noch nicht mit Sicherheit wissen, bei welchen Bildern es sich um das Original, eine Replik oder eine Fälschung handelt.
Sicher ist aber, dass die Ausstellung viele Kunstinteressierte nach Düsseldorf locken wird. „Caravaggio - Auf den Spuren eines Genies“ ist das bislang größte und aufwändigste Projekt des museum kunst palast. Bis Januar werden mehr als 100.000 Besucher erwartet.
Die Ausstellung
Wann 9. September bis 7. Januar
Wo Ehrenhof
Geöffnet täglich außer montags, 10 bis 20 Uhr (12.9. bis 18 Uhr)
Eintritt 10/7,50 Euro; Familien zahlen 23 Euro, Quadriennale-Kombiticket 20 Euro Führungen Dienstag und Freitag, 18, Samstag und Sonntag, 15 Uhr
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